27.01.2012, 21:51 Uhr
Das serbische Wintermärchen geht weiter: Der Gastgeber der Handball-EM steht im Finale. Im Hexenkessel von Belgrad besiegte Serbien vor 19.982 fanatischen Zuschauern den Erzrivalen Kroatien mit 26:22 (13:14) und greift im Endspiel am Sonntag gegen Dänemark nach seinem ersten EM-Titel und der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele.
Der Vize-Weltmeister hatte sich zuvor im zweiten Halbfinale gegen den WM-Dritten Spanien mit 25:24 (12:10) durchgesetzt. Kroatien und Spanien spielen um Platz drei. Das "kleine Finale" leiten die deutschen Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig. Den fünften Rang und damit den letzten freien Platz in der Olympia-Ausscheidung hatte sich Mazedonien durch einen 28:27 (16:12)-Erfolg gegen Slowenien gesichert.
Kretzschmar, Heuberger & Co. analysieren die EM-Pleite. zum Video
Beim Hochsicherheitsspiel zwischen Serbien und Kroatien waren mehrere tausend Angehörige von Polizei und Gendarmerie in der Arena und im Umfeld im Einsatz. Die zahlenmäßig kleine Anhängerschar aus Kroatien wurde auf dem Oberrang durch von Ordnungskräften und mit Helm, Schild und Waffen bewehrten Gendarmerie-Einheiten vor befürchteten Übergriffen serbischer Fanatiker geschützt.
Bereits in den Tagen zuvor war es mehrfach zu Attacken von Hooligans aus der Fußballszene auf kroatische Fans gekommen. Die Polizei war nach den Überfällen in Alarmbereitschaft versetzt worden. Kroatische Reiseveranstalter und Handball-Klubs hatte Reisen nach Belgrad abgesagt. Die serbischen Fans störten das Abspielen der kroatischen Hymne mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert.
Die Beteiligten beider Mannschaften hatten im Vorfeld allein die sportliche Brisanz der Partie betont. Und so spielten beide Teams mit vollem Einsatz, aber fair. Dennoch gelang es weder dem Gastgeber noch den Kroaten, sich einen komfortablen Vorsprung zu erspielen. Die abgeklärter agierenden Gäste gingen mit einer 14:13-Führung in die Pause. Dank der größeren Leidenschaft und des überragenden Torhüters Darko Stanic wendete Serbien das Spiel und verschaffte sich beim 21:17 (46.) den vorentscheidenden Vorsprung.
Zuvor waren die Dänen glücklich lachend aus der Halle gegangen. Zum zweiten Mal nach der WM im Vorjahr hatten sie Spanien im Halbfinale besiegt und greifen nun erneut nach Gold. Der Nachfolger des gescheiterten Titelverteidigers qualifiziert sich zudem direkt für die Olympischen Spiele. "Das wäre super. Dann kriegen wir mehr frei", sagte Lasse Svan Hansen von der SG Flensburg-Handewitt.
Da die Dänen nach Weltmeister Frankreich und Gastgeber Spanien bereits als Teilnehmer für die WM 2013 feststehen, bleibt ihnen die Qualifikation dafür im Juni erspart. "Das ist schon eine Woche mehr Sommerurlaub und jetzt wollen wir auch noch Ostern frei haben", sagte Hansen. Die Ausscheidungsturniere für London finden vom 6. bis 8. April statt.
Quelle: sid , dpa
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