19.08.2009, 07:11 Uhr
Aus Berlin berichtet Sebastian Schlichting
Steffi Nerius hatte allen Grund zum jubeln. (Foto: dpa)Die Gesprächsrunde mit Steffi Nerius fand ein jähes Ende. "Sie hat einen Termin bei der Kanzlerin“, ließ ein Offizieller die Medienvertreter wissen. Da das nicht alle Tage vorkommt, verließ die neue Speerwurf-Weltmeisterin schnell das von Journalisten umlagerte Podium. "Ich freue mich ganz besonders für sie. Das ist zum Ende der Karriere für sie ein um so schönerer Erfolg“, sagte Angela Merkel bei einem Empfang des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) im Deutschen Haus.
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Als Nerius zu ihrem ersten Versuch antrat, war ein Treffen mit Merkel noch in weiter Ferne. Doch dann gelang ihr ein Wurf, der die Konkurrenz nachhaltig schockte. 67,30 Meter, das war eine Ansage. "Der Plan war, gleich einen rauszuhauen“, sagte Nerius später. Dieses Vorhaben setzte sie zu 100 Prozent in die Praxis um. An der Weite biss sich die gesamte Konkurrenz die Zähne aus. Barbora Spotakowa aus Tschechien als Zweite mit 66,42 Meter ebenso wie die favorisierte Russin Maria Abakumowa (66,06 Meter). Christina Obergföll wurde nur Fünfte, Linda Stahl Sechste. "Steffi ist 37, ich werde 28. Ich habe noch so viel vor mir, das ist schon in Ordnung so“, fand Obergföll bei aller Enttäuschung über die eigene Leistung anerkennende Worte.
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Seit 2000 war Nerius bei internationalen Meisterschaften nie schlechter als Fünfte, holte dreimal Bronze bei Weltmeisterschaften, dazu Silber bei Olympia und Gold und Silber bei Europameisterschaften. Aber den ganz großen Wurf hatte sie sich für ihr letztes Großereignis aufgehoben. "Das ist der schönste und größte Moment in meinem Leben“, sagte sie knapp 30 Minuten nach der Entscheidung schon wieder weitgehend gefasst. Direkt nach dem Wettkampf hatte sie den Emotionen freien Lauf gelassen, "da kamen alle Tränen raus, die in mir drin waren“.
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Ihre Entscheidung, den Speer in die Ecke zu stellen, beeinflusst der unerwartete Triumph nicht. Er bestärkt sie eher. Nerius hält es mit dem altbekannten Motto "Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“. Drei Wettkämpfe bestreitet sie noch, Mitte September ist Schluss. Ab Oktober arbeitet die Diplom-Sportlehrerin dann in der Behindertensport-Abteilung ihres Vereins Bayer Leverkusen. Umstimmen kann sie keiner mehr, nicht einmal Kanzlerin Merkel, die feststellte: "Zum Weitermachen lässt sie sich ja leider nicht überreden.“
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Quelle: t-online.de
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