24.11.2011, 13:47 Uhr
Aus Leverkusen berichtet Marc L. Merten
Als Manuel Friedrich in der Nachspielzeit das entscheidende 2:1 gegen den FC Chelsea erzielte, hob Bayer Leverkusens Coach Robin Dutt ab. Mit ausgebreiteten Armen "flog" der 41-Jährige an seiner Bank vorbei, konnte sein Glück kaum fassen und nahm Sekunden später – gerade war der Abpfiff ertönt – jeden in die Arme, der ihm über den Weg lief. Der zu Saisonbeginn so arg gescholtene Trainer war der heimliche Gewinner des großen Coups, an dessen Ende der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale der Champions League stand.
Und das, obwohl eigentlich alle Augen auf Michael Ballack gerichtet waren, dem Jubilar des Abends. Der feierte ausgerechnet gegen Ex-Klub Chelsea sein 100. Europa-Cup-Spiel. Doch dass er auch nach dem Schlusspfiff feiern und mit dem gesamten Team vor der Fankurve "Humba" tanzen konnte, hatte er in großem Maße seinem Trainer zu verdanken.
Als Leverkusen gegen eigentlich harmlose Blues mit 0:1 zurücklag, hatte sich Dutt für die Brechstange entschieden. Er nahm kurz hintereinander beide Außenverteidiger (erst Daniel Schwaab, dann Michal Kadlec) vom Feld und brachte mit Andre Schürrle und Eren Derdiyok zwei frische Stürmer. "Das Spiel hatte für uns Endspiel-Charakter", beschrieb Dutt hinterher seine Beweggründe. "Da musst du auch mal besondere Entscheidungen treffen und Risiko gehen. Schön, dass wir für unseren Mut belohnt worden sind."
Doch damit nicht genug: Nicht nur, dass Bayer am Ende eines denkwürdigen Tages auch das dritte Heimspiel in der Königsklasse gewinnen konnte. Die junge Mannschaft bewies auch, dass sie Rückschläge auf hohem Niveau problemlos wegstecken kann. Wie schon im Heimspiel gegen Valencia verwandelte die Werkself auch gegen Chelsea einen Rückstand noch in einen Sieg. "Das Team hat vor allem mental gezeigt, zu was es im Stande ist", lobte Dutt anschließend. Und sein Jubilar Ballack sprang ihm zur Seite: "Nach dem Gegentor hat man gesehen, was in dieser Mannschaft steckt, wie viel Talent da schlummert."
Unter dem Strich steht der größte Vereinserfolg seit sechs Jahren, als Leverkusen ebenfalls ins Achtelfinale eingezogen und dort am FC Liverpool gescheitert war. Auch damals hatte Bayer völlig überraschend mit Real Madrid und AS Rom zwei Favoriten in der Gruppenphase hinter sich gelassen. "Leverkusen hat mit diesen drei Punkten das natürliche Kräfteverhältnis in unserer Gruppe auf den Kopf gestellt", haderte nach dem Spiel Chelsea-Trainer Andre Villas-Boas. Er konnte nicht glauben, dass seine Mannschaft das Spiel noch aus der Hand gegeben hatte. Dutt hingegen wunderte sich nicht. "Tabellenführer vor Chelsea und Valencia zu sein, erreicht man nicht, weil man hin und wieder gut spielt."
An das Achtelfinale will Dutt aber noch nicht denken. Entscheidend sei nun erst mal, sich durch einen Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Genk den Gruppensieg zu sichern. "Es macht einen großen Unterschied, ob wir Erster oder Zweiter werden", betonte Dutt zum Abschluss des Abends. Mit der Auslosung und möglichen Wunschgegner wolle er sich daher noch nicht beschäftigen. Ein verschmitztes Lächeln konnte er sich allerdings doch nicht ganz verkneifen. "Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass unser Los auch mit im Topf sein wird", sagte der heimliche Gewinner des Tages.
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Quelle: t-online.de
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