29.04.2011, 15:31 Uhr
Gerne gemeinsam im Doppel am Start, in München aber Gegner: Philipp Petzschner (li.) und Florian Mayer. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Jubel bei Fans und Veranstalter in München: Florian Mayer und Philipp Petzschner haben beim ATP-Turnier in der bayerischen Landeshauptstadt ein rein deutsches Halbfinale perfekt gemacht. Damit steht fest, dass erstmals seit dem Sieg Philipp Kohlschreibers bei den BWM Open 2007 wieder ein Einheimischer im Endspiel stehen wird. Kohlschreiber wird es nicht sein. Der dritte deutsche Viertelfinalist unterlag dem Tschechen Radek Stepanek klar mit 4:6 und 0:6.
Der Tscheche trifft im Halbfinale auf den an Nummer sieben gesetzten Russen Nikolai Dawidenko. Der 29-Jährige nahm die Nummer drei der Setzliste, Marin Cilic aus Kroatien, mit 7:5 und 6:3 aus dem Turnier. Cilic hatte im Vorjahr erst das Finale gegen den Russen Michail Juschni mit 3:6, 6:4 und 4:6 verloren.
Vor Dawidenkos Treffen mit Cilic hatte der an Nummer fünf gesetzte Mayer große Mühe, um im einem hochklassigen Spiel den 19 Jahre alten Bulgaren Grigor Dimitrow mit 7:6 (7:4), 3:6, 6:4 zu besiegen. Erst nach 2:22 Stunden nutzte er seinen ersten Matchball. "Das ist ein super Erfolg, das hätte ich nicht erwartet, deshalb habe ich mein Soll hier schon erfüllt", sagte Mayer. Petzschner gewann nach zwei Tiebreaks mit 7:6 (7:3) und 7:6 (8:6) gegen Potito Starace aus Italien. Zwei Deutsche hatten in München zuletzt 1994 die Runde der letzten vier erreicht, Bernd Karbacher und der spätere Turniersieger Michael Stich.
Einen Schritt weiter als ihre männlichen Kollegen in München ist in Estoril Kristina Barrois. Die 29-Jährige hat völlig überraschend das Finale des Turniers in Portugal erreicht. Barrois besiegte im Halbfinale der mit knapp 150.000 Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung in der Vorschlussrunde die an Nummer eins gesetzte Schwedin Johanna Larsson mit 7:6 (7:2), 6:4. Damit glich Barrois ihre Niederlage gegen Larsson aus dem Jahr 2006 in Stockholm statistisch aus. Im Endspiel trifft sie auf Anabel Medina Garrigues. Die Spanierin gewann mit 6:1 und 6:3 gegen Monica Niculescu aus Rumänien. Medina Garrigues hat ihre bisher einzige Auseinandersetzung mit Barrois im Achtelfinale von Straßburg 1009 verloren.
Barrois setzte auf der iberischen Halbinsel ihren Höhenflug der vergangenen Wochen fort. Schon beim WTA-Turnier in Stuttgart hatte Barrois das Viertelfinale erreicht. Für die Rechtshänderin, die wegen der aktuell starken Konkurrenz im deutschen Damen-Tennis von Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner im Relegationsspiel gegen die USA (5:0) nicht berücksichtigt worden war, ist es die zweite Finalteilnahme ihrer Karriere.
2010 hatte sie in Straßburg erst im Endspiel gegen die Russin Maria Scharapowa verloren. In Estoril benötigte Barrois im Halbfinale 1:49 Stunden, um die Schwedin Larsson niederzuringen.
Für Petzschner war es mit Starace der erste Vergleich überhaupt. "Ich bin froh, dass ich irgendwie durchgekommen bin", sagte der nach zwei Tiebreaks glücklichere der beiden ungesetzten Spieler. Der 76. der Weltrangliste feierte einen mühsamen Sieg.
Mit seinem nächsten Gegner, Mayer, hat Petzschner aus den Jahren 2009 (Shanghai) und 2010 (Melbourne) gleich zwei Rechnungen aus den bisher einzigen Vergleichen der beiden offen. "Jetzt bin ich hier, jetzt will ich natürlich auch gewinnen, das ist sonnenklar", sagte Petzschner. Vor einem Jahr war der 27-Jährige in der Runde der letzten Vier an Juschni gescheitert. Den Titelverteidiger aus Russland besiegte er diesmal in der zweiten Runde.
"Ich hätte gerne noch einen Turniersieg mehr in meiner Sammlung. Es ist jetzt erst einer." 2008 holte er seinen einzigen Einzel-Turnier-Erfolg in der Wiener Stadthalle. Die bislang letzten Turniersiege für deutsche Herren hatte es 2009 durch Thomas Haas in Halle und Benjamin Becker in 's-Hertogenbosch gegeben.
Gegen Starace, in der Weltrangliste 33 Plätze über ihm geführt, tat sich Petzschner schwer, er konnte sich aber auf sein Service verlassen. "Ich habe heute die beste Aufschlagleistung der letzten Jahre gezeigt, mit dem Aufschlag habe ich mir vieles leichter gemacht", berichtete er. Sieben Asse servierte Petzschner, mit seinen ersten Aufschlägen gewann er stattliche 83 Prozent der folgenden Ballwechsel. Im zweiten Durchgang hatte Petzschner beim Stand von 5:6 zunächst zwei Satzbälle abgewehrt - jeweils mit einem Ass. Nach 1:46 Stunden verwandelte er dann im Tiebreak, in dem er bereits 3:5 zurücklag, seinen zweiten Matchball.
Gegen Geheimfavorit Dimitrow machte es der derzeit beste deutsche Ranglistenspieler, Mayer, in einem Klasse-Duell ebenfalls spannend. Im ersten Durchgang musste der 27-Jährige, der noch auf seinen ersten ATP-Turniersieg wartet, einen Satzball abwehren, ehe er den Tiebreak für sich entschied. Nachdem der Bulgare, der in seiner Spielanlage an den jungen Roger Federer erinnert, den zweiten Satz holte, schlug Mayer zurück.
Er behielt im entscheidenden Satz trotz eines zwischenzeitlichen Wutausbruchs, den er an seinem Schläger ausließ, letztlich die Nerven gegen den 19-Jährigen. Nach 2:22 Stunden verwandelte er den ersten Matchball."Ich habe mir in diesem Jahr viel vorgenommen auf Sand. Die nächsten zwei Turniere in Madrid und Rom sind dabei auch sehr wichtig", sagte der am rechten Fuß angeschlagene Mayer.
Quelle: sid , dpa
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