23.08.2009, 13:40 Uhr
Aus Berlin berichtet Sebastian Schlichting
Marita Koch hält noch immer den Rekord über die Stadionrunde. (Foto: dpa)Nimmt man Usain Bolt als Maßstab, scheint es in der Leichtathletik keine Grenzen zu geben. Weltrekord über 100 Meter, Weltrekord über 200 Meter. Bolt ist aber auch in dieser Kategorie eine Ausnahmeentscheidung. Ansonsten gelang nur der Polin Anita Wlodarczk im Hammerwurf bei der WM eine neue Bestleistung.
Doch weiterhin gibt es in den 47 WM-Disziplinen 14 Marken, die noch aus den 80er Jahren stammen. Darunter sind mit Marita Koch (400 Meter/47,60 Sekunden), der 4x100-Meter-Staffel der Frauen (41,37) und den Diskuswerfern Jürgen Schult (74,08 Meter) und Gabriele Reinsch (76,80) vier Athleten, die das Trikot der ehemaligen DDR trugen. Die Rekorde in der Halle und den nicht-olympischen Disziplinen dazu gerechnet, stammen sogar 26 von vor 1990.
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Einige Marken aus den 80ern sind wahrscheinlich für die Ewigkeit. Die 47,60 Sekunden von Koch etwa oder die 1:53,28 Minuten der Tschechin Jarmila Kratochvila über die doppelte Distanz. Zum Vergleich: In Berlin benötigte Sanya Richards (USA) für die Stadionrunde 49,00 Sekunden, die Südafrikanerin Caster Semenya lief 1:55,45 Minuten über die 800 Meter. Beides Weltjahresbestleistungen – und doch Welten von Weltrekord weg. Zeiten wie die von Koch nannte Helmut Digel, früherer Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, in der "Süddeutschen Zeitung" demotivierend für die heutigen Starter. Die 10,49 Sekunden der inzwischen verstorbenen Florence Griffith-Joyner (USA) über 100 Meter beispielsweise wirken heute wie von einem anderen Leichtathletik-Stern.
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Die 80er Jahre waren die Hochzeit des Anabolika-Doping, eine im Rückblick betrachtet sehr finstere Zeit für den Leistungssport. Auch wenn heutzutage – bei stark verbesserten Kontrollmethoden – immer wieder Athleten des Dopings überführt werden, ist dies kein Vergleich zu damals, als der Kalte Krieg auch vor dem Sport nicht halt machte. Vor allem in der UdSSR und der DDR stand sportlicher Erfolg über allem.
Sergej Bubka überquerte als bislang einziger Stabhochspringer die 6,14 Meter. (Foto: imago)Manche Rekorde sind zeitlich gesehen etwas jünger, aber stehen auch felsenfest. Die 6,14 Meter des Ukrainers Sergey Bubka im Stabhochsprung aus dem Jahr 1993 genau wie die 2,45 Meter im Hochsprung von Javier Sotomayor (Kuba) von 1994. Mit dem Unterschied, dass es sich bei ihnen einfach um Ausnahmeathleten handelte: "Bubka und Sotomayor waren genetisch extrem bevorzugte Athleten, die den Sport ausgereizt haben. In deren Fußstapfen werden keine Rekorde fallen", sagte der frühere Läufer und heutige Arzt und Trainer Gerhard Hambach dem österreichischen "Kurier".
Im Jahr 2006 sorgte die frühere Sprinterin Ines Geipel für Aufsehen, die wie andere auch unfreiwillig Teil des DDR-Dopingsystems war. Geipel forderte, ihren Namen aus den Bestenlisten zu streichen. Seitdem ist dieser in der 4x100-Meter-Staffel mit einem Sternchen versehen – Bestand hat der Rekord weiterhin. Die von Digel geforderte Zäsur durch Einführung von Jahrhundert-Weltrekorden blieb aus. Einige Bestmarken – vor allem bei den Frauen – werden wohl nie mehr unterboten, andere könnten irgendwann fallen. So hat der Este Gerd Kanter das "Team75plus" ins Leben gerufen, um Schults Erbe im Diskuswurf anzutreten. Auf der Webseite ist die Zahl der Tage angegeben, die dessen Weite schon Bestand hat: momentan 8478.
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Quelle: dpa
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