20.03.2011, 10:24 Uhr | t-online.de
Aus Köln berichtet Jens Bistritschan
Das Rededuell auf der Pressekonferenz war noch kürzer als der Kampf zwischen dem WBC-Weltmeister Vitali Klitschko und seinem Herausforderer Odlanier Solis, doch dafür umso heftiger. Die beiden Schwergewichts-Boxer spielten dabei aber nur eine Nebenrolle.
Solis war zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr in der Lanxess Arena in Köln, sondern nach seiner K.-o.-Niederlage Sekunden vor Ende der ersten Runde mit Verdacht auf einen Bänderriss im rechten Knie auf dem Weg ins Krankenhaus. Stattdessen gerieten Klitschko-Manager Bernd Bönte und Solis-Promoter Ahmet Öner verbal heftigst aneinander. (Video: die Höhepunkte des Kampfes Vitali Klitschko vs. Odlanier Solis)
Dr. Eisenfaust schickt seinen kubanischen Herausforderer bereits in der ersten Runde auf die Bretter und verteidigt seinen WM-Titel. zum Video
Öner hatte zunächst in seinem Statement die Verletzung im Knie als Grund für die Niederlage seines Schützlings ausgemacht. Dieser war gegen Ende der ersten Runde von Vitali mit einer Rechten an der Schläfe getroffen worden und dann bei der Rückwärtsbewegung von einer Linken Klitschkos zu Boden gestoßen worden. Dabei hatte Solis sich das rechte Knie verdreht.
Sein Promoter zeigte sich als schlechter Verlierer. "Gönnen tue ich Dir das nicht, denn das war kein schöner Sieg", sagte Öner an Klitschko gewandt. Der Sieg des alten und neuen WBC-Weltmeisters habe "einen faden Beigeschmack" gehabt. Sprachs und verließ die Bühne der Pressekonferenz.
Diese Aussagen brachten Bönte auf den Plan. Er bezeichnete die Aussagen Öners als "billige Ausrede". Denn für ihn war klar: "Das war ein ganz klarer Treffer. Der Junge wackelt, dabei verdreht er sich das Knie. Der hätte so oder so nicht weitermachen können. Der Öner dreht die Sache natürlich um und tut so, als ob er deshalb nicht weitermachen konnte."
Für Bönte ist die Situation so ähnlich gewesen, wie beim Duell zwischen Mike Tyson und Trevor Berbick im November 1986, ein Kampf, den der ehemalige Journalist damals fürs Fernsehen kommentiert hatte. "Das war ein Treffer, die Beine sind durchgeknickt. Und das war dann die Geschichte." (Video: Der Kampf Klitschko vs. Solis in voller Länge)
Diese Aussage wollte Öner nun wieder nicht stehen lassen. Er stürmte zurück in die Pressekonferenz. „Bernd, hör auf! Halt einfach die Fresse“, rief er dem Klitschko-Manager zu. Nur mit Mühe konnte Öner zurückgehalten werden, zurück auf die Bühne zu stürmen. Das Wort „Asozialer“ flog hin und her. Von Öner kam noch der eine oder andere weitere Kraftausdruck.
Bönte, mit dem Mikrofon ausgestattet, erinnerte die anwesenden Journalisten noch einmal daran, dass Öner im Februar 2010 zu einer 22-monatigen Bewährungsstrafe wegen Erpressung, Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verurteilt worden war. "Mehr muss man dazu nicht sagen. Der hat meine Familie schon bedroht, der hat andere schon bedroht", erklärte Bönte. Nach nicht einmal einer Minute war der Spuk vorbei.
Quelle: t-online.de
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