25.08.2011, 16:03 Uhr
Philipp Lahm sorgt mit seinem Buch für jede Menge Wirbel. (Foto: imago)
Philipp Lahm bleibt Kapitän der Nationalmannschaft. Das hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offiziell erklärt. Dennoch kritisierten Sportdirektor Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw die Aussagen in Lahms Buch "Der feine Unterschied" scharf und werden den 27-Jährigen vom FC Bayern München deshalb vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am 2. September zum Rapport bestellen. "Es gibt einige Passagen in dem Buch, die mir nicht gefallen, weil hier ein junger Spieler einige Trainer, die lange und erfolgreich gearbeitet haben, öffentlich kritisiert. Auch darüber werden wir in der kommenden Woche sprechen", sagte Löw.
"Wir wollen zwar mündige Spieler, die auch mal klar ihre Meinung sagen. Im konkreten Fall hat Philipp allerdings die Grenzen überschritten. Es war aber nach Bewertung des gesamten Buches für uns zu keinem Zeitpunkt ein Thema, Philipp als Kapitän abzusetzen, wie das schon von einigen spekuliert wurde", sagte Bierhoff. Dem DFB stieß insbesondere Lahms Kritik an Ex-Teamchef Rudi Völler bitter auf. "Rudi hat uns nach der EM 2000 in einer extremen Notsituation geholfen und trotz vieler Probleme eine großartige Arbeit geleistet, davor muss man heute noch den Hut ziehen. Insofern sind Philipp Lahms Einlassungen völlig unangemessen und zurückzuweisen", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.
Genauso beurteilt der DFB-Generalsekretär die Rolle von Jürgen Klinsmann: "Jürgen hat 2004 unter widrigen Voraussetzungen eine Aufbruchsstimmung erzeugt, die in der glänzenden WM 2006 endete. Als Nationalspieler und Weltmeister, aber auch in ihrem ganzen Auftreten für den deutschen Fußball, können die Verdienste von Rudi Völler und Jürgen Klinsmann nicht hoch genug bewertet werden. Das sollte auch Philipp wissen."
DFB-Präsident Theo Zwanziger sowie Niersbach, Löw und Bierhoff haben sich nach eingehender Lektüre der detaillierten Inhalte des Buchs von Lahm darauf verständigt, dass es in der kommenden Woche vor dem Länderspiel in Düsseldorf ein Gespräch der sportlichen Leitung mit Kapitän Lahm und dem Spielerrat geben soll.
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Dabei soll unter anderem die Sensibilität im Umgang mit Interna aus dem Mannschaftskreis thematisiert werden. "Unsere Nationalspieler müssen sich ihrer besonderen Verantwortung in der Öffentlichkeit bewusst sein. Dazu gehört auch der Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs, mit denen sie nicht immer einer Meinung waren oder sind. Die Aufgabe des DFB ist es allerdings auch, bei allen Aufgeregtheiten der heutigen Zeit die Dinge mit Augenmaß auf der Basis aller Fakten zu beurteilen. Philipp hat für mich den Fehler gemacht, dass er die durch die Vorab-Veröffentlichung seines Buches entstehende Eigendynamik und mögliche Interpretationen nicht richtig eingeschätzt hat", sagte Zwanziger.
Lahm selbst hatte sich kurz vor der Veröffentlichung der DFB-Mitteilung persönlich bei Völler und Co. entschuldigt. "Ich wollte Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und andere Personen selbstverständlich nicht persönlich treffen oder gar beleidigen. Das tut mir leid. Für Missverständnisse, die auf diese Weise entstanden sind, entschuldige ich mich hiermit bei allen Beteiligten", ließ Lahm in einer von seinem Berater Roman Grill versendeten Pressemitteilung verlauten.
Lahm hatte bereits zuvor Kritik aus allen Richtungen einstecken müssen. Lesen Sie hier die Aussagen auf den Rundumschlag des DFB-Kapitäns:
Robin Dutt (Trainer Bayer Leverkusen): "Interna aus einem Team nach außen zu tragen, ist ein absolutes Tabu. Dass man einer Persönlichkeit wie Rudi Völler solche verbalen Schmerzen zufügt, kann keiner nachvollziehen."
Felix Magath (Trainer, Manager und Geschäftsführer VfL Wolfsburg): "Wenn Bücher geschrieben werden, geht es darum, sie zu verkaufen. Es spielt für mich keine Rolle, was da drinsteht. Soll ich mir graue Haare wachsen lassen, wenn jemand, dem ich zum Bundesligaspieler verholfen habe und der im bezahlten Fußball zuvor noch keine Rolle gespielt hat, eine Meinung vertritt - so fundiert sie auch sein mag...“
Mario Basler (Ex-Nationalspieler und TV-Experte): "Ich gehe mal davon aus, dass bei der Nationalmannschaft darauf reagiert wird. Ich empfinde es schon als schwerwiegendes Vergehen, dass Philipp Lahm zum Beispiel Rudi Völler derart attackiert hat."
Holger Stanislawski (Trainer 1899 Hoffenheim): "Das ist absolut bedenklich negativ und ein ganz schlechter Stil. Derjenige scheint noch zu viel Freizeit zu haben. Das ist unfassbar. Wenn das ein Spieler zu meiner aktiven Zeit in meinem Team gemacht hätte - ojeà."
Andreas Möller (ehemaliger Nationalspieler): "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, über Trainer und Mitspieler nicht öffentlich zu sprechen oder zu schreiben. Das ist eine Sache von Anstand und Respekt. Da war Philipp Lahm schlecht beraten."
Fredi Bobic (Sportdirektor VfB Stuttgart): "Das ist mit Abstand das Schlechteste, was man machen kann. Als Kollege würde ich ihm nichts mehr sagen. Interna preiszugeben, das macht man nicht."
Thomas Helmer (Ex-Nationalspieler und TV-Moderator): "Ich habe absolut keine Ahnung, warum er das jetzt veröffentlicht hat. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, er braucht das Geld nicht. Ich finde es absolut unsouverän. Philipp muss aufpassen."
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Quelle: sid , dapd , t-online.de
Tomski schrieb:
am 25. August 2011 um 21:31:59
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so ist das, wenn
Spieler egal wie, als Führungsspieler gelten wollen. Wahrscheinlich hat er eingesehen, dass das nicht auf die moderate Art
und Weise geht und jetzt wird er erleben, dass es auf diese Art und Weise auch nicht geht. Nicht jeder ist zur Menschenführung geboren. Lahm kann das weder auf, noch neben dem Platz.
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Naseweis schrieb:
am 25. August 2011 um 21:16:31
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Das Buch
Philipp Lahm könnte doch künftig die Trainer für den FCB aussuchen. So viel wie der Knabe darüber weiß, müssten ihm die Bosse
eigentlich diese Aufgabe übertragen. Dann muss er, falls es mit einem von ihm ausgesuchten Trainer nicht funktioniert, selbst die Verantwortung dafür übernehmen. Bin gespannt, wie der jetzige Trainer Jupp Heynckes in seinem zweiten Buch wegkommt.
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mattes schrieb:
am 25. August 2011 um 21:14:16
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Lahm-Kritik
Es ist mir auch ein Rätsel, warum Lahm gerade jetzt mitten in seiner Karriere ein Buch veröffentlichen muss. Aber die meisten,
die jetzt auf ihn eindreschen, haben entweder das Buch noch nicht gelesen, waren oder sind als Spieler oder Trainer auch nicht fein miteinander umgegangen oder fühlen sich auf den Schlips getreten, weil er die Wahrheit spricht.
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