14.09.2011, 07:00 Uhr | MLM
So gelöst und entspannt hat man Michael Ballack wohl nur selten nach einer Niederlage gesehen. Nach dem 0:2 (0:0) seiner Leverkusener beim FC Chelsea konnte man den 34-Jährigen strahlend am Spielfeldrand beobachten. Er herzte lachend Blues-Trainer Andre Villas-Boas, klatschte mit den Chelsea-Spielern ab, umarmte einige von ihnen und blickte in das weite Rund der Stamford Bridge, als sei er gerade nach einer langen Reise wieder zuhause angekommen und von seiner ganzen Familie empfangen worden.
Und tatsächlich fühlte sich der Abend an wie die triumphale Rückkehr eines gefeierten Helden. Doch rein sportlich gesehen war Ballack die tragischste Figur des Abends. Gefeiert ja, erfolgreich nein. Denn der Leverkusener hätte zum wahren Helden werden können. Zu Leverkusens Held, der trotzdem von allen Fans im Stadion – selbst von denen des Gegners – gefeiert worden wäre.
In der 56. Minute tauchte Ballack nach tollen Zuspiel von Andre Schürrle urplötzlich frei vor dem Tor von Petr Cech auf. Doch Ballack, der zum zweiten Mal in Folge in der Bayer-Startelf stand, schaffte es nicht, den Ball zur Führung für die Werkself einzuschieben. "Das war eine Riesenchance. Aber es hat halt nicht sollen sein", sagte Ballack hinterher - ohne Enttäuschung, ohne Groll auf sich selbst.
Das lag wohl auch daran, dass das Spiel bis dahin wie auf ihn zugeschnitten war. Ballack war im Mittelfeld präsent wie zu seinen besten Zeiten. Er hatte zwar nicht die meisten Ballkontakte, gewann dafür aber starke 70 Prozent seiner Zweikämpfe, gab die meisten Torschüsse seines Teams ab und war bis zu seiner Auswechslung in der 66. Minute hinter Dauerläufer Lars Bender der Mann, der die meisten Kilometer auf dem Platz abspulte (8950 Meter). Und er hätte wohl noch stundenlang so weitermachen können. "Ich hätte gerne länger gespielt. Ich denke, dass ich das drauf habe. Aber der Trainer entscheidet im Moment so. Das muss man akzeptieren."
Was im ersten Augenblick nach einer Kritik am Trainer klingt, war nur die verständlichste aller Aussagen eines Fußballprofis, der in einem Spiel, das ihm Spaß machte, nicht ausgewechselt werden wollte. Dass Trainer Robin Dutt die Leistung Ballacks jedoch durchaus richtig einzuschätzen wusste, zeigt eine fast unbeobachtete Geste Dutts im Moment, als Ballack den Platz verließ. Der Trainer griff sich mit der linken Hand an einen imaginären Hut und zog ihn vor Ballack und dessen Leistung. Danach klatschten beide ab.
"Michael hat toll gekämpft, ein richtig gutes Spiel gemacht", pflichtete da auch Bayer-Sportdirektor Rudi Völler bei. "Nur leider hat die Krönung gefehlt." Die hatte es zumindest in anderer Form schon vor dem Spiel gegeben. Mit 15-monatiger Verspätung hatte der FC Chelsea seinen Ex-Spieler doch noch offiziell verabschiedet und ihm unter großem Beifall der Zuschauer eine Plakette überreicht. "Das war eine schöne Zeit hier, ich habe mich sehr wohl gefühlt", sagte Ballack und schwärmte: "Der Respekt hier ist sehr hoch. Wer das mal erlebt hat, weiß das zu schätzen."
Exemplarisch dafür stand der Moment seiner Auswechslung. Als der Mann mit der 13 auf dem Rücken den Platz verließ, erhob sich das gesamte Stadion, spendete ihm Beifall, ließ "Michael-Ballack"-Sprechchöre ertönen – und selbst Chelsea-Coach Villas-Boas stimmte in den Applaus mit ein. Dieser gezollte Respekt muss Balsam auf die Wunden eines Spielers gewesen sein, der in den letzten Monaten nicht viele gute Kritiken bekommen hatte und sich bewusst ist, dass trotz aufsteigender Form auch in Leverkusen seine Zeit bereits wieder zu Ende geht.
In seinem "letzten Jahr in Leverkusen" wolle Ballack noch mal "zeigen, dass ich es drauf habe". Die Auslosung der Champions League kam ihm da genau recht, um sich ausgerechnet in und gegen Chelsea noch mal zu beweisen. Ballack scheint einen Weg gefunden zu haben, dies nicht mehr verbissen erzwingen zu wollen, sondern ruhig und gelassen zu erreichen. Nach den negativen Erfahrungen seit der WM 2010 scheint er nach dem Weg zu suchen, sich zumindest in Leverkusen den glanzvollen Abgang zu bescheren, der ihm in der Nationalmannschaft verwehrt geblieben ist. Dieser Abend der Königsklasse 2011/2012 war für Ballack aber nur ein erster Schritt: Die Leistung und die Resonanz stimmten. Aber das Ergebnis noch nicht.
Ex-Kapitän Michael Ballack schließt mit der Nationalmannschaft ab. zum Video
Quelle: t-online.de
Andy schrieb:
am 14. September 2011 um 19:09:06
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@Markus
Markus, ich bestreite nicht die spielerische Kompetenz der von Dir genannten Spieler aber die Moralische. Es gehört sich nicht, ohne
Absprache mit den betroffenen Personen noch während der Verletzung von Ballack und dann noch während der WM, Ansprüche auf die Kapitänsbinde zu stellen. Und das manche, menschlich gesehen, überhaupt nicht für diesen Posten geeignet sind, hat sich ja zuletzt erst gezeigt. Ausserdem ist die DFB Elf unter Ballack auch Dritter bzw. sogar Vize geworden (2006/2002).
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Harry schrieb:
am 14. September 2011 um 18:00:02
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Ballack / Lahm
vielleicht liegts wirklich an der Überheblichkeit der Besserwessis gegenüber den Ossis, siehe auch das Verhalten gegenüber
Claudia Pechstein. Es ist aber auch eine deutsche Spezialität, Menschen die Besonderes leisten herunterzumachen, aus Neid und um nicht anerkennen zu müsssen, dass andere besser sind als man selbst. Ballack ist eine starke Persönlichkeit, die den Seelenfrieden dieser Kleingeister bedroht, der kleine stromlinienförmige Lahm ist ungefährlich und daher beliebt bei diesen Leuten
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MD schrieb:
am 14. September 2011 um 16:55:17
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Ballack
Was will Ballack mit Vizecusen in der Champions Leage ? Die werden es nicht weit bringen. Ballack sollte aufhören damit man sich
noch an ihn erinnert.
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