05.09.2010, 16:44 Uhr | t-online.de
Aus Köln berichten Patrick Brandenburg und Marc Merten
"Es werden immer jüngere Spieler nachkommen", sagt Miroslav Klose, der 32-jährige Routinier, der zurzeit mal wieder nicht wegzudenken ist aus dem Sturmzentrum der deutschen Nationalmannschaft. Und tatsächlich: Die Liste der Youngster in der Bundesliga, die sich durch ihre erfrischende Art des Fußballspielens für die DFB-Elf empfehlen, ist lang. Nur nicht auf einer Position: im Sturmzentrum.
Auf dem Schiff Nationalmannschaft wurde in den letzten Jahren fast die gesamte Crew durch Bundestrainer Joachim Löw verjüngt. Einstige Matrosen wie Bastian Schweinsteiger (26) und Lukas Podolski (25) stiegen schon mit Mitte 20 zu Offizieren und lösten alte Haudegen wie Torsten Frings und Bernd Schneider ab. "Wir haben hier viele junge Spieler, die in diesem Alter schon 80 Länderspiele haben. Das ist positiv", weiß auch Klose. Als aktuell Einziger über 30 ist er da schon ein echtes Unikum.
Nur hat die Verjüngung ausgerechnet auf seiner Position bisher nicht geklappt. Auch, weil Klose selbst es nicht zugelassen hat. Häufig schon abgeschrieben und noch häufiger treffsicher zurückgekehrt, braucht sich Klose auch jetzt wieder einmal keine Sorgen um seine Stellung im Team machen. Vor der WM noch belächelt, gar verspottet, hat er gebetsmühlenartig davon gesprochen, dass er da sein werde, wenn es darauf ankäme.
Und er hat sein Wort gehalten. Wenn es eng wird, wenn das Schiff unter DFB-Flagge auf hoher See wieder einmal arg ins Wanken gerät – wie zuletzt gegen Belgien –, dann tritt der erfahrene Seefahrer Klose auf die Brücke und führt seine Mannschaft und die schwarz-rot-goldenen Passagiere zurück in ruhiges Fahrwasser.
Versucht, ihn abzulösen, haben gerade im letzten Jahr viele. Doch weder Stefan Kießling noch Mario Gomez sind über den Status der Matrosen hinaus gekommen. Kevin Kuranyi wurde wegen Meuterei von Bord gejagt. Und Stuttgarts Cacau hat zwar vor der WM zumindest kurz an der Planke gesägt, auf die Klose schon gedrängt worden war, dann aber zurückgesteckt, um nicht das gleiche Schicksal wie seine Matrosenkollegen zu erleiden. Und Oldie Klose hat es anschließend wieder allen gezeigt.
Doch was – oder besser wer – kommt, wenn der ewige Miro endgültig von Bord geht? In den Häfen der Bundesliga, wo Löw und seine Späher regelmäßig an Land gehen, um neue Nachwuchskräfte anzuheuern, sind die Schätze rar. Selbst auf dem Tochterschiff der A-Nationalmannschaft, der U 21, sorgen aktuell nur zwei Kandidaten für Aufsehen. Doch Peniel Mlapa (19) aus Hoffenheim und Richard Sukuta-Pasu (20) aus der Piratenhölle am Millerntor sind noch weit davon entfernt, eine Option für höhere Aufgaben zu sein.
Klose selbst will auf seine möglichen Nachfolger gar nicht näher eingehen. Er spricht sich lediglich dafür aus, dem Nachwuchs früh eine Chance zu geben: "Je früher man reinschnuppern kann desto besser. Das Tempo in der Nationalmannschaft ist nicht mit der Bundesliga zu vergleichen, das ist hier noch mal höher." Doch welchem Nachwuchs? In Mode gekommen sind variabel einsetzbare Offensivspieler, die auf den Flügeln ebenso wie zentral hinter einem Stoßstürmer spielen können. Aber eben nicht ganz vorne.
Und Klose warnt: "Thomas Müller ist ein gutes Beispiel, er ist variabel, kann offensiv überall spielen. Aber das kann auch gefährlich werden, denn dann rotierst du auch schon mal schnell raus." Oder erst gar nicht rein, weil die Konkurrenz zu groß ist. Und so wird Klose weiterhin gesetzt sein, wenn seine aktuellen Konkurrenten im A-Team weiter derart hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, sobald sie das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen.
Auch deshalb lässt Klose noch offen, ob der Weg nach Polen und in die Ukraine zur EM 2012 seine letzte große Überfahrt als Seefahrer auf dem Schiff des DFB sein wird. "Noch versuche ich, niemanden an mich ran zu lassen." Und das gelingt ihm. Ein Nachfolger ist schlichtweg nicht in Sicht. Warum also nicht sogar 2014 bei der WM in Brasilien noch ein weiteres Mal auf die Brücke, trotz seiner dann 36 Lenze? Die Passagiere würden es ihm am Ende wieder einmal danken.
Nach dem erfolgreichen Auftakt in die EM-Quali steht für Löws Elf das nächste Spiel gegen das Team von Berti Vogts an. zum Video
Quelle: t-online.de
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Zuletzt gab es Differenzen zwischen ihm und dem Verband. zum Video