06.09.2011, 13:38 Uhr
Das "Joga Bonito", das "Schönspielen", hat er immer noch drauf. Als Brasiliens Fußball-Altstar Ronaldinho beim 1:0-Testspielsieg gegen Ghana eine butterweiche Flanke Richtung Alexandre Pato schlug und dessen Kopfball nur knapp über die Latte strich, deutete sich an, wie wertvoll der zweimalige Weltfußballer immer noch für die Selecao sein kann. Und dass sein Freistoß in der 89. Minute nicht im Netz landete, lag nur an Ghanas Torhüter Adam Larsen, der mit einer Glanzparade dem Ball seinen Bestimmungsort verwehrte.
Ansonsten wäre das Nationalmannschafts-Comeback des 31-Jährigen perfekt gewesen. "Einen Spieler wie Ronaldinho musste ich einfach wieder zurück in die Mannschaft holen", sagte Brasiliens Nationaltrainer Mano Menezes nach dem Auftritt des ehemaligen Stars des FC Barcelona und AC Mailands, der im Herbst seiner Karriere sein Geld bei Flamengo Rio de Janeiro in seiner brasilianischen Heimat verdient.
Denn auch wenn Ronaldinho vielleicht die Magie vergangener Tage verloren gegangen ist. Einer sich im Neuaufbau befindenden brasilianischen Nationalelf tut die Inspiration eines Ronaldo de Assis Moreira - so sein bürgerlicher Name - gut. Das wurde spätestens nach dem schmeichelhaften 2:3 des Rekordweltmeisters gegen die deutsche Mannschaft offenkundig, als die desillusionierte brasilianische Öffentlichkeit entsetzt feststellen musste: Jetzt schlägt uns sogar Deutschland in unserer stärksten Disziplin - dem Offensivspiel.
"Brasilien ist doch schon seit langem keine Macht mehr. Die Spielfreude, das, was uns immer außergewöhnlich gemacht hat, ist seit den neunziger Jahren einfach verschwunden", bemängelte Legende Socrates jüngst in einem Interview des Magazins "11Freunde" - Ronaldinho soll all das dem brasilianischen Fußball wieder zurückgeben. Denn fernab des europäischen Fußballzirkus' blühte Ronaldinho in seiner Heimat wieder auf. Er hatte wieder Spaß an seinem Beruf gefunden, spielte bei Flamengo eine starke Saison, in der er seinen Klub zum Meistertitel führte, und brachte sich so wieder in den Fokus des Nationaltrainers.
Dabei schien Ronaldinhos Stern langsam, aber sicher zu verglühen. Party-Marathons, Alkohol-Exzesse und Frauen-Geschichten nagten am Image des 31-Jährigen, die Nachtclubs und Diskotheken waren Ronaldinhos neue Spielwiese. Die Folge: Eine Fülle von Geldstrafen, Verlust des Stammplatzes beim AC Mailand, die Nichtnominierung für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika - die Karriere des Weltfußballers von 2004 und 2005 schien vor dem Aus, ehe Flamengo beim Starkicker anklopfte.
"Nach seiner Rückkehr nach Brasilien hat er sich wieder in den Griff bekommen", sagte Menezes über den Star. Der brasilianische Auswahlcoach hat Ronaldinho eine Nominierung für die WM 2014 im eigenen Land in Aussicht gestellt hat - trotz der neuen Stars wie Neymar, Ganso oder Leandro Damiao, der gegen Ghana mit seinem ersten Länderspieltreffer das Tor des Tages erzielte. Von seiner neuen Rolle als "Big Daddy" im Kreis der Youngster wollte er jedoch nichts wissen. "Ich bin nicht der Papa. Ich bin ein erfahrener Begleiter, der den Respekt und die Anerkennung der jungen Spieler genießt", schrieb der frühere Superstar nach dem Spiel auf seiner Homepage.
Zwar habe Ronaldinho noch einen weiten Weg vor sich und bei seinem Comeback gegen Ghana gerade zu Beginn Probleme mit dem hohen Tempo der Partie gehabt. "Aber dann hat er seinen Rhythmus gefunden und in der zweiten Hälfte gezeigt, was er noch drauf hat", analysierte Menezes.
Vom Partylöwen zur Hoffnungsträger Brasiliens - nach der blamablen Südamerika-Meisterschaft mit dem Aus im Viertelfinale könnte Ronaldinho tatsächlich noch einmal zu einem wichtigen Element in Brasiliens Nationalteam werden. "Er ist eine Führungsfigur und ein Spieler, auf den man sich verlassen kann", sagte Menezes und bezeichnete die Nominierung Ronaldinhos für das Ghana-Spiel deswegen als "keine Übergangslösung". Er sei überzeugt, "dass er die WM 2014 spielen kann". Mit "Joga Bonito", versteht sich.
Quelle: dapd
Beobachter schrieb:
am 6. September 2011 um 17:27:43
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(0)
Brasilien
Warum weicht Menezes von seinem eingeschlagenen tollen Weg ab, auf die überragenden jungen Talente zu setzen? Auf Ronaldinho zu
setzen ist ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Die junge Mannschaft braucht Vertrauen und v.a. Spiele um zu sich und damit zum Erfolg zu finden. Eigentlich ist das sogar eine "goldene Generation" die man z.Z. hat und die wenn sie eingespielt ist wieder zu gewohnten Erfolgen führt.
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