08.09.2010, 09:05 Uhr | t-online.de
Manuel Neuer macht beim Ehrentreffer Aserbaidschans keine gute Figur. (Foto: dpa)
Aus Köln berichten Marc Merten und Patrick Brandenburg
Einbahnstraßenfußball gegen Underdogs: Für die Torhüter der Favoriten sind das die undankbarsten Spiele. Ein Keeper kann da eigentlich nur verlieren. Innerhalb der 90 Minuten kommt der Ball vielleicht zwei, drei Mal aufs eigene Tor, und urplötzlich liegt die Kugel im Netz. Kalt erwischt heißt es dann, und genau so erging es auch Manuel Neuer beim 6:1-Schützenfest der Nationalmannschaft über Aserbaidschan. Die einzige Unsicherheit des Schalkers im gesamten Spiel ermöglichte den Gästen den Ehrentreffer.
Deutschlands Nummer eins, vor der EM-Qualifikation vom Bundestrainer an der Spitze der Torhüterhierarchie bestätigt, war komplett unterbeschäftigt, bis ihm gegen den Außenseiter der Blackout unterlief. Einen einsamen Weitschuss von Vugar Nadirov hatte Neuer zuvor zu parieren. Nach einer Ecke von Vagif Javadov in der 57. Minute schätzte der Keeper dann die Flugbahn des Balles falsch ein und segelte mit ausgefahrenen Fäusten am Ziel vorbei. Aserbaidschans Rail Malikov bedankte sich mit dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 1:4, doch der Abwehrspieler konnte noch nicht einmal was dafür. Malikov prallte der Ball glücklich an den Körper, was dem Tor einen Hauch von Slapstick verlieh.
Für die starke DFB-Elf war das der einzige Wermutstropfen in einer sonst tadellosen Leistung. "Es ist ärgerlich, dass wir ein Gegentor kassiert haben. Das darf gegen einen solchen Gegner nicht passieren", schimpfte Kapitän Philipp Lahm nach der Partie in den Katakomben - speziell auf Neuer bezogen war diese Kritik aber nicht. Der ambitionierte Torhüter wird als Lehre aus dem Spiel mitnehmen, dass auch bei einem deutlichen Vier-Tore-Vorsprung die gleiche Konzentration gefordert ist wie beim Stande von 0:0.
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Die Torwartdiskussion wird dieser Fehlgriff aber sicher nicht neu beleben. Bundestrainer Joachim Löw weiß, was er an dem 24-Jährigen hat. Dem Quali-Doppelpack gegen Belgien und Aserbaidschan hatte er ein Lob vorangeschickt: "Manuel hat ein hervorragendes WM-Turnier gespielt. Wir sind mit seinen Leistungen sehr zufrieden." Fürs Erste ist Neuer also mit genügend Vertrauen ausgestattet, um seinen Vorsprung vor den Konkurrenten René Adler von Bayer Leverkusen und Tim Wiese von Werder Bremen zu verteidigen. Von Löw jedenfalls kam keine Kritik nach dem Spiel. Der Bundestrainer wich bei der Frage nach einem Torwartfehler wohlwollend aus. "Ich habe von der Bank aus gar nicht gesehen, wie es passiert ist. Da standen so viele Spieler im Strafraum rum und plötzlich war der Ball drin."
Quelle: t-online.de
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