15.04.2009, 13:55 Uhr
Der Blick geht nach vorne bei Jürgen Klinsmann. (Foto: imago)Beim FC Bayern München hängt nach dem vierten Viertelfinal-Aus seit dem Titelgewinn 2001 der Haussegen schief. Erst recht, nachdem sich Trainer Jürgen Klinsmann in der schwersten Zeit seiner noch kurzen Trainerlaufbahn eine neue Strategie für seine Verteidigung zurechtgelegt hat: Nicht mehr alles weglächeln, sondern auch mal beißen. Nach dem Remis gegen den FC Barcelona zeigte er nicht mehr nur auf Sündenbock Michael Rensing, sondern erstmals auch ganz unverblümt auf die Chefetage.
"Wir sind gegen eine Mannschaft ausgeschieden, die eine Klasse besser ist. Was Barcelona uns voraus hat, ist eine zusammenhängende Philosophie", sagte Klinsmann und kritisierte damit die gewachsene Struktur des FC Bayern: "Bei Barca hat jeder diese Philosophie verinnerlicht, der U15-Trainer, der U17-Trainer, der Trainer der zweiten Mannschaft und Trainer Josep Guardiola haben alle dieselbe Philosophie."
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Die Raus-Rufe der Fans taten Klinsmann weh. Doch statt sich der kurzfristigen, weiter alles andere als sicheren eigenen Zukunft zu widmen, nahm der Trainer-Visionär sogar die nächste Königsklassen-Saison ins Visier. "Wir brauchen mit Sicherheit noch zwei, drei hochkarätige Spieler. Daran arbeiten wir", sagte der 44-Jährige. Einen Tag nachdem sich sein Team mit Anstand und einem 1:1 (0:0) im Rückspiel gegen den FC Barcelona im Viertelfinale verabschiedet hatte, verwies Klinsmann nicht nur auf die fehlende "Breite an Qualität" im Kader, sondern auch auf die gut gefüllte Kriegskasse, in der allein durch die Königsklasse 50 Millionen Euro stecken.
"Wenn Pfiffe von den Fans da sind, dann tun die auch ein Stück weh", gestand der vielkritisierte Coach am Tag danach. Ihm helfen nur Siege, Siege und nochmals Siege, um einigermaßen in Ruhe arbeiten zu können. Zwar wäre Franz Beckenbauer in einer Saison mit "viel Durcheinander" auch über die Vize-Meisterschaft "gar nicht so sauer oder traurig", aber die Fan-Seele wird das nicht besänftigen. "Klar muss man am Ende des Jahres einen Titel auf dem Marienplatz präsentieren", sagte Klinsmann - die Meisterschaft bleibt Pflicht.
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"Wir wissen, was wir verbessern müssen, wenn es nächstes Jahr von neuem los geht in der Champions League. Aber jetzt müssen wir uns rein auf die Bundesliga konzentrieren und punkten, punkten, punkten." Ob er und/oder sein Team im nächsten Jahr eine Chance bekommen, sich mit Barcelona, Chelsea oder ManU zu messen, darüber entscheiden in der Bundesliga jetzt Bielefeld, Cottbus & Co. beim Kampf um die Qualifikation. "Der FC Bayern muss in die Champions League. Ich möchte nicht wieder nach Braga, wo zwischen zwei Felsen die Tore stehen", erinnerte Beckenbauer mahnend an das Strafjahr im UEFA Cup 2007/08.
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Zu gut sind seine Bayern für den Verlierer-Pokal, findet Beckenbauer. Aber für die Spitze der Champions League reichte es auch in diesem Jahr wieder nicht. Mit Barcelona konnte sich der FC Bayern bestenfalls im Rückspiel auf Augenhöhe präsentieren, bei Ausfällen von Stützen wie Philipp Lahm oder Miroslav Klose fehlt es einfach an Qualität. Auf mehreren Positionen muss nachgebessert werden, auch um dem von vielen Klubs begehrten Franck Ribéry ein Zeichen zu geben, dass sein Traum vom Erfolg in der Königsklasse auch in München möglich ist. Anatoli Timoschtschuk (Zenit St. Petersburg) oder Ivica Olic reichen da noch nicht, um nach dem Champions-League-Sieg 2001 erstmals wieder ins Halbfinale einzuziehen.
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Von der für den FC Bayern beendeten Champions-League-Saison bleiben nicht die hervorragende Vorrunde oder die zwölf Achtelfinal-Tore gegen Sporting Lissabon hängen, sondern vor allem der 0:4-Tiefschlag gegen die Katalanen vor einer Woche, der den Stolz des Rekordmeisters nachhaltig erschütterte.
"Wenn wir mit einer ähnlichen Leistung in Barcelona aufgewartet hätten, hätten wir sicher keine vier Stück gekriegt", befand Manager Uli Hoeneß, der sich nicht lange über das listige 1:0 (47.) durch Ribéry freuen durfte. Nach One-Touch-Fußball der ersten Güte netzte Seydou Keita (73.) zum 1:1 ein. Ein kurzes "Sch..." huschte Hoeneß beim Ausgleichstor über die Lippen; bei einigen Fans öffneten sich dagegen gleich danach die Münder, um ihrem Unmut über den Trainer und "Du bist der beste Mann"-Gesänge über Ottmar Hitzfeld, Mehmet Scholl oder sogar Udo Lattek anzustimmen. "Ich kann das nur zur Kenntnis nehmen, ich möchte das aber nicht kommentieren", gab sich Hoeneß über die Unmutsbekundung der Anhängerschaft sehr zurückhaltend.
Mit Argusaugen beobachtet der Manager das jüngste Hin und Her der Leistungen seiner Bayern. Öffentlich bezieht er anders als der seit seiner "Udo-Lattek-hat-geweint"-Bankettrede abgetauchte Karl-Heinz Rummenigge, der Klinsmann vor dem Hinspiel demonstrativ den Rücken stärkte, keine Stellung. Der Coach baut schon seit Tagen vor und verwies auf das erreichte Mindestziel in der Königsklasse sowie das personelle Pech - und kennt den Ausweg. "Die beste Art der Überzeugung ist es, Titel zu holen."
Quelle: sid , dpa , t-online.de
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