03.10.2011, 17:17 Uhr
Aus Green Bay berichtet Jens Bistritschan
Da kann selbst der beste Quarterback die Übersicht verlieren. Aaron Rodgers brauchte zwei Anläufe, um alle Mitspieler aufzuzählen, denen er im Spiel gegen die Denver Broncos einen Touchdown-Pass zugeworfen hatte. Greg Jennings, Jordy Nelson, James Jones und Donald Driver waren die Empfänger des Spielmachers der Green Bay Packers. Doch bei dem Offensiv-Feuerwerk, dass der Titelverteidiger beim 49:23 abbrannte, war Rodgers da sicherlich nicht allein. (Aktuell Ergebnisse und Tabellen der NFL)
Zum ersten Mal in der Geschichte der National Football League (NFL) hatte ein Quarterback für über 400 Yards Raumgewinn geworfen, vier Touchdown-Pässe an den Mann gebracht und zusätzlich noch zweimal den Weg mit eigenen Läufen in die gegnerische Endzone gefunden. "Ich habe schon jede Menge Quarterbacks in dieser Liga gesehen. Aaron kann da mit jedem mithalten", lobte dann auch Broncos-Coach John Fox. Und der ist immerhin seit 23 Jahren in der NFL tätig.
Rodgers blieb angesichts der Zahlen dennoch bescheiden. "Ich habe wahrscheinlich schon bessere Spiele abgeliefert", erklärte der 27-Jährige auf der Pressekonferenz nach der Partie. Dort vergas er auch nicht, den Journalisten die eine Interception in Erinnerung zu bringen – an der aber keine Schuld hatte. James Jones hatte einen Pass nicht fangen können, von dessen Fingerspitzen abgelenkt flog das Leder-Ei in die Arme von Denvers Jonathan Wilhite. Doch das war nur ein Schönheitsfehler.
148 Punkte haben die Packers in ihren ersten vier Spielen erzielt. Keine Mannschaft in der NFL kann nach vier Partien mehr vorweisen. Und auch in der langen Geschichte des Teams, das es seit 1921 gibt, ist diese Offensiv-Ausbeute bisher einmalig.
Vom Ruhm vergangener Tage beim Rekordmeister der NFL (13 Titel) zeugen auch die Herren Curly Lambeau und Vince Lombardi. Die Statuen des Teamgründers und der legendären Coachs stehen vor dem Stadion. Mit dem Sieg im Super Bowl im Februar in Dallas gegen die Pittsburgh Steelers haben Rodgers und Co. einen ersten Schritt gemacht, die Tradition fortzusetzen.
"Wenn Leute hier über die Teams der Lombardi-Zeit sprechen, dann reden sie nicht davon, wie gut diese Teams waren. Sie erzählen davon, wie großartig sie waren", sagt Donald Driver, der seine 13. Saison in Green Bay spielt. Unter Lombardi gewannen die Packers in den 60ern fünf Meisterschaften, darunter die ersten beiden Super Bowls.
Dorthin wollen die Packers natürlich wieder zurück. Mit vier Siegen aus vier Spielen sind sie auf dem besten Weg dahin. Einzig die Detroit Lions haben neben Green Bay derzeit noch eine weiße Weste vorzuweisen. Doch noch sind zwölf Begegnungen in der regulären Saison sowie die Playoffs zu spielen, bevor am 5. Februar in Indianapolis das große Finale der NFL steigt.
Bis dahin können und müssen sich die Packers in der Verteidigung noch ein wenig steigern. Denn auch Rodgers und der Angriff werden sicher mal einen schwachen Tag haben. "Wir haben als Team noch nicht alles herausgefunden", sagt Cheftrainer Mike McCarthy – für die anderen 31 Teams der Liga klingt das wie eine Drohung.
Quelle: t-online.de
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