16.08.2009, 20:18 Uhr
Aus Berlin berichtet Sebastian Schlichting
Meike Kröger tritt für den DLV im Hochspringen an. (Foto: imago)Hallen-EM im März 2009. Fünf Minuten noch bis zum Finale der Hochspringerinnen. Meike Kröger ist glücklich, die Qualifikation überstanden zu haben. Sie macht zur Vorbereitung Lockerungsübungen. Mit fatalen Folgen. Kröger kommt falsch auf, knickt um. Diagnose: Bänderanriss im Knöchel. Nicht nur die EM ist gelaufen, auch die WM-Teilnahme rückt in weite Ferne. Drei Monate lang konnte sie keine Sprünge trainieren.
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Am Dienstag Vormittag überstand Kröger die Qualifikation und zog mit 1,92 übersprungenen Metern ins Finale ein. "Ich bin froh, dass ich überhaupt dabei bin", hatte die 23-Jährige im Vorfeld gesagt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte sie trotz nur einmal übersprungener Norm von 1,93 Meter für die Titelkämpfe in ihrer Heimatstadt nominiert.
Hochsprung in Deutschland, das ist Ariane Friedrich. Im Vorfeld der WM interessierte unter anderem, ob sie mit einer neuen Frisur aufwartet, warum sie meist eine Sonnenbrille trägt, und, und, und. Beim Tag der Medien in Kienbaum organisierte der Verband eine Pressekonferenz, um die Masse der Interviewwünsche zu kanalisieren. Meike Kröger konnte weitgehend unbehelligt über das Gelände gehen. Stören tut sie das nicht: "Für unsere Disziplin ist der Hype um Ariane doch super."
Kröger selbst hat Erfahrungen gesammelt, die ihr gezeigt haben, dass Sport eine schöne Sache, aber längst nicht das Wichtigste ist. Nach dem Abitur 2005 absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr in Bischkek. "Wo?", fragten viele Freunde. Bischkek ist die Hauptstadt Kirgisistans. Der zentralasiatische Staat grenzt im Südosten an China, im Norden an Kasachstan. Kirgisistan ist ein armes Land, manche Familien müssen mit 30 Euro im Monat auskommen. Kröger arbeitete in einem Kinderheim, dort lebten 60 Kinder im Alter zwischen drei und 16 Jahren, die von der Straße geholt oder von ihren Eltern abgegeben wurden, weil diese schlicht kein Geld hatten, um die Familie zu ernähren.
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Meike Kröger in Aktion. (Foto: imago)"Erst waren die Kinder misstrauisch", erinnert sich Kröger. Aber als sie merkten, dass sich die Fremde, die anfangs nicht ihre Sprache konnte, mit ihnen beschäftigte, fassten sie Vertrauen. Kröger wollte ursprünglich für sechs Monate in Bischkek bleiben, sie verlängerte auf elf. Zurück in Berlin, hatte sie zunächst Probleme: "Hier ist alles im Überfluss vorhanden. Das sind unglaubliche Kontraste." Doch – und das hat sie selbst erschreckt: "Man gewöhnt sich sehr schnell wieder dran."
In Kirgisistan lernte sie den früheren Hochsprung-Weltrekordler Igor Paklin kennen und trainierte bei ihm, unter abenteuerlichen Bedingungen: "Ich habe noch dieselbe Hantelstange benutzt wie er zu seiner aktiven Zeit." Diese hatte schon etliche Jahre auf dem Buckel, Paklin nahm bereits bei der WM 1983 teil. Dass Kröger sportlich kaum nach vorn kam, hatte jedoch andere Gründe:. "Ich habe zwar fünfmal die Woche trainiert, aber ich bin auch schwerer geworden." In ihrer Gastfamilie gab es oft Blätterteig, "immer mit viel Öl", dazu reichlich Zwiebeln und Fleisch.
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Danach trug sie sich öfter mit dem Gedanken, mit dem Sport ganz aufzuhören. Das Architekturstudium an der TU Berlin fraß einfach zu viel Zeit. "Bis zum dritten Semester habe ich alles in der Uni normal mitgemacht wie die anderen Studenten", sagt sie. Zeit für Hochsprung blieb kaum. Inzwischen hat sie eine Regelung gefunden, die ihr mehr Freiräume lässt. Sie muss jetzt beispielsweise nicht mehr um 23 Uhr in den Kraftraum gehen.
Quelle: t-online.de
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