23.08.2009, 08:38 Uhr
Aus Berlin berichtet Sebastian Schlichting
Goldmedaillengewinner im Hochsprung: Steven Hooker (Foto: dpa)Viel effizienter als Steven Hooker kann man nicht Weltmeister werden. Zweimal machte er sich daran, die Latte zu überqueren, danach hatte er gewonnen. Von 15 gestarteten Stabhochspringern waren überhaupt nur noch zwei weitere dabei, als Hooker eingriff. Er riss 5,85 Meter, erhöhte auf 5,90 Meter, schaffte als einziger die Höhe und war Weltmeister. Wohl selten hat jemand weniger Aufwand für einen WM-Titel betrieben als der Australier.
Was auf den ersten Blick arrogant aussieht, war in Wirklichkeit ein aus der Not geborenes Vabanquespiel. Hooker war durch eine Adduktorenverletzung gehandicapt. Er wusste, dass er seine Sprünge dosieren muss. Schon in der Qualifikation war er nur einmal angelaufen, mehr war nicht möglich.
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Im Finale sah es ähnlich aus. "Ich dachte, ich kann nur einen Sprung machen", sagte der 27-Jährige. Dieser missglückte bei 5,85 Meter. "Ich dachte, die WM wäre vorbei", so Hooker. Doch er sollte sich wieder irren. Da der Franzose Romain Mesnil, der Silber gewann, die Höhe geschafft hatte, setzte Hooker alles auf eine Karte und ging auf die nächste Höhe. Mit Erfolg. Übersprungene 5,90 Meter reichten zum Sieg.
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Nur wenige Minuten vorher, auf der anderen Seite des Stadions: Die polnische Hammerwerferin Anita Wlodarczyk hatte im zweiten Versuch einen neuen Weltrekord aufgestellt, darüber jedoch so ausgiebig gejubelt, dass sie umknickte. Den Rest des Wettkampfes konnte sie nur noch aus dem Stand werfen. Der entscheidende Unterschied zu Hooker war, dass Wlodarczyk bereits eine entscheidende Marke gesetzt hatte. Nachdem Hooker kurz darauf sein Pokerspiel auf höchstem Niveau erfolgreich zu Ende gebracht hatte, war er selbst fassungslos: "Es ist das verrückteste Erlebnis in meinem Leben."
Hooker hatte einst einen langen Anlauf zum Erfolg gebraucht. Talent war ihm immer bescheinigt worden, umsetzen tat er es selten. Bei Olympia 2004 und der WM 2005 schied er in der Qualifikation aus, bei der WM 2007 belegte er Rang neun. 2008 stand er bei den Olympischen Spielen vor dem Aus, ehe er im letzten Versuch 5,90 Meter übersprang und danach mit 5,96 Meter Gold holte. Doch erst sein Sieg in Berlin ließ Hooker aufgrund der Begleitumstände vergeblich nach Worten suchen: "Das ist einfach unfassbar."
Quelle: dpa
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