20.12.2008, 08:07 Uhr
Let the games begin: Holyfield (li.) gegen Walujew (Foto: Reuters)Heute Abend steigt in Zürich der - zumindest auf dem Papier - wohl spektakulärste Boxkampf des Jahres. Auch wenn Klitschko-Manager Bernd Bönte den Fight zwischen Nikolai Walujew und Evander Holyfield als ein "Desaster für den Sport" einordnet, die Zuschauer und Fans des behandschuhten Faustkampfes freuen sich darauf. Mit einer Milliarde TV-Zuschauern in 100 Ländern wird gerechnet.
Für Holyfield geht es bei dem Kampf nicht nur um jede Menge Geld. Der "Box-Opa" will im Alter von 46 Jahren noch einmal Weltmeister werden - und damit einen Meilenstein in der Geschichte des Boxens aufstellen.
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Es sei alles eine Frage des Charakters und nicht des Alters, sagte Holyfield, der bereits viermal Champion war. Kritiker allerdings haben nur Hohn und Spott für das Duell übrig, sprechen von "Boxen im Altersheim" und "kompletter Farce". Andere sorgen sich um die Gesundheit Holyfields. Dagegen wollen die Befürworter dem Spektakel sogar eine historische Dimension abgewinnen.
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"Der Kampf ist ein herausragendes Ereignis: Holyfield war schon viermal Schwergewichts-Weltmeister. Und mit Nikolai Walujew steht ihm der größte Schwergewichts-Champion aller Zeiten gegenüber", schwärmte Promoter Wilfried Sauerland, für dessen Stall der 35-jährige Walujew die Fäuste schwingt.
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Doch wie viel von dem alten Holyfield steckt noch im aktuellen? Der "einzig Wahre", wie sein Spitzname "The Real Deal" großspurig verspricht - hat den Zenit seines Boxer-Lebens lange überschritten. Der einstige Champion aus der Generation um Mike Tyson, Lennox Lewis und Michael Moorer dominierte die 1990er Jahre. Unvergessen ist der Eklat aus dem WM-Rückkampf mit Tyson, als dieser ihm in der dritten Runde ein Stück aus dem rechten Ohr biss, woraufhin Herausforderer Iron-Mike disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt wurde.
"Holyfield ist eine Box-Legende. Es ist großartig, dass wir ihn noch einmal nach Europa holen konnten", sagt Sauerland. Während dem Amerikaner in dessen Heimat die Box-Lizenz von einigen US- Bundesstaaten verweigert wird, sieht der deutsche Ringarzt Walter Wagner kein Problem. "Holyfield hat Werte wie ein 35-Jähriger", behauptet er.
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Walujews Trainer Alexander Simin stimmt das Publikum auf ein eher betuliches Duell ein. "Holyfield wird sehr effektiv mit seinen Kräften umgehen", prophezeit Simin. "Er weiß, dass er nach Punkten nicht gewinnen kann. Also wird er auf einen Fehler von Nikolai warten und auf diesen einen Schlag setzen." Dass ausgerechnet der Ring-Pensionär den russischen Riesen zu Boden gehen lässt, scheint jedoch zweifelhaft.
"Ich bin auf Sieg eingestellt. Wie ich das mache, spielt keine Rolle", tönt Walujew, der sich Ende August gegen John Ruiz (USA) den WBA-Gürtel zurückgeholt hatte. "In Russland gibt es einen Spruch: Seine Fähigkeiten kann man nicht versaufen. Und da ich davon ausgehe, dass er nicht trinkt, wird er seine Fähigkeiten nicht verloren haben", redet der 145-Kilo-Gigant seinen Herausforderer stark.
Den Vorwurf, die ausgehandelte Kampf-Börse in Höhe von rund 650.000 Dollar für die Unterhaltszahlungen an seine elf Kinder erboxen zu müssen, weist der Amerikaner von sich: "Wenn ich erst Weltmeister bin, ist genug Zeit, über Geld zu reden. Ich boxe nicht mehr wegen der Börse", verkündet Holyfield. Er gewann 42 seiner 53 Profikämpfe, neun verlor Holyfield.
Sollte Walujew in seinem 52. Kampf die zweite Niederlage erleiden, würde Holyfield seinen Landsmann George Foreman als ältesten Weltmeister ablösen. Der Texaner hatte im November 1994 Michael Moorer durch K.o. bezwungen und damit zwanzig Jahre nach dem Verlust des WM-Titels im Alter von 45 Jahren den Gürtel zurückerobert.
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Quelle: t-online.de , dpa
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