04.03.2008, 11:08 Uhr
Sanitäter transportieren den gestürzten Lanzinger ab (Foto: imago)Nach dem schwersten Unfall im alpinen Weltcup seit sieben Jahren ist Skirennfahrer Matthias Lanzinger nach mehreren Not-Operationen der linke Unterschenkel amputiert worden. "Wegen akuter Verschlechterung der allgemeinen Situation und drohender Lebensgefahr war eine sofortige Operation notwendig. Es wurde eine Unterschenkel-Amputation durchgeführt und der Allgemeinzustand von Matthias Lanzinger hat sich dadurch deutlich gebessert. Derzeit besteht keine akute Lebensgefahr", sagte Gefäßspezialist Thomas Hölzenbein in einer Osloer Klinik. Der Zustand sei aber "insgesamt nach wie vor kritisch".
Hintergrund Schwere Unfälle im alpinen Skisport
Foto-SerieLanzinger nach seinem Sturz
SturzLanzinger liegt im künstlichen Koma
Super GMiller siegt in Kvitfjell - Lanzinger gestürzt
Der 27-jährige Österreicher hatte sich am Sonntag beim Super-G-Rennen im norwegischen Kvitfjell einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie eine schwerwiegende Gefäßverletzung zugezogen. Wegen des irreparablen Gewebeschadens war die Amputation unvermeidbar, da dauerhaft schwerwiegende Folgen drohten und das Leben des Spitzensportlers gefährdet war. Nach einer neunstündigen Not-Operation in der Nacht zum Montag kam Lanzinger, der wegen Komplikationen zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt wurde, auch in der Nacht zum Dienstag wieder im Osloer Ullevål-Krankenhaus auf den OP-Tisch.
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Doch aller Einsatz der Ärzte half nichts, auch der eingeflogene Salzburger Gefäßspezialist Thomas Hölzenbein konnte den schwer geschädigten Unterschenkel nicht retten. "Wir haben die ganze Nacht operiert. Aber leider ist es uns nicht gelungen, die Blutzirkulation im linken Bein wieder in Gang zu bekommen", sagte Chefchirurg Lars Engebretsen. Lanzingers Fuß habe sich bei dem schweren Sturz mit offenen Knochenbrüchen wahrscheinlich mehrfach gedreht. Der Zustand des Athleten verschlechterte sich am Dienstagmittag weiter, so dass eine weitere Operation notwendig war.
Unterdessen gab es Kritik aus Österreich wegen des unprofessionellen Abtransports. Ein spezieller Rettungshubschrauber hatte nicht zur Verfügung gestanden. Bei dem ersatzweise eingesetzten Touristen-Hubschrauber musste erst eine Sitzbank entfernt werden, um den schwer verletzten Sportler vom Zielraum ins Krankenhaus fliegen zu können. Engebretsen stufte die Amputation des linken Unterschenkels auch bei einem anderen Verlauf nach dem Unfall als "unvermeidlich" ein. "Entscheidend war der Umfang der Schäden. Und der fiel wegen der sehr hohen Geschwindigkeit sehr, sehr groß aus", sagte der Chefchirurg. "Es dauert sechs bis acht Stunden, ehe Gewebe abstirbt. Innerhalb dieses Zeitraumes kam er bei uns an", sagte der Mediziner. Lanzinger lag sechs Stunden nach seinem Unfall auf dem Operationstisch des Ullevål-Krankenhauses in Oslo.
Quelle: dpa
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