07.04.2011, 17:34 Uhr
Ante Sapina sagt zum Wettskandal vor Gericht aus. (Foto: dpa)
"Wenn Sie irgendwann mal draußen sind, gibt's ja vielleicht einen Lehrstuhl für Wetten", waren die Worte des Richters Wolfgang Mittrup während des umfangreichen Geständnisses des Wettbetrügers Ante Sapina vor dem Bochumer Landgericht. Denn der Hauptangeklagte gab nicht nur zu, Fußball-Spieler bestochen zu haben. Er breitete am fünften Verhandlungstag auch sein enormes Wissen über den Sportwettenmarkt aus. "Ich habe mich an den Kosten beteiligt, wenn Spieler Geld bekamen", sagte Sapina und räumte ein: "Wir haben einige Spiele manipuliert."
Vor allem Bestechung in der Schweiz zusammen mit seinem Kompagnon Marijo C. gab er zu, als Richter Mittrup ihn zu den ersten 18 von 43 Anklagepunkten befragte. Ein Trainingslager des bosnischen Klubs NK Travnik in der Schweiz sei organisiert und finanziert worden, um auf manipulierte Spiele hohe Beträge zu wetten. Marijo C. habe die Partien "mit FIFA-Schiedsrichtern und namhaften Gegnern" organisiert.
Der seit 16 Monaten in U-Haft sitzende Sapina nutzte die Gelegenheit, sich als "Superhirn" zu präsentieren. Der ehemalige Student der Volkswirtschaftslehre dozierte darüber, wie Sportwetten funktionieren und wann sie sich lohnen. "Am liebsten war mir, wenn die Spieler gegen ihre eigene Mannschaft wetteten", sagte er. Wetten seien für ihn "sehr viel Mathematik".
Ab welchen Quoten Wetten für ihn einen einen Wert hatten, führte er sehr genau aus. So rechnete er vor, dass er zwar bei einem Spiel des belgischen Zweitligisten UR Namur 50.000 bis 60.000 Euro gewonnen habe, aber auch 20.000 Euro für bestochene Spieler bezahlen musste. "Ja, rechnen können Sie", sagte Mittrup anerkennend.
Auch über den Wettmarkt in Asien, über den er Millionen umgesetzt haben soll, referierte er - mit einigen Anekdoten: "Wenn denen das Ergebnis nicht gefallen hat, haben sie im Stadion einfach das Licht ausgeknipst. Dann waren alle Wetten hinfällig."
Staatsanwalt Andreas Bachmann fand für Sapinas Aussage lobende Worte. "Sie war sehr konkret. Er hat einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt", sagte der Ankläger: "Dadurch können wir die Beweisaufnahme kurz und knapp lassen und möglicherweise schnell zu einem Ende des Verfahrens kommen." Die ersten Urteile im Fußball-Wettskandal sollen in der nächsten Woche ergehen.
Sapinas Verteidiger kritisierte indes den Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Ich habe meine Zweifel, ob man tatsächlich von der Reinheit des Sports reden kann. Ich glaube schon, dass der DFB das besser aufklären könnte", sagte Rechtsanwalt Stefan Conen am Ende des fünften Verhandlungstages. Schon im Hoyzer-Prozess 2005 habe man "den DFB zum Jagen tragen müssen".
Quelle: sid
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