20.09.2009, 12:19 Uhr
Der Fall Caster Semenya ist ein Politikum. (Foto: dpa)Caster Semenya wird immer mehr zum Spielball der Sportpolitik. Südafrikas Leichtathletik-Verband (ASA) hat erstmals zugegeben, bereits vor der WM in Berlin einen Geschlechtstest bei der späteren 800-Meter-Weltmeisterin vorgenommen zu haben. Der stellvertretende Sportminister des Landes, Gert Oosthuizen, forderte daraufhin die Entlassung von ASA-Präsident Leonard Chuene.
"Er hat nicht nur uns als Ministerium angelogen, sondern das ganze Land. Das ist nicht akzeptabel", sagte Oosthuizen.
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Bislang hatten Sportfunktionäre und Politiker in Südafrika im Fall Semenya meist gemeinsam den Weltverband IAAF attackiert. Die neuen Entwicklungen vom Wochenende deuteten darauf hin, dass die ASA damit vor allem von ihrer eigenen Verwicklung ablenken wollte. Chuene räumte auf einer Pressekonferenz in Pretoria ein, dass seine eigenen Mediziner ihm in Berlin geraten hätten, die 18-Jährige nicht starten zu lassen. Er entschuldigte sich auch dafür, den ersten Geschlechtstest bislang öffentlich geleugnet zu haben. Damit und mit der Nominierung Semanyas für die WM habe er "ihre Privatsphäre schützen wollen". Eine Entlassung Chuenes ist dennoch fraglich. Die könnte nur sein eigener Verband beschließen, nicht das Ministerium.
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Semenyas Trainer Wilfried Daniels wirft dem Verband vor, ihr den Geschlechtstest als normale Dopingkontrolle verkauft zu haben. "Die Lust auf Gold war größer als die Sorge um ihr Wohlergehen", kommentierte die südafrikanische "Sunday Times".
Semenya selbst wird in diesem Fall immer mehr zum Opfer. Er wird auf ihrem Rücken ausgetragen. Der Vorsitzende des Sportausschusses der südafrikanischen Nationalversammlung, Butana Komphela, sagte "Spiegel Online": "Sie fühlt sich, als sei sie vergewaltigt worden. Sie hat Angst vor sich selbst und lässt niemanden mehr an sich heran. Wenn sie Selbstmord begeht, sind wir alle mitschuldig."
Die Abläufe vor der WM schilderte Chuene wie folgt: Bereits am 7. August habe die ASA Semenya auf Bitten der IAAF hin in Pretoria zu einem Geschlechtstest geschickt. Ein Ergebnis läge bis heute nicht vor. Chuene erklärte, dass ihm der südafrikanische Teamarzt Harold Adams nach der Ankunft in Berlin trotzdem empfohlen habe, sie von der WM zurückzuziehen. Adams hätte Angst vor dem gehabt, was nach dem 800-Meter-Finale tatsächlich aufkam: öffentliche Zweifel an der Weiblichkeit Semenyas. Nach Angaben von Chuene hätten sogar zwei IAAF-Mediziner den Südafrikanern geraten, eine Verletzung der 18-Jährigen vorzutäuschen, um sie nicht ins internationale Scheinwerferlicht geraten zu lassen.
Leichtathletik-WM800-m-Favoritin Semenya zum Geschlechts-Test
Chuene erklärte jedoch, "keine Basis" für einen WM-Rückzug Semenyas gesehen zu haben. "Ich konnte doch nicht aufgrund von Gerüchten handeln", sagte er. Er wollte ihr nicht die Chance nehmen, "der Welt ihr Talent zu zeigen". Hätte man Semenya nicht erlaubt, zu laufen, "hätten wir doch alle Außenstehenden darin bestätigt, dass dieses Mädchen nicht normal ist", sagte der ASA-Präsident.
Trotz seiner Eingeständnisse griff Chuene erneut die IAAF an. Einen zweiten Test während der WM öffentlich zu machen, sei eine Diskriminierung Semenyas gewesen, sagte er. In dieser Sache müsse die IAAF "noch viele Fragen beantworten". Der Weltverband hatte in Berlin noch vor Semenyas Sieg am 19. August einen Geschlechtstest bei ihr angeordnet. Hintergründe waren ihre männliche Erscheinung und ihre rapide Leistungsentwicklung in diesem Jahr. Die IAAF will die Ergebnisse des Tests nicht vor November öffentlich machen, doch verschiedene Medien berichteten bereits, dass Semenya ein Zwitter sei. Das sorgte in Südafrika für heftige Kritik.
Quelle: dpa
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