30.06.2011, 07:00 Uhr | von Jens Bistritschan
Verbal prügeln die beiden Weltmeister ja schon fleißig aufeinander ein, WBA-Weltmeister David Haye provoziert zudem mit Geschmacklosigkeiten wie seinen T-Shirts mit den abgeschlagenen Köpfen und dem dazugehörigen iPhone-Spiel. Und auch der WBO-, IBF- und IBO-Champion Wladimir Klitschko geizt nicht mit markigen Sprüchen. Doch wenn sich die beiden Schwergewichtsboxer am Samstag in Hamburg im Ring gegenüberstehen, muss der heftige verbale Schlagabtausch nicht sofort in einen Feuerwerk mit den Fäusten münden. Im Gegenteil, es könnte sogar erst einmal sehr langweilig werden. (Klicken Sie sich durch die miesesten Pöbeleien zwischen Haye und Klitschko)
In dem Vereinigungsduell gibt es keinen Herausforderer. Daher gilt auch nicht das ungeschriebene Gesetz, nachdem der Champion im Zweifelsfalle eine Runde zugesprochen bekommt. Es gibt also für keinen der beiden Kämpfer einen Grund, auf Teufel komm raus die Initiative zu suchen.
Zwar ist sich Klitschkos Coach Emanuel Steward sicher: "Haye wird früh attackieren." Doch ist das mehr Wunschdenken als Vorhersage, weil der Brite damit seinem Schützling in die Hände spielen würde? Nicht wenige Box-Experten sind jedenfalls skeptisch.
Hartes Wortgefecht: Klitschko versus Haye Wenige Tage vor dem WM-Vereinigungskampf liefern sich die Boxer verbale Tiefschläge.
Haye hat in seinen bisher vier Auftritten im Schwergewicht wenig dafür getan, die Box-Fans aus ihren Sitzen zu reißen. Bei seinem Titelgewinn gegen Nikolai Walujew landete Haye nach inoffiziellen Zählungen gerade einmal 98 Treffer. Das sind noch nicht einmal drei pro Minute. Allerdings war seine Quote bei 143 losgelassenen Schlägen mehr als respektabel.
Sein Gegner beschwerte sich danach, er hatte das Gefühl gehabt, "bei einer Leichtathletik-Veranstaltung gewesen zu sein". Der Russische Riese seinerseits ließ 390 Schläge los. Aber nur 64 fanden den Weg ins Ziel. Der knappe Punktsieg von Haye war durchaus in Ordnung. Bei seiner Titelverteidigung gegen seinen Landsmann Audley Harrison wurden beide Boxer vom Ringrichter ermahnt, doch endlich einmal mit dem Boxen anzufangen.
Klitschko hat zwar zehn seiner letzten elf Kämpfe vorzeitig gewonnen, sein Trainer bezeichnet ihn als aktuell besten One-Hit-Puncher, also als Boxer, der mit einem Schlag ein Ringduell beenden kann. Doch Kritiker werfen Dr. Steelhammer vor, er würde zu sehr auf Sicherheit bedacht sein.
Bei seiner vorletzten Titelverteidigung machte das Publikum in Düsseldorf beim Kampf gegen Eddie Chambers mit Pfiffen in den späten Rundenpausen seinem Unmut Luft. Klitschko gab später zu Protokoll, davon nichts mitbekommen zu haben. Mit einer fulminanten Schlussoffensive schaffte er noch den von den Fans so sehnlich erhofften K.o. – fünf Sekunden vor dem Schlussgong.
Quelle: t-online.de
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