08.12.2011, 19:35 Uhr
Mit einem Kraftakt hat DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Revolte verhindert. Da mit DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach schnell ein Nachfolger gefunden worden war, plädierten viele für zügige Ablösung des Noch-Präsidenten. Schon im März sollte Zwanziger auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag abberufen werden. Doch Zwanziger ließ noch ein letztes Mal seine Muskeln spielen: Dann trete er eben doch nicht im Oktober zurück, habe er gedroht, berichtete ein Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Zwanziger will erst nach der Europameisterschaft weichen. "Das ist das beste Amt, das in Deutschland zu vergeben ist", rief er den 251 Delegierten zu, die ihn am 22. Oktober 2010 bis 2013 gewählt hatten. Dass er nun fix entsorgt werden sollte, war gar nicht nach seinem Geschmack.
Zu Zwanzigers Plan, erst im Oktober 2012 abzutreten, meldete sich als erster Bedenkenträger ausgerechnet der höchste Hauptamtliche der DFL zu Wort: Christian Seifert. "Nach meiner Erfahrung ist es immer schwierig, egal ob in einem Unternehmen oder einem Verband, wenn ein Wechsel in der absoluten Spitzenposition stattfindet und eine zu lange Übergangszeit ansteht", sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung der "Süddeutschen Zeitung" . Der Spitzenmann gebe stets Takt, Priorität und Führungsstil vor, gab Seifert zu bedenken, "da erfordert es sehr viel Disziplin von allen Beteiligten, so ein Kräfteverhältnis für lange Zeit aufrechtzuerhalten".
Auch die Reaktionen auf seine Ankündigung, sein Amt vorzeitig aufzugeben, hatte sich der 66-Jährige anders vorgestellt. Keine Stimme, er sei unverzichtbar, erhob sich. Mit seinem inszenierten Abgang, mit der er die Weihnachtsfeier der DFB-Führungsriege verdarb, hatte sich Zwanziger für viele seiner Wegbegleiter endgültig als Egozentriker gekennzeichnet.
DFB-Präsident hat am Mittwoch Generalsekretär Wolfgang Niersbach als seinen Wunschnachfolger vorgestellt. zum Video
Der DFB-Präsident sah sich auf Augenhöhe mit den Großen der Republik. Ein Anruf bei der Kanzlerin, die Chancen waren groß, dass er direkt durchgestellt wurde. Er verlor wohl das Maß. Er sehe keine nationalen Aufgaben mehr für sich im DFB, begründete er seinen Rückzug. Im Internationalen Fußball-Verband (FIFA) wolle er dafür sorgen, dass Katar die WM 2022 entzogen wird, ließ er selbstbewusst verlauten. Dabei ist Zwanzigers Wirkung auf internationaler Ebene verglichen mit Franz Beckenbauer und Gerhard Mayer-Vorfelder, seinen Vorgänger in den Gremien, eher marginal.
Dabei hat Zwanziger in einigen Bereichen durchaus Anerkennung verdient. 2004 als fast noch völlig Unbekannter in einer Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder an die DFB-Spitze getreten, seit 2006 alleine in der Verantwortung, hat er dem DFB ein Profil verliehen, was unter "MV" verloren gegangen war. Seine Sternstunde hatte er zu Beginn der Amtszeit, als er den Manipulationsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer zügig aufklärte.
Sein ausgeprägtes Selbstverständnis zeigte sich in einem Vergleich, den er wählte, als er einen Rücktritt mit sofortiger Wirkung ausschloss. Er würde keine "lame duck" werden, keine lahme Ente, "weil ich der Überzeugung bin, dass auch der amerikanische Präsident, der Herr Obama, sollte er wiedergewählt werden, nicht vier Jahre eine 'lame duck' ist".
Quelle: dpa , dapd
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