23.05.2011, 16:58 Uhr
Tommy Haas steht nach 60 Wochen Pause wieder auf dem Tennisplatz. (Foto: dpa)
Das Comeback-Spiel verloren, aber Zuversicht gewonnen: Exakt 15 Monate nach seinem letzten Einzel-Auftritt ist Tommy Haas mit einer Niederlage auf die Tennis-Tour zurückgekehrt. Dass sein geschundener Körper den Härtetest gegen den Türken Marsel Ilhan über 2:57 Stunden bestand, stellte den 33-Jährigen trotz des Erstrunden-Ausscheidens bei den French Open zufrieden. "Ich denke schon, dass es sich gelohnt hat. Es war ein gutes Gefühl, mal wieder bei einem richtigen Match auf dem Platz zu stehen", sagte Haas nach dem 4:6, 6:4, 6:7 (1:7) und 4:6 gegen seinen zehn Jahre jüngeren Kontrahenten.
Haas gab aber zu: "Nach zweieinhalb Sätzen war ich ziemlich platt." Die Fortsetzung seiner Karriere will er von seinem Gesundheitszustand in den nächsten Monaten abhängig machen. "Im Oktober, November werde ich sehen, ob der Körper mitmacht. Oder ob es Zeit für etwas Neues ist", kündigte der frühere Weltranglistenzweite an.
Den Ton am Bois de Boulogne geben aber weiter die Frauen an: Sabine Lisicki stürmte als dritte deutsche Spielerin nach Julia Görges und Mona Barthel in die zweite Runde. Die 21-Jährige besiegte die Usbekin Akgul Amanmuradowa mit 6:0 und 6:4.
Die DTB-Männer dagegen schwächelten: Neben Haas scheiterten auch Daniel Brands, Julian Reister und Dustin Brown an der Auftakthürde. Ebenso Björn Phau, der nach hartem Kampf gegen den Franzosen Gael Monfils mit 6:4, 3:6, 5:7 und 0:6 unterlag. Denis Gremelmayr musste sich dem Russen Nikolai Dawydenko nach gutem Start mit 6:7 (2:7), 1:6, 3:6 geschlagen gegeben. Damit sind bereits fünf der 15 für das Hauptfeld qualifizierten deutschen Herren gescheitert.
Besser machten es Philipp Petzschner, Tobias Kamke und Michael Berrer. Der 27-jährige Petzschner gewann das deutsche Duell gegen Mischa Zverev mit 7:6 (7:3), 6:0 und 6:4. Kamke zog durch einen mit 6:7 (5:7), 6:3, 6:3 und 6:2-Sieg gegen den Belgier Olivier Rochus durch. Der 25-Jährige trifft nun auf den Reister-Bezwinger Viktor Troicki. Berrer siegte überraschend gegen den an Nummer 26 gesetzten Kanadier Milos Raonic mit 6:4, 4:6, 6:3, 6:4. Der Weltranglisten-95. benötigte 2:30 Stunden für den unerwarteten Sieg.
Derweil hat Melbourne-Gewinner Novak Djokovic seine Rekordjagd fortgesetzt und ist locker in die zweite Runde eingezogen. Der Weltranglistenzweite aus Serbien besiegte den Niederländer Thiemo de Bakker klar mit 6:2, 6:1, 6:3. Mit dem 38. Sieg in Serie in diesem Jahr kommt der 24-Jährige dem Startrekord von John McEnroe immer näher. Dem Amerikaner waren 1984 42 Siege in Serie gelungen.
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Zuvor hatte Haas die Fans warten lassen. Erst mit zwölfminütiger Verspätung betrat er den Außenplatz im Stade Roland Garros, wo er bislang in seiner Karriere noch nie über das Achtelfinale hinauskam. Seit der Erstrunden-Niederlage gegen den Russen Teimuras Gabaschwili am 23. Februar 2010 in Delray Beach hatte Haas kein offizielles Einzel mehr bestritten. Die fehlende Matchpraxis gegen den Weltranglisten-123. Ilhan war ihm deutlich anzumerken. Dennoch zeigte Haas viele gute Ansätze und kämpfte sich nach einem schnellen 1:5-Rückstand im ersten Satz zurück in die Partie.
Sein Comeback auf der Tour hatte der frühere Bollettieri-Schüler Ende April beim ATP-Turnier in München gefeiert, als er im Doppel in Runde eins ausschied. Auch der auf der Tribüne sitzende Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen lobte den Auftritt des Rückkehrers.
Nach dem Testlauf in Paris will Haas beim nächsten Turnier in Halle/Westfalen und dann auf dem heiligen Rasen von Wimbledon angreifen, wo er 2009 erst im Halbfinale an Roger Federer gescheitert war.
Und sogar das Thema Davis Cup hat Haas wohl noch nicht ganz abgehakt. Kühnen hält seinem früheren Leistungsträger, der bei seinen Team-Auftritten eine Bilanz von 22:8 Siegen aufweist, jedenfalls die Tür offen. "Tommy in sehr guter Form ist für unsere Mannschaft immer eine Option", sagte Kühnen.
Quelle: sid , dpa
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