08.06.2011, 14:54 Uhr
In der Serie A soll es Absprachen gegeben haben. (Foto: imago)
Der italienische Fußball versinkt immer mehr Sumpf des Wettskandals. Nach der Festnahme von 16 möglichen Drahtziehern ermittelt die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Cremona nicht mehr nur wegen manipulierter Spiele in den drei obersten Ligen sondern auch wegen Absprachen zwischen Spitzenklubs der Serie A. UEFA-Präsident Michel Platini zeigte sich "sehr besorgt" über die aktuelle Entwicklung.
"Mein Eindruck ist: Es gibt große Probleme in der Serie A. Dort werden Spiele manipuliert. Aber dabei geht es weniger um Wetten, als vielmehr um Ergebnis-Absprachen zwischen den Klubs", sagte Staatsanwalt Roberto Di Martino. Di Martino räumte jedoch ein, "noch keine Beweise" für seine These zu haben.
30 Spiele sollen in den drei obersten Ligen in dieser Saison manipuliert worden sein, vermuten die Staatsanwälte. Die Ermittlungen kreisen um den Zahnarzt Marco P., der als eine Schlüsselfigur eines weitreichenden Wettrings gilt. Die kriminelle Organisation soll mit großen Geldsummen sogar Resultate von Erstligaspielen erkauft haben. P. behauptet, dass Begegnungen von fünf Serie-A-Klubs (AS Rom, US Cagliari, US Lecce, AC Florenz und FC Genua 93) manipuliert worden seien. Bis zu 500.000 Euro konnte die kriminelle Organisation zahlen, um ein Serie-A-Match zu manipulieren. Mitglied des Rings soll auch der inhaftierte ehemalige Nationalspieler Giuseppe Signori gewesen sein. Der Starstürmer (188 Toren in der Serie A) wird verdächtigt, über Wettanbieter in Singapur hohe Summen auf manipulierte Spiele gesetzt zu haben.
"Das ist eine Sensation", schrieb die "Gazzetta dello Sport". Sollten tatsächlich Erstligavereine die Liga durch Ergebnisabsprachen manipuliert haben, könnten der Titelgewinn des AC Mailand, die Qualifikationen für die Europacup-Wettbewerbe und die Abstiegsentscheidungen in Frage gestellt werden. "Das ist ein Schock" titelte der "Corriere dello Sport".
Die Ermittler suchen nun nach einer Person, die die Ergebnis-Absprachen mit Spielern oder Klubs traf und diese dann gegenüber den mutmaßlichen Wettbetrügern garantierte. Die Staatsanwalt Cremona arbeitet auf Hochtouren, auch die Staatsanwaltschaft Neapel nahm erneut Ermittlungen in Bezug auf das Erstliga-Spiel zwischen Neapel und Palermo aus dem Jahre 2010 auf.
Die Aussichten für die nächste Meisterschaftssaison sind düster. Der Chefankläger des Fußballverbandes FIGC, Stefano Palazzi, soll so schnell wie möglich von den Staatsanwälten das Dossier über die Ermittlungen erhalten. Es scheint jedoch höchst ungewiss, dass bis zum Saisonstart im Juli die Vorwürfe gegen Vereine und Spieler geklärt werden, sodass der Verband einen normalen Meisterschaftsbeginn kaum garantieren kann.
Quelle: dpa , sid
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