24.06.2011, 16:03 Uhr
Zum Thema Frauenfußball hat nicht nur Nico Rosberg markige Sprüche im Repertoire. (Foto: imago)
Der Formel-1-Zirkus ist immer noch eine Machowelt. Das haben die Fahrer gerade wieder bewiesen. Bei Fragen zur bevorstehenden Frauen-Weltmeisterschaft "glänzten" sie mit chauvinistischen Sprüchen, wie man sie eigentlich nur aus ferner Vergangenheit kennt. Viele beteuerten zwar, sich ein WM-Spiel ansehen zu wollen, richtig ernst nahmen sie das Thema aber offenbar nicht. (Foto-Show: Machosprüche von Gerd Müller und Co. zum Frauenfußball)
Weltmeister Sebastian Vettel, ein glühender Fan des (Männer-)Bundesliga-Absteigers Eintracht Frankfurt, verriet zunächst mangelnde Sachkenntnis. Auf die Frage, ob er am Sonntag der Nationalelf zuschauen werde, fragte Vettel: "Wieso spielen die denn schon wieder? Ich dachte, die EM-Quali wäre vorbei?"
Timo Glock wird auf Einladung eines Sponsors sogar das Finale in Frankfurt im Stadion verfolgen, doch auch er bediente fleißig Klischees. "Ich hoffe halt mal, dass die sich nicht an den Haaren ziehen oder so, wenn die eine oder andere da mal eine Grätsche setzt", sagte der Virgin-Pilot schmunzelnd.
Nicht einmal die wichtigste Frau in der Königsklasse des Motorsports interessiert sich für die Damen-WM. "Ich wusste nicht, dass die WM beginnt. Aber Fußball ist generell nicht so mein Thema", sagte Monisha Kaltenborn, Geschäftsführerin des Schweizer Sauber-Rennstalls: "Außerdem ist es eine Frage der Zeit. Schließlich haben wir am Sonntag selbst was zu tun."
Nico Rosberg antwortete auf mehrere provokante Nachfragen, ob er sich überhaupt ein Frauenspiel anschauen könne: "Man schaut doch auch Paralympics - Menschen, die nicht ganz so große Leistungen bringen können, aber unter sich ist es trotzdem spannend."
Damit vergriff er sich zwar erheblich in der Wortwahl, doch gerade Rosberg hat anscheinend Interesse am Frauenfußball. "Vielleicht schon beim Halbfinale, spätestens beim Finale werde ich vor dem Fernseher sitzen", versprach der Mercedes-Pilot. Auf seiner Facebook-Seite hinterließ er dann schließlich gar den Hinweis: "Cool. Ab Samstag werde ich Frauen-Fußball-WM gucken. Ich glaube, dass die Deutschen wieder Favorit sind."
Außerdem erwarte er, "dass das Niveau sehr hoch ist", er drücke "den Mädels die Daumen". Worauf ein männlicher Fan ihm postwendend antwortete: "Konzentrier dich lieber aufs nächste Rennen." Wie man(n)s macht, macht man(n)s falsch.
Im vergangenen Jahr wurde im Fahrerlager in Valencia fast überall die Männer-WM verfolgt. Diesmal ist kein Public Viewing geplant, das Eröffnungsspiel der deutschen Frauen gegen Kanada wird höchstens heimlich geschaut. "Frauenfußball interessiert mich gar nicht", sagte Force-India-Pilot Adrian Sutil.
Irgendwie logisch für diese Machowelt, in der Frauen auf die Rolle als schmückendes Grid Girls reduziert werden. Nur eine Handvoll durfte in über 60 Jahren in einem Formel-1-Auto fahren.
Vettel findet es jedenfalls gut, "wie Frauenfußball in Deutschland gepusht und wahrgenommen wird. Die Qualität des Spiels ist nicht so hoch wie bei den Männern, aber das kann die Leistung der einzelnen Spielerinnen nicht schmälern". Ein zweites Sommermärchen nach Vorbild der Männer-WM 2006 erwartet er aber nicht: "Es wird nicht so viele Leute faszinieren wie die WM vor fünf Jahren im eigenen Land, aber ich denke, es wird mehr wahrgenommen als vergangene Weltmeisterschaften - und das ist ja schon mal was für den Frauenfußball."
Timo Glock will sich vor dem Finalbesuch mit dem TV-Studium einiger Partien einstimmen: "Das muss man schon machen, das ist schließlich eine WM. Auch wenn es die Frauen sind, logisch." Klar. Bei aller Angst vor Sich-an-den-Haaren-Ziehenden freut er sich eben dennoch auf "ein Highlight, das den Frauenfußball insgesamt ein bisschen weiter nach oben bringt."
Er hofft auf den deutschen Titel-Hattrick: "Nach dem, was ich bisher verfolgt habe, können die deutschen Mädels schon richtig gut Fußball spielen. Die sind sehr, sehr gut, und haben alles weggeschossen, was sich da an guten Teams so in den Weg gestellt hat."
Sollten die deutschen Damen weit kommen, könnte dies auch Nick Heidfeld zum TV-Studium animieren. "In einer späteren Phase schaue ich mir das sicher mal an", sagte der Renault-Pilot, der auch den Männer-Fußball nur noch am Rande verfolgt. Heidfeld hofft ebenfalls auf "einen Schub in Deutschland. Die letzte WM in Deutschland war ja wirklich fantastisch, wenn das jetzt bei den Frauen so ähnlich wird, wäre es schon toll."
Gegen Deutschland als Weltmeister wettet natürlich Bruno Senna. Der Brasilianer setzt auf sein Land: "Diesmal gewinnen wir mit Marta", sagte der Neffe von Formel-1-Legende Ayrton Senna mit Blick auf die Endspiel-Niederlage vor vier Jahren. Dass die WM am Sonntag anfängt, wusste der Renault-Testfahrer allerdings nicht.
Quelle: motorsport-total.com , dapd


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