29.08.2011, 21:16 Uhr
Eine Kolumne von Jonny Giovanni
1896. 115 Jahre. So lange ist es her, dass der FC Arsenal ein Spiel mit 0:8 gegen einen längst vergessenen Klub namens Loughborough FC verlor und damit zuletzt eine deutlichere Niederlage kassierte als beim 2:8 am Sonntag bei Manchester United. Ein historischer Einschnitt also, eine "Demütigung", wie auch Arsenal-Trainer Arsene Wenger einräumte, nachdem seine Elf abgeschossen worden war wie eine Kirmestruppe.
Wobei der schlimmste Moment wohl jener nach Abpfiff war, als sich Alex Ferguson zu den Geschehnissen äußerte. Uniteds Trainer sagte voller Mitgefühl: "Wir hätten noch öfter treffen können, aber gegen ein derart geschwächtes Team will man das nicht."
Zur Erinnerung: Manchester United gegen Arsenal, das war mal ein Duell, nach dem nicht nette Worte verteilt, sondern bitter gestritten und 2004 sogar mal mit Erbsensuppe aufeinander geworfen wurde. Zu diesem Zeitpunkt machten beide Klubs die englische Meisterschaft seit fast zehn Jahren unter sich aus und Arsenal hatte seit 49 Ligapartien nicht verloren. Es war das Spiel der Spiele auf der Insel. Mit dem Aufkommen von Chelsea und später Manchester City verlor es diese Alleinstellung, und zunächst fast unmerklich öffnete sich eine Schere zwischen den einst auf Augenhöhe befindlichen Rivalen. Während United mit der künstlich hochgepäppelten Konkurrenz mithalten und sie zumeist immer noch in die Schranken weisen kann, ist das seit 2005 titellose Arsenal erst zurückgefallen und jetzt schließlich vollends abgestürzt.
Am Sonntag wirkte der aktuelle Tabellen-17. der Premier League wie Werder Bremen in seiner schlimmsten Version – naiv bis hin zur Idiotie, unfähig zu jeder Korrektur. Immer wieder stieß United in die riesigen Lücken hinter einer Abwehr, die auch dann noch blindlings aufrückte, als sie in ihrem Rücken schon im Dutzend überwunden worden war. Arsenal präsentierte sich als einziges Selbstmordkommando, und deshalb waren beileibe nicht alle Beobachter der Meinung Wengers, der die Schmach mit dem Ausfall von acht gesperrten oder verletzten Spielern erklärte. Stellvertretend für viele schockierte ehemalige Arsenal-Größen sagte der frühere Mittelfeldspieler Paul Merson: "Wengers Coaching war nicht gut genug. Es reicht nicht, bloß ein Team rauszuschicken und zu sagen: 'Geht und spielt wie Arsenal'."
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Anders gesagt hat Wenger jetzt also auch noch eine Taktikdebatte am Hals. Seine Unfähigkeit, in der Halbzeitpause beim Stand von 1:3 die Strategie zu ändern, um das sich ankündigende Debakel in Grenzen zu halten, fügt sich für seine Kritiker in die allgemeine Sturheit, die sie bei ihm diagnostizieren. Ob es schon Altersstarre ist? Jedenfalls scheint sich der 61-Jährige verrannt zu haben in seiner Ideologie, mit jungen Talenten und der immergleichen Spielweise den anderen Großklubs Paroli bieten zu können. Vieles deutet auf das Ende des Imperiums hin, das der elsässische Coach seit 1996 bei dem Nordlondoner Klub errichtet hat.
Wengers Reich wackelt an allen Ecken und Enden. Das alte Selbstverständnis ist verloren, es regiert der Pessimismus. Auf dem Platz nimmt niemand das Heft in die Hand, weshalb derzeit nicht nur in Deutschland eine Führungsspielerdebatte herrscht, sondern auch in den Fanforen von Arsenal. Doch keiner weiß, wer den Karren aus dem Dreck ziehen könnte. Die wenigen erfahrenen Akteure wie Tomas Rosicky oder Andrej Arschawin wirken unmotiviert und teilnahmslos, geradezu depressiv. Die beiden besten Kicker, Cesc Fàbregas und Samir Nasri, sind weg, ihre Abgänge waren auch Misstrauensvoten gegen die Zukunft des Klubs: Beide hielten Arsenal für schlichtweg nicht titelfähig. Umgekehrt hat Wenger jetzt zwar viel Geld in der Kasse, doch viele Spieler versagen sich seinem Werben. Erfolg macht sexy, Misserfolg macht unsexy: Arsenal steckt in einem Teufelkreis.
So wie Wenger zurecht als Architekt der bezaubernden Mannschaft früherer Jahre gefeiert wurde, so muss er sich jetzt auch den Verfall ankreiden lassen. Jahrelang hat er sich der naheliegenden Schlussfolgerung widersetzt, dass sich die ausbleibenden Titel auch mangelnder Wettkampfhärte schulden. Er hat dabei die Lehre seines eigenen Erfolgs ignoriert, denn seine größte Zeit unter ihm erlebte Arsenal mit einer Mixtur aus jungen Himmelstürmern und gestandenen Haudegen wie Patrick Vieira, Dennis Bergkamp oder den urbritischen Verteidigern Tony Adams und Martin Keown. Als sie aufhörten, änderte Wenger den Ansatz: Statt auch mal einen fertigen Star einzukaufen, verließ er sich exklusiv auf sein Händchen mit Talenten. Doch dieser Quell ist nicht unendlich. Ohne Fàbregas und Nasri ist jetzt ist ein Stadium erreicht, wo es nicht nur an der Erfahrung fehlt, sondern auch an der Qualität.
Zudem verlangt die momentane Krise von jungen Spielern Unmögliches – die Probleme übersteigen ihre Kapazitäten. Es wäre, als würde man von Nachwuchspolitikern verlangen, die globalen Finanzmärkte zu beruhigen. Arsenal hat jahrelang ein Biotop unterhalten, in dem Talente wachsen konnten, weil Stabilität und Ruhe herrschten. In einem so schwierigen Ambiente wie jetzt aber kann auch nichts gedeihen. Kann Wenger die Lage nicht schnell beruhigen, droht dem System Arsenal die Implosion.
Quelle: t-online.de
FCARSENAL88 schrieb:
am 30. August 2011 um 19:58:26
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(1)
Gunners
Ich hoffe die Gunners berappeln sich wieder. Sehr sympathische Mannschaft. Wenger bekommt das schon hin ;)
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marco schrieb:
am 30. August 2011 um 14:41:51
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schon panik mache
Erstmal Hut ab vor Wenger. Wer so lange bei einem Topklub erfolgreich gearbeitet hat, hat was vorzuweisen. okay arsenal hat
seit 2005 keine titel mehr gewonnen, dafür aber immer international gespielt. solche probleme hätten viele andere vereine gern gehabt. außerdem sind gerade 3 spiele absolviert. davon 2 gegen absolute spitzenteams Liverpool und Manu. die spiele kann man auch verlieren. warum soll wenger bei 1:3 umstellen. hätte ja auch sein können, dass die spieler gas geben und spiel drehen
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mitleid schrieb:
am 30. August 2011 um 14:03:34
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(7)
arsenal
jetzt wollen die auch noch götze für 40 millionen und merte für 11 .der verein bekommt es mit den nerven zu tun
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