28.10.2011, 14:58 Uhr
Schiedsrichter Miroslaw Baum im Champions-League-Finale 2007 zwischen Kiel und Flensburg. (Quelle: imago)
Der ehemalige polnische Handball-Schiedsrichter Miroslaw Baum hat vor dem Kieler Landgericht alle Manipulationsvorwürfe entrüstet von sich gewiesen. "Ich bin nie von jemandem angesprochen worden, Geld zu nehmen, weder von Privatleuten noch von Klubs", erklärte der 52-Jährige am sechsten Verhandlungstag des Strafprozesses gegen den ehemaligen Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker, und Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic.
Auch vor dem Champions-League-Finalrückspiel 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt, das Baum mit seinem Partner Marek Goralczyk geleitet hatte, habe es keinen Bestechungsversuch gegeben, so Baum. Er war nach den Vorwürfen nicht mehr als Schiedsrichter nominiert worden. Der heute als Funktionär tätige Baum vermittelte zu Beginn der Vernehmung einen sehr nervösen Eindruck, beruhigte sich dann aber im Laufe der rund zweistündigen Befragung. Die Staatsanwaltschaft Kiel wirft den Angeklagten vor, die polnischen Referees über einen kroatischen Mittelsmann mit insgesamt 92.000 Euro bestochen zu haben.
Baum widersprach der Darstellung der Staatsanwaltschaft, wonach der kroatische Geschäftsmann Nenad Volarevic ihm zwei Tage vor dem Finale in Warschau 45.000 Euro übergeben haben soll. "Ich habe Volarevic an diesem Tag nicht getroffen", erklärte Baum. Der Zeuge berichtete von einer späteren Begegnung mit dem damaligen SG-Profi Joachim Boldsen, den er im Endspiel mit Rot vom Platz gestellt hatte. "Wir haben über diese Szene gelacht, und Boldsen sagte mir, dass meine Entscheidung richtig gewesen sei", erzählte Baum.
Der Erziehungswissenschaftler erklärte, er sei freiwillig zu diesem Prozess gekommen, um seinen Ruf wiederherzustellen. "Durch die Vorwürfe wurden meine Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit infrage gestellt, ich bin gekommen, um dem Gericht für alle Fragen zur Verfügung zu stehen." Die Verteidigung wertete die Aussage des Zeugen als Entlastung für die Angeklagten, die die Vorwürfe stets bestritten haben. Der Zeuge habe sich nicht in Widersprüche verwickelt, sagte Schwenker-Anwalt Michael Gubitz. "Auch spricht für ihn, dass er aus freien Stücken gekommen ist."
Der Prozess wird am nächsten Freitag mit der Befragung von Baums Partner Marek Goralczyk fortgesetzt. Das Gericht erklärte, auf eine Befragung Karin Schwenkers verzichten zu wollen. Die Ex-Ehefrau des Angeklagten hatte erklärt, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen.
Quelle: dpa
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