10.09.2010, 09:33 Uhr | dpa
Nicht mehr länger Trainer von Portugals Nationalmannschaft: Carlos Queiroz. (Foto: imago)
Die portugiesische Seifenoper ist wohl nicht nur aufgrund des schlechten Auftaktes der Seleccao bei der EM-Qualifikation mit sofortiger Wirkung beendet worden: Nationaltrainer Carlos Queiroz muss seinen Hut nehmen. Der 57-Jährige wurde nach einer Sondersitzung des portugiesischen Verbandes (FPF) fristlos entlassen. Die Entscheidung sei "aufgrund der jüngsten Ereignisse getroffen" worden, erklärte Verbandspräsident Gilberto Madail. Queiroz war vor zehn Tagen von der portugiesischen Anti-Doping-Agentur für sechs Monate gesperrt worden, weil er im Trainingslager vor der WM in Südafrika eine Doping-Kontrolle der ADoP behindert haben soll. Dabei soll er die Kontrolleure zudem wüst beschimpft haben.
Der im afrikanischen Mosambik geborene Queiroz stand allerdings seit langem vor dem Rauswurf. Madail ließ nun durchblicken, dass die Leistung der Seleccao bei der WM eine Rolle beim Rausschmiss gespielt haben dürfte. "In Südafrika wurden nicht alle Ziele erfüllt", betonte er. Portugal war zwar im Achtelfinale immerhin am späteren Weltmeister Spanien mit 0:1 gescheitert. Die defensive Spielweise der "Lusos" soll aber nicht nur die Fans und die Medien, sondern auch die Nationalspieler um Weltstar Cristiano Ronaldo und viele Verbandsfunktionäre verärgert haben.
Medien schrieben nach der WM, Queiroz sei nur deshalb nicht sofort nach dem Aus gefeuert worden, weil der FPF die finanziellen Konsequenzen gefürchtet habe. Eine Kündigung des bis 2012 laufenden Vertrages hätte den Verband damals fünf Millionen Euro gekostet. Die Sperre durch die Dopingagentur habe nun eine fristlose Kündigung möglich gemacht, heißt es jetzt in Lissabon.
Aufgrund der Sperre hatte Queiroz bereits die beiden ersten Qualifikationsspiele zur EM 2012 verpasst. Unter Co-Trainer Agostinho Oliveira und ohne Ronaldo legten die Portugiesen einen totalen Fehlstart hin. Gegen Fußball-Zwerg Zypern gab es ein peinliches 4:4, danach kam eine 0:1-Schlappe gegen Norwegen hinzu. Mittelfeldspieler Tiago von Atlético Madrid klagte, das Theater um Queiroz habe die Leistung beeinträchtigt. "Diese Seifenoper muss so schnell wie möglich beendet werden", forderte er.
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Wer Portugal bei den beiden nächsten EM-Spielen im Oktober gegen Dänemark und Island coachen wird, steht noch nicht fest. Als Favoriten auf die Nachfolge von Queiroz gelten der frühere Nationalspieler und Ex-Trainer von Sporting Lissabon Paulo Bento, Humberto Coelho, der bisher Tunesien trainierte, sowie Luis Aragonés, der Spanien 2008 zum EM-Titel geführt hatte.
Quelle: dpa
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