12.03.2009, 11:30 Uhr
Sabine Spitz ist eine Weltklasse-Mountainbikerin. (Foto: imago)Im zweiten Teil des großen t-online.de-Interviews mit Sabine Spitz äußert sich die 37-Jährige zum Thema Offenlegung der Blutwerte und sagt, dass sie ein Doping-Problem wie im Straßen-Radsport der Männer bei den Mountainbikern nicht für möglich hält.
t-online.de: Experten fordern immer wieder die Offenlegung der Blutwerte der Athleten, beispielsweise im Internet? Wie ist Ihre Position in dieser Frage?
Sabine Spitz: Ich hätte damit grundsätzlich keine Probleme. Das berührt für mich auch nicht den Bereich der Intimsphäre. Das ist für mich, wie wenn ich meine Cholesterinwerte offen legen müsste.
t-online.de: Also hätten sie auch nichts gegen eine verpflichtende Regel für alle Radfahrer?
Sabine Spitz: Nein, ich habe ja nichts zu verheimlichen.
t-online.de: Was halten Sie von Kollegen wie Lance Armstrong, Ivan Basso oder Patrik Sinkewitz, die ihre Blutwerte veröffentlichen oder dies zumindest angekündigt haben?
Sabine Spitz: Nun ja, das ist ja auch ein ziemliches Hin und Her. Die Frage ist auch wie reell diese Werte sind. Das müsste garantiert sein von unabhängiger Stelle, sonst ist das nur Show. Blutwert ist ja auch nicht gleich Blutwert, es gibt nur wenige ausgebildete Labore, die dies analysieren können. Es kommt ja auch immer darauf an, wo man sich gerade befindet, zum Beispiel hat ein Höhentrainingslager einen erheblichen Einfluss aus den Hämatokritwert. Bis hier eine einheitliche, allgemeingültige Regel für alle gefunden ist, wird es wohl noch dauern, bis dahin sind noch einige Fragen zu klären.
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t-online.de: Wie erleben Sie den "Zusammenbruch des Radsports“, der in den letzten Jahren mit einer fast wöchentlichen Regelmäßigkeit von neuen Skandalen erschüttert wird? Spüren Sie die Auswirkungen auf den Mountainbike-Sport?
Sabine Spitz: Nun, man muss differenzieren und global vom Radsport zu sprechen ist einfach falsch. Radsport darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Sicher meinen Sie den Profi-Straßenradsport der Männer. Diesbezüglich herrscht bei mir eine Mischung aus Wut, Fassungslosigkeit und Ohnmacht, wo man bei jeder Meldung das Gefühl hat, dass einem der Boden ein Stück weit unter den Füßen wegzogen wird obwohl der Mountainbike-Sport damit nichts zu tun hat. Das Problem ist, dass Unternehmen, Medien und Öffentlichkeit oft nicht differenzieren, so dass natürlich alle Radsport-Disziplinen Schaden nehmen.
t-online.de: Ist der Mountainbike-Radsport sauberer als der Straßenradsport? Was sind die Unterschiede?
Sabine Spitz: Auf jeden Fall. Man kann im Mountainbiken sauber erfolgreich sein, da bin ich und wohl auch der Olympiasieger bei den Männern das beste Beispiel. Das Anforderungsprofil im Mountainbike-Sport ist wesentlichen komplexer als auf der Straße. Neben Kraft und Kondition sind koordinative Fähigkeiten, Reaktionsschnelligkeit, Mut, Fahrtechnik wichtige Erfolgsfaktoren. Sehr viele technische Aspekte spielen eine wichtige Rolle, insbesondere bei den anspruchsvollen Strecken. Und der Trend bei den neuen Strecken geht ganz klar in diese Richtung. Das konnte man, glaube ich, bei meinem Rennen in Peking schön verfolgen. So kann man mit Doping alleine unmöglich automatisch erfolgreich sein. Ein anderer wichtiger Unterschied ist, dass im Mountainbikesport eine andere Mentalität herrscht. Wer einmal positiv getestet wurde, ist im Fahrerfeld geächtet und findet in der Regel auch kein Team mehr. Comebacks wie auf der Straße sind so unmöglich.
t-online.de: Was denken Sie, über die momentane Comeback-Welle vieler ehemaliger Doping-Sünder im Profi-Straßenradsport?
Sabine Spitz: Finde ich nicht gut und ist für mich völlig unverständlich, dass so was möglich ist. Da fehlt mir die Konsequenz bei Sponsoren und Teams und auch Sportlern. Die Rückkehrer auf der Straße werden ja förmlich gefeiert, wie z.B. ein Lance Armstrong, bei dem es positive Doping Proben gibt. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.
t-online.de: Noch einmal zu Ihnen persönlich: Was hat sich für Sie nach dem Gewinn der Goldmedaille in Peking geändert? Können Sie von Ihrem Sport leben? Wie ist Ihre finanzielle Situation?
Sabine Spitz: Ich konnte schon vor Peking durch meinen Sport leben. Bereits im Olympiajahr habe ich mein eigens Profiteam zusammen mit den Partnern central Krankenversicherung und GHOST-Mountainbikes auf die Beine gestellt. Dabei hat vor allem auch das Nachwuchskonzept meines Teams überzeugt. Das läuft natürlich weiter und ist mit dem Olympiasieg für die Partner natürlich noch interessanter geworden. Zusätzlich wird der Kontakt zu neuen Sponsoren durch den gesteigerten Bekanntheitsgrad wesentlich erleichtert. Ansonsten habe ich einfach viel mehr Termine als vorher.
t-online.de: Frau Spitz, vielen Dank für das Gespräch.
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Quelle: t-online.de
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