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Radsport: Armstrong flüchtet vor Doping-Jägern zum Mountainbiken

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Armstrongs Flucht auf 3200 Meter

07.08.2010, 09:30 Uhr | t-online.de, sid

Flucht vor dem Doping-Ermittler zum Mountainbiken in die Rocky Mountains: Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong. (Foto: Reuters)

Flucht vor dem Doping-Ermittler zum Mountainbiken in die Rocky Mountains: Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong. (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Für seine unnachahmlichen Antritte in den Bergen ist Lance Armstrong aus seinen Glanztagen bei der Tour de France bekannt und gefürchtet. Dass der Rekordsieger der Rundfahrt seine Kraft dafür aus unerlaubten Mitteln bezogen haben soll, ist bekannt, allerdings nach wie vor nicht bewiesen. Noch nicht. "Was noch ein wenig fehlt", erklärte Sportrechtler Michael Straubel im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit", "ist das, was wir in den USA einen rauchenden Revolver nennen, also ein Beweis- oder Indizienstück, an dem man einfach nicht vorbei kann." Aussagen ehemaliger Kollegen alleine genügten noch nicht, um Armstrong des Doping-Missbrauchs zu überführen.

Der scheint derweil von alledem weit weg zu sein, zumindest räumlich: Entkam der 38-Jährige über Jahre uneinholbar seinen Konkurrenten, so wirkt sein Start beim Mountainbike-Klassiker durch die Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado wie eine Flucht vor Ankläger Jeff Novitzki. Armstrongs Landsmann arbeitet für die US-Drogenbehörde FDA und brachte bereits die Sprintgrößen Marion Jones und Tim Montgomery sowie den Baseballer Barry Bonds vor Gericht.

Bonds muss sich ab März 2011 vor Gericht verantworten

Dessen mit Spannung erwarteter Meineid-Prozess soll am 21. März 2011 beginnen. Das teilte das zuständige kalifornische Bezirksgericht mit. Das Verfahren gegen den 46-Jährigen, der mit 762 Homeruns die Rekordliste der Major League Baseball (MLB) anführt, war bereits mehrfach verschoben worden. Bonds muss sich wegen Meineids in 15 Fällen verantworten. Er soll 2003 im Zuge des Balco-Prozesses gelogen haben, als er aussagte, niemals wissentlich leistungssteigernde Substanzen genommen zu haben.

Sponsoren halten Armstrong die Treue

Derweil kündigten zwei der wichtigsten Lance-Armstrong-Sponsoren ihre Kooperation mit den US-Behörden an, die gegen den siebenfachen Tour-de-France-Gewinner ermitteln. Der Sportartikel- Hersteller Nike und die Fahrrad-Manufaktur Trek wollen nach den Anschuldigungen durch den Radprofi Floyd Landis mithelfen, Licht ins Dunkel der Doping-Anklagen gegen Armstrong und sein früheres US-Postal-Team zu bringen. Er habe vorerst keine Pläne, Armstrong von der Liste der gesponserten Athleten zu streichen, sagte Trek-Sprecher Bill Mashek: "Wir dürfen nicht vergessen: Bisher handelt es sich nur um Anschuldigungen."

Stichhaltige Beweise müssen Aussagen ergänzen

"Novitzki", so Straubel, "hat es sich zur Strategie gemacht, Dopingsünder so genannter 'sekundärer Straftaten' wie Meineid oder Betrug zu überführen, weil es in den USA keine Rechtsmittel gibt, um Doper direkt zu belangen." Ergo müsse im Falle Armstrongs "stichhaltig" bewiesen werden, "dass Armstrong darüber Bescheid wusste, dass Sponsorengelder für Dopingmittel ausgegeben wurden." Dazu aber genügten beeidete Aussagen ehemaliger Mitstreiter Armstrongs - wie Landis oder Tyler Hamilton - nicht: "Ich würde als Staatsanwalt meinen Fall ungern alleine darauf aufbauen", sagte Straubel.

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Leipheimer feiert sein Debüt auf dem Mountainbike

Ob Armstrong und der ebenfalls des Dopings verdächtigte Levi Leipheimer sich während des Ausflugs aufs Mountainbike über Landis und Co. und deren "Märchen" unterhalten werden? Am 14. August ist Armstrongs verlässlicher Adlatus Leipheimer mit von der Partie, wenn fast 1500 Teilnehmer den Versuch unternehmen, Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Armstrong beim "Leadville 100" zu entthronen. Für Leipheimer ist es die Premiere bei einem Mountainbike-Rennen. Dessen Manipulation widmete sich sein einstiger Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer in seinem Buch "Garantiert positiv".

Zeugenaussagen werden sich hinziehen

Für Straubel steht fest, dass sich Ermittlungen und möglicher Prozess gegen Armstrong "sehr lange hinziehen" werden. "Alleine bis die Zeugen zur beeideten Aussage vorgeladen werden, kann Monate dauern." Hamiltons Anwalt Chris Manderson sagte gegenüber dem US-amerikanischen Sportsender ESPN: "Wir arbeiten daran, eine Situation zu schaffen, in der Hamilton vertraulich reden und die gewünschten Informationen geben kann."

