29.05.2010, 11:44 Uhr | dpa
Der Siegeszug der deutschen Tischtennis-Damen ist erst im Halbfinale der Mannschafts-WM gestoppt worden. Die Auswahl um Europameisterin Jiaduo Wu verlor in Moskau die Neuauflage des Duells gegen den Olympia-Zweiten Singapur mit 0:3, doch traurig über die verpasste Finalteilnahme waren weder Spielerinnen noch Trainer. Mit der Bronzemedaille - der ersten seit der WM 1997 in Manchester - hatte im Vorfeld keiner gerechnet.
Bei den Herren hat Titelverteidiger China als erste Mannschaft das Endspiel erreicht. Im ersten Halbfinale siegte der Rekordweltmeister klar mit 3:0 gegen Japan. Im Finale treffen die Chinesen auf den Gewinner der Abend- Partie zwischen Europameister Deutschland und Südkorea.
"Es herrscht weiterhin Freude pur. Ich denke, Singapur ist noch einen Tick besser. Der Sieg geht in Ordnung", sagte der deutsche Damen-Trainer Jörg Bitzigeio. Sein Team, dass bereits in der Gruppenphase mit 0:3 und 0:9-Sätzen gegen Singapur verloren hatte, zog sich dieses Mal besser aus der Affäre. Die deutsche Meisterin Kristin Silbereisen führte gegen Wang Yuegu bereits 9:6 im fünften Satz, gab das Match aber nach zwei leichten Fehlern noch aus der Hand.
"Das war sehr knapp und ist bitter. Ich traute mich aber nicht, bei 9:6 die Taktik zu wechseln", erklärte Silbereisen. Insgesamt war die Nummer 48 der Weltrangliste aber ebenso wie ihre Kolleginnen Jiaduo Wu (Nummer 22), Elke Schall (Nummer 50) und Sabine Winter (Nummer 101) mit dem Turnier-Verlauf sehr zufrieden. "Der dritte Platz ist ein sensationelles Ergebnis. Das Damen-Team hat sich bei dieser WM riesig präsentiert", lobte auch DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.
In der Vergangenheit hatte es mehr Tadel als Lob für die Damen gegeben. 2006 bei der Heim-WM in Bremen (Elfte) und 2008 in China (Neunte) sowie vor allem bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren in Peking (Gruppenletzter) enttäuschte das Team von Bundestrainer Bitzigeio. Nach dem Olympia-Debakel geriet der Coach in die Kritik. Die DTTB-Führung mit Präsident Thomas Weikert hielt aber an dem Diplom-Sportwissenschaftler fest.
"Der Verband hat an uns geglaubt, auch in schlechten Zeiten. Ich konnte in Ruhe weiter arbeiten", bedankte sich Bitzigeio. Er gilt als konsequenter Verfechter einer harter Trainingsarbeit und erntete bereits bei der EM 2009 in Stuttgart erste Erfolge. Dort wurde die gebürtige Chinesin Wu Einzel-Europameisterin, das Doppel Kristin Silbereisen/Zhenqi Barthel holte Bronze und das Team landete auf Platz fünf. Die WM-Bronzemedaille, errungen mit Erfolgen gegen Europameister Niederlande und gegen das asiatische Spitzenteam Hongkong, toppt das EM-Ergebnis.
Auch die Zukunft sieht gut aus. Zwar sind Wu und Schall älter als 30 Jahre, doch Silbereisen (25), Winter (17) und die 16-jährige deutsche Vizemeisterin Petrissa Solja, die wegen einer Verletzung die WM kurzfristig absagen musste, haben ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. "Sabine Winter gibt großen Anlass zu Optimismus", lobte DTTB-Chef Weikert die unbekümmert aufspielende Angreiferin für ihr sensationelles WM-Debüt.
Quelle: dpa
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