20.08.2010, 16:35 Uhr | dpa
Die Form stimmt noch lange nicht, doch Caster Semenya fühlt sich vor ihrem Comeback in Berlin einfach nur "großartig": Die elf Monate lang gesperrte 800-Meter-Weltmeisterin zeigte sich zwei Tage vor ihrem erst dritten Saison-Wettkampf in der deutschen Hauptstadt keineswegs deprimiert über die schier endlose Zeit ohne Wettkämpfe. "Natürlich war es nicht gut für meine Karriere, dass ich so lange pausieren musste. Aber ich habe die Monate genutzt, hatte viel Zeit für meine Familie, meine Freunde und Gelegenheit, mich nach den schweren Stunden wieder zu finden. Heute sehe ich die Zeit positiv", erklärte die Südafrikanerin bei ihrer zweiten Pressekonferenz nach dem Gewinn ihres WM-Titels in Berlin.
Unmittelbar nach dem Erfolg war ihr Geschlecht angezweifelt worden, dann folgten unzählige Untersuchungen und eine elf Monate lange Wartezeit. Am Sonntag kehrt die 19-Jährige ins Olympiastadion zurück und bestreitet beim ISTAF ihren ersten großen Wettkampf nach der Wiedererteilung der Starterlaubnis und zwei drittklassigen Rennen in Finnland.
"Ich freue mich riesig auf das schöne Stadion und das Berliner Publikum", sagte Semenya. Sie nimmt sich eine Zeit von unter zwei Minuten für das 69. ISTAF vor, für das im Vorverkauf mehr als 45.000 Tickets verkauft wurden. Saisonhöhepunkt sollen für sie die Commonwealth-Spiele Anfang Oktober werden. Davor wird Semenya bei den europäischen Meetings in Brüssel (27.8.), Rovereto (31.8.) und Mailand (9.9.) starten. "Sie braucht jeden Wettkampf, denn die Vorbereitung war natürlich alles andere als ideal", sagte ihr Trainer Michael Seme und warnte vor überhöhten Erwartungen.
Wie schwer die Zeit nach dem WM-Triumph in Berlin für sie wirklich war, machte Manager Jukka Härkönen deutlich. "Es war keine gute Zeit für sie so ganz ohne Sport. Aber die Akte ist nun geschlossen. Wichtig ist jetzt nur, dass eine solch junge Athletin nun nicht zu deprimiert ist und in ihrer Entwicklung zurückgeworfen wird", sagte der Finne. Er fragt sich vor allem, warum die Nachforschungen des Weltverbandes IAAF so lange gedauert haben.
"Wir hatten sehr auf den Start im März gehofft, nun ist die Freigabe erst im Juli gekommen. Und so richtig weiß niemand, warum. Für mich ist das schon sehr frustrierend, schließlich wurden ihre Erfolge von Berlin mit Füßen getreten." Auf eine Schadensersatzklage gegen den Weltverband IAAF wird Semenya dennoch verzichten. Viele Beobachter haben aber Zweifel, dass es ihr gelingt, ihre Berliner WM-Zeit von 1:55,45 Minuten jemals zu wiederholen.
Quelle: dpa
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