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Armstrongs Anwälte müssen derzeit destruktiv vorgehen

Derweil arbeiten Armstrongs Anwälte an der Verhinderung der Verwertung jener Informationen zu Ungunsten ihres Mandanten. "Wir werden schauen, wie und ob diese Untersuchungen Lance Armstrong betreffen", zitierte die "New York Daily News" Bryan D. Daly. Der Star-Jurist vertritt den siebenmaligen Tour-Champion in den Doping-Ermittlungen gegen das ehemalige Team US Postal. "Bislang", fasste Straubel die Aufgabe Dalys und seiner Mitarbeiter zusammen, "machen sie ja nichts anderes, als zu versuchen, Landis zu diskreditieren. Ihr großes Problem wird allerdings sein, dass sie keinen Zugang zu den Aussagen der anderen Fahrer haben." Bis die jedoch für Novitzki zum Erfolg führen können, werde es "Jahre" dauern.

Korruption?

In dieser Zeit ist auch die dubiose Rolle des Verbandes zu klären, der Armstrong bereits vor vier Jahren von dem Verdacht befreite, mit EPO gedopt zu haben: die Rolle des Radsport-Weltverbandes UCI. Dem spendete Armstrong - nach eigener Aussage - über Jahre Geld. Armstrongs großer Vorgänger in den Siegerlisten der Tour de France, Greg LeMond, sprach von Korruption: "Schweigen, zahlen, es ist fast wie bei der Mafia." Ein anonym gebliebener Sportchef eines internationalen ProTour-Teams ergänzte vielsagend: "Ist ja klar, wofür Armstrong zahlte."

Die UCI verschleiert

Offiziell handelte es sich um eine so genannte Sysmex-Maschine. Diese kostete um die 80.000 US-Dollar und dient ausgerechnet dazu, Blutwerte zu kontrollieren. 2002 weisen die Bücher der UCI einen Armstrong-Scheck in Höhe von 25.000 US-Dollar aus. Seinerzeit, berichtete Landis, habe er als US-Postal-Kollege Armstrongs von diesem auch von einer "finanziellen Abmachung mit Hein Verbruggen" erfahren. Der Belgier wurde an der Spitze der UCI inzwischen vom Iren Pat McQuaid abgelöst. Und der tut sich äußerst schwer, Licht in die Spenden-Affäre zu bringen, sie so zu erklären, dass die Öffentlichkeit dem Radsport-Weltverband zufrieden Glauben schenkt.

2005, 2006 oder 2007?

"Im Mai 2002 spendete Armstrong einen 25.000-Dollar-Scheck", erklärte auf Nachfrage der "Süddeutschen Zeitung" UCI-Sprecher Enrico Carpani. Damit seien Juniorenrennen finanziert worden. "2005 beschloss Armstrong nach seinem Rücktritt eine weitere Spende an die UCI von 100.000 Dollar, die UCI benötigte eine Sysmex-Maschine. Wir bekamen die Spende erst im Januar 2007 - für die Gründe der Verspätung müssen sie Mr. Armstrong fragen." McQuaid hatte zuvor gesagt, die besagte Spende über 100.000 US-Dollar sei 2005 geflossen und bereits 2002 von Armstrong angekündigt worden. Ein anderes Mal soll sie laut McQuaid im Sommer 2006 eingegangen sein. Damals sprach die UCI den im Jahr zuvor immerhin schon stark verdächtigen Armstrong vom Vorwurf des EPO-Dopings frei - mit der Begründung, die Nachtests auf Grund der sechs positiven Proben von 1999 seien keine Dopingtests.

In Lausanne weiß niemand etwas von Armstrongs Spende

Fazit: Das Doping-Labor in Lausanne, das mit der Sysmex-Maschine noch immer arbeitet und Armstrong im Zweifel damit zu überführen hätte, hat nie etwas von einem Athleten erhalten. "Denn etwas anzunehmen von jemandem, der durch uns getestet wird", sagte Laborchef Martial Saugy, "das würde Korruption bedeuten."


Quelle: sid , t-online.de

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Kommentare (15)

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Thema: "Radsport: Armstrong flüchtet vor Doping-Jägern zum Mountainbiken"

GONZO schrieb: am 14. August 2010 um 14:11:09
(0) (0) BOYKOTT
ich kann es nicht mehr nachvollziehen wie man sich überhaupt noch bestimmte "sportarten" anschauen kann. z.b. beim radsport, da gibt
es doch keinen unter den top 30 fahrern die nicht schon mal "probiert" haben. also am besten fernseher ausschalten die sponsoren ignorieren und dann muß sich da doch mal was ändern. kann doch nicht sein das leute wie ullrich oder armstrong reich werden und uns hier für total bekloppt halten. BOYKOTIERT DEN RADSPORT!!!!!!! früher ging es doch auch ohne!!!!
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franke schrieb: am 10. August 2010 um 13:51:50
(0) (0) epolance
der muss schon vollgepumpt mit stoff tot vom fahhrrad fallen, eh den einer überführt. die profitieren doch alle von dem.
sponsoren, manager, fahrer, ärzte selbst die fangruppen. die dummen sind doch eigentlich nur wir die den radsport so geil finden, dass es uns doch eh scheissegal ist und jedes jahr der fernseher wieder angeschaltet wird. es ist doch alles nur noch lächerlicher geworden seit jan ullrich. vive le tour!!!!
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didlmaus schrieb: am 8. August 2010 um 14:17:36
(0) (0) armstrong
natürlich hat er gedopt, er war auch ein ungeliebter Zeitgenosse im Radsport und sein Team hatte unter seinen Befehlen zu leiden,
er ist skrupellos und geht über leichen. irgendein medikament für seine "krebsbehandlung" wird schon einen stoff besitzen, womit er sich dopen kann. wenn er den Krebs nur vorgetäuscht haben sollte, wäre das das schlimmste in der sportgeschichte. man sollte ihn so schnell wie möglich vergessen, soll er in amerika umherturnen, hauptsache nicht mehr hier.
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