13.05.2011, 18:55 Uhr
Voll konzentriert und erfolgreich: Timo Boll. (Foto: Reuters)
Es ist nur noch ein Schritt bis zur ersehnten WM-Medaille, und das ließ Timo Boll sogar seine Zurückhaltung vergessen. Die zur Faust geballte Hand streckte der Rekord-Europameister nach seinem Sieg über seinen guten Freund Dimitrij Ovtcharov bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft in Rotterdam in die Höhe und machte sogar einen kleinen Freudensprung.
Derart ausgelassen hatten die Zuschauer in der Ahoy-Arena den Düsseldorfer Weltranglistenzweiten bislang noch nicht gesehen. Boll war einfach froh, die Achtelfinalbegegnung mit seinem Trainingspartner mit 4:2 (11:7, 11:6, 11:13, 13:15, 11:0, 11:8) gewonnen und als einziger Europäer die Runde der besten Acht erreicht zu haben. Im Weltranglistenzwölften Chen Qi steht im Viertelfinale um eine Medaille nur noch eine Hürde zwischen Boll und dem Halbfinale - es ist allerdings eine chinesische.
"Das war das bislang schwierigste Spiel der WM - spielerisch und emotional", sagte Boll nach dem verwandelten Matchball. Stark hatte er begonnen, die ersten beiden Sätze für sich entschieden, aber dann Nerven gezeigt. Im vierten Durchgang vergab Boll gleich drei Satzbälle zum vorentscheidenden 3:1. "Ich bin froh, dass ich danach meinen Weg wiedergefunden habe", sagte er erleichtert.
Mit 11:0 im fünften Satz folgten ein Paukenschlag und eine Machtdemonstration zugleich, wovon sich Ovtcharov nicht mehr erholte. "Die Sätze zuvor haben sehr viel Konzentration und Kraft gekostet", sagte der niedergeschlagene Verlierer und ergänzte: "Timo kann ein so hohes Level spielen, und ich habe es nicht geschafft, über die gesamte Dauer mitzuhalten."
Noch am Morgen vor der Partie war der in Hameln wohnende Russland-Legionär zuversichtlich gewesen, Boll in der internen Hierarchie den Thron streitig machen zu können. Immerhin hatte der 22-Jährige seinen acht Jahre älteren Kontrahenten bereits zweimal geschlagen. 2008 im Viertelfinale der Korea Open gelang Ovtcharov der erste Sieg. Im Finale der Champions League glückte ihm im vergangenen Jahr das Kunststück ein zweites Mal. Doch beim Saisonhöhepunkt spielte der viermalige Einzel-Europameister seine Erfahrung und Überlegenheit aus. Nur im dritten und vierten Durchgang wackelte er, aber Ovtcharov konnte Bolls kurze Schwächephase nicht ausnutzen.
Boll trifft im Viertelfinale auf Chen Qi. Der Mannschafts-Weltmeister ist in Rotterdam der am tiefsten eingestufte der noch sechs im Turnier stehenden Chinesen und warf im Achtelfinale den weißrussischen Weltranglistenachten Wladimir Samsonow mit 4:3 aus dem Turnier. In diesem Jahr hat Boll, der bereits 2007 in Zagreb bis ins WM-Viertelfinale gekommen war, den Asiaten bereits zweimal im Viertelfinale der Champions League geschlagen.
"Das waren aber jeweils ganz enge Spiele. Am Ende wird die Tagesform entscheiden", sagte Boll. Fürchten muss er auf dem Weg zur ersten WM-Einzelmedaille für einen Deutschen seit dem Silber für Eberhard Schöler 1969 in München seinen ersten chinesischen Gegner in Rotterdam allerdings nicht. "Timo ist auf jeden Fall Favorit", sagte auch Ovtcharov. "Jetzt wird sich zeigen, wie gut ich wirklich drauf bin", fügte Boll hinzu und freute sich, nun auch wieder mit seinem Kumpel trainieren zu können.
Quelle: dpa , sid
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