18.09.2011, 12:58 Uhr
Floyd Mayweather jr. (re.) trifft den später entthronten WBC-Weltmeister Victor Ortiz mit einem rechten Aufwärtshaken. (Quelle: Reuters)
Die Zuschauer pfiffen, doch Floyd Mayweather jr. war sich keiner Schuld bewusst: Der 34-Jährige hatte kurz vor dem Ende der vierten Runde seinen Landsmann und WBC-Weltmeister Victor Ortiz mit einer Rechts-Links-Kombination k.o. geschlagen. Weder die Box-Fans noch Ortiz hatten mitbekommen, dass Ringrichter Joe Cortez den Weltergewichts-Fight in Las Vegas nach einer Unterbrechung wieder freigegeben hatte.
Das spektakuläre Kampfende war der Schlusspunkt einer turbulenten vierten Runde. Cortez hatte den Kampf wegen des Versuchs eines absichtlichen Kopfstoßes von Ortiz unterbrochen und diesem einen Punkt abgezogen. Anschließend kam es im Ring zu einer versöhnlichen Geste: Ortiz nahm Mayweather jr. entschuldigend in den Arm, küsste ihn sogar auf die Wange. Dann aber ließ der 1,75-Meter-Mann seine Arme hängen. Diesen Moment nutzte der ebenso schnelle wie erfahrene Mayweather jr. eiskalt zu seinen Gunsten aus. "Die Uhr lief wieder, der Kämpfer hätte seine Deckung wieder heben müssen. Mayweather hat nichts Verbotenes getan", erklärte Ringrichter Cortez.
Auch der Sieger sah das so. "Man muss sich immer schützen. Ich habe mich den ganzen Kampf über geschützt, und deswegen war ich siegreich", sagte der 34-Jährige lapidar nach seinem 42. Sieg, dem 26. durch k.o. Die Zuschauer quittierten diesen Kommentar und die plötzliche Entscheidung des Gefechts mit einem gellenden Pfeifkonzert.
Auch der Experte des US-amerikanischen Boxsenders HBO, Larry Merchant, wollte eine Regelwidrigkeit von Mayweather jr. gesehen haben und äußerte sich kritisch. Mayweather jr. herrschte ihn daraufhin wutentbrannt an. Es schien, als stünde der Boxer kurz davor, gegen den Interviewer handgreiflich zu werden. Der 80-Jährige antwortete cool: "Wenn ich 50 Jahre jünger wäre, würde ich dir in den Hintern treten!"
Mayweather jr. war die aus seiner Sicht unverständliche Aufregung reichlich egal. Er blieb auch im 42. Kampf seiner Karriere ungeschlagen und ist nach einer 16-monatigen Kampfpause zum zweiten Mal nach 2006 WBC-Weltmeister im Weltergewicht.
Ortiz gab nach seiner dritten Niederlage im 34. Kampf als Profi zu, die strittige Szene könne man so oder so sehen: "Ich habe die Anweisung des Ringrichters befolgt" - und dann habe es in seinem Gesicht "bumm" gemacht. "Es war eine Missverständnis mit dem Ringrichter. Niemand ist perfekt. Das lerne ich daraus." Bis dahin hatte er nicht weniger als 73 Treffer kassiert und Mayweather jr. seinerzeit lediglich 26 Mal getroffen. Der Frust über diese Chancenlosigkeit entlud sich 14 Sekunden vor Ende der vierten Runde in dem Kopfstoß, der freilich sein Ziel verfehlte.
Mayweather jr. würde sich trotz dieser Unsportlichkeit wieder mit Ortiz duellieren - und wohl auch wegen des kontroversen Kampfendes. "Wenn er einen Rückkampf will, soll er den bekommen", bot der Sieger an. Für den ersten Vergleich mit Ortiz kassierte er 25 Millionen US-Dollar Börse. Der Glatzkopf gilt als einer der weltweit besten Boxer und hielt bereits WM-Titel in fünf verschiedenen Gewichtsklassen. In den vergangenen Monaten hatte der Champion negative Schlagzeilen produziert. Er soll sich der Körperverletzung, Belästigung, Nötigung und schweren Diebstahls schuldig gemacht haben. Jetzt wartet die Welt auf den großen Vereinigungskampf gegen den Philippinen Manny Pacquiao. Der WBO-Weltmeister muss jedoch zunächst am 12. November 2011 - ebenfalls im MGM Grand - den Mexikaner Juan Manuel Marquez bezwingen. Als möglicher Termin für den Mega-Vergleich gegen Mayweather jr. wird der Mai 2012 gehandelt.
Quelle: t-online.de , sid
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