03.10.2010, 19:16 Uhr | dpa
Ein elektrisierendes Comeback von Martin Kaymer mit dem Team Europa - und ein Desaster für Golf-Superstar Tiger Woods beim 38. Ryder Cup in Wales: Wie im Rausch übernahm das Team von Colin Montgomerie nach dem Regenchaos gegen Titelverteidiger USA mit 9,5:6,5 erstmals die Führung. Nach dem 4:6-Rückstand am Freitag sind vor den zwölf Einzeln die Chancen sprunghaft gestiegen, der Auswahl von Kapitän Corey Pavin nach 2008 den Titel wieder abzujagen.
Kaymer steuerte im Celtic Manor Resort als immer noch ungeschlagener Debütant in der letzten Hängepartie der sechs Vierer bisher 2,5 Punkte aus drei Matches bei. Mit dem Engländer Ian Poulter hatte er Phil Mickelson/Ricky Fowler im Fourballs-Match besiegt. Allerdings gelang dem Weltranglisten-Sechsten kein Birdie, während Poulter gleich fünf gewinnbringende Schläge glückten. Auch der Weltranglisten-Zweite Mickelson lochte die kürzesten Putts nicht.
Begleitet vom Jubel der 45.000 Zuschauer schlich Tiger Woods wie ein begossener Pudel völlig demoralisiert vom 13. Grün, wo seine Pleite schon besiegelt war. Es war die höchste Niederlage seiner Ryder-Cup-Karriere: "Sechs Schläge Vorsprung" leuchtete es für das triumphierende englische Duo Lee Westwood/Luke Donald gegen den immer noch besten Spieler der Welt auf. Wortlos trollte sich der 34-jährige Sportmilliardär mit seinem Partner Steve Stricker durch den tiefen Morast der aufgeweichten Grüns.
Montgomeries emotionsgeladene Ansprache nach dem 4:6 am Freitag im Klubhaus hatte den Knoten platzen lassen. "Wir müssen die Zuschauer elektrisieren, für uns begeistern. Mir fehlt die Eigendynamik im Team. Bei einem Heimspiel machen die Fans mindestens 66 Prozent der Punkte aus. Geht raus und reißt alle mit", hatte der 47-jährige Schotte gefordert - und den richtigen Ton getroffen.
Zum sechsten Mal stellte der 37-jährige Westwood dem Tiger ein Bein im Ryder Cup und demoralisierte im Vierer seinen Lieblingsgegner. "Montie hat gesagt, wir sollen schnell einen Punkt machen, damit man den Schrei auf dem ganzen Platz hört", sagte Westwood. US-Open-Sieger Graeme McDowell nahm im nordirischen Doppel mit Youngster Rory McIlroy den Ball auf und besiegte Zach Johnson/Hunter Mahan. Die außer Rand und Band geratenen Fans klatschten im Triumphmarsch an den Absperrseilen die Hände der Sieger ab.
Der Bann war gebrochen: Padraig Harrington/Ross Fisher besiegten FedEx-Cup-Millionär Jim Furyk/Dustin Johnson. Das italienische Brüderpaar Francesco und Edoardo Molinari rettete einen halben Punkt gegen Stewart Cink/Matt Kuchar. Der schwedisch-spanische Mix Peter Hanson/Miguel Angel Jiminez holte gegen Bubba Watson/Jeff Overton den fünften Tagessieg.
Die entscheidenden Einzel finden erst am Montag statt, da es aufgrund von anhaltenden Regenfällen immer wieder zu Verzögerungen gekommen war.
Quelle: dpa
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