18.06.2010, 09:34 Uhr | dpa
Nadine Müller ist derzeit die beste Diskuswerferin der Welt. (Foto: imago)
Mit einer gehörigen Portion Siegeswillen fahren die Asse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zur Team-EM ins norwegische Bergen. "So, wie es aussieht, wird die Mannschaft ziemlich stark sein", prophezeite Stabhochspringerin Silke Spiegelburg. Deshalb ist die WM-Vierte sehr zuversichtlich: "Wir können den Titel verteidigen." Bei der Premiere der Team-EM 2009 in Leiria/Portugal gewann Deutschland unerwartet gegen Russland, Großbritannien und Frankreich.
"Wir sind sehr optimistisch. Nach dem Sieg bei der historischen ersten Auflage der Team-EM haben wir aber auch die Bürde, unter besonderer Beobachtung zu stehen", weiß Herbert Czingon, DLV-Cheftrainer für die technischen Disziplinen und rechnet vor allem mit den Russen: "Die Russen kommen mit dem Auftrag, die Scharte vom letzten Jahr auszuwetzen." Der Team-Titelkampf der besten zwölf Länder ist gut einen Monat vor der Einzel-EM vom 27. Juli bis 1. August in Barcelona eine erste umfassende Standortbestimmung.
Nicht zupass kamen dem DLV nun die Turbulenzen um seinen aktuell besten Hammerwerfer Litvinov. Der WM-Fünfte hatte sich geweigert, in Bergen für Deutschland in den Ring zu gehen. Offenbar will er künftig für Russland werfen. Kurzerhand strich der Verband den 24-Jährigen aus allen Förderlisten und warf ihn aus dem Kader. "Sportlich gesehen ist es ein Verlust, doch Reisende soll man nicht aufhalten", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Nun soll Markus Esser, in der Jahresbestenliste nur elf Zentimeter schlechter als Litvinov, einen Spitzenrang erkämpfen.
Der Optimismus im deutschen Lager nährt sich von einer guten Frühform einer Reihe von Stars. "Im Vergleich mit den zwölf führenden europäischen Ländern ist in 19 Einzeldisziplinen jeweils ein deutscher Athlet unter den besten Vier", erklärte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. Sein Chef Prokop freut der couragierte Diamond-League-Auftritt der Deutschen: "Die deutschen Athleten schlagen sich da sehr gut."
Als einzige DLV-Athletin führt Diskuswerferin Nadine Müller die Weltrangliste an. Zum EM-Aufgebot gehören neben der Hallenserin auch Diskus-Weltmeister Robert Harting sowie die WM-Medaillengewinner Ariane Friedrich, Raúl Spank (beide Hochsprung), Betty Heidler (Hammerwurf) und Ralf Bartels (Kugelstoßen). Bartels, zugleich Europameister 2006, wird als Kapitän die deutsche Mannschaft anführen.
Die besonderen Wettbewerbsregeln der Team-EM sorgten 2009 für viel Verdruss und Ärger und wurden für die diesjährige Auflage abgemildert. Als einzige komplett neue Regel ist geblieben, dass im Hoch- und Stabhochsprung ein Athlet bereits nach dem insgesamt vierten Fehlversuch ausscheidet. (In einem normalen Wettbewerb hat man maximal drei Versuche pro Höhe.) "Ich würde mich freuen, wenn es wieder die alten Regeln geben würde", sagte Spiegelburg.
Im Drei- und Weitsprung sowie in den Wurfdisziplinen erhält jeder Starter nur drei Versuche, die danach vier Bestplatzierten dürfen ein weiteres Mal ran. Bislang hatte jeder Athlet im Europapokal (Vorgänger der Team-EM) vier Versuche, in den meisten anderen Wettkämpfen sind sechs Versuche (drei im Vorkampf, drei im Endkampf der besten Sechs) die Regel.
Quelle: dpa
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