10.07.2010, 17:12 Uhr | t-online, sid
Die Favoriten bei der 97.Tour de France haben erstmals die Muskeln spielen lassen. Doch der Mann bei der ersten Bergetappe der Frankreich-Rundfahrt war Sylvain Chavanel. Der Franzose triumphierte nach den 165,5 Kilometer von Tournus hinauf zur Station des Rousses als Solist und holte sich auf dem 7. Tagesabschnitt damit auch das Gelbe Trikot zurück. Schon durch seinen Erfolg auf der zweiten Etappe hatte er vorübergehend die Führung in der Gesamtwertung übernommen(die Gesamtwertung im Überblick).
Im Schlussanstieg hatte Chavanel entscheident attackiert und dabei auch seinen bis dahin führenden Teamkameraden und aktuellen Bergkönig Jérome Pineau (die Bergwertung im Überblick) stehen lassen. Dahinter fühlten sich die Favoriten um Alberto Contador und Lance Armstrong auf den Zahn, ohne aber Boden gutmachen zu können. Erst auf der 8. Etappe, der einzigen Bergankunft in den Alpen, werden die Favoriten, die geschlossen 1:47 Minuten nach Chavanel ankamen, in Morzine-Avoriaz die Karten auf den Tisch legen. Mit den Spitzenfahrern kam auch Linus Gerdemann als Tageszwölfter und bester Deutscher ins Ziel.
Nicht in Topform scheint Armstrongs Edelhelfer Andreas Klöden zu sein, der dem Tempo der anderen Spitzenfahrer nicht folgen konnte und 2:13 Minuten verlor (Die besten Bilder der 7. Etappe). Tony Martin war noch schlechter unterwegs und muss nach den 19:14 Minuten Rückstand, die er auf der 7. Etappe kassierte, seine Hoffnungen in der Gesamtwertung wohl begraben. "Ich hatte heute schlechte Beine. Das ging schon die ganze Woche so. Das müssen wir jetzt analysieren", sagte der enttäuschte Martin und fügte hinzu: "Jetzt konzentriere ich mich auf Etappensiege." Als sein Rückstand auf drei Minuten angewachsen war, "habe ich rausgenommen, da kam es dann auch nicht mehr auf die Zeit an", sagte er.
Kurz nach dem Zieleinlauf der 6. Etappe lieferten sich der Portugiese Rui Alberto Costa und der Spanier Carlos Barredo eine private Prügelei. zum Video
"Erst ging es mir nur um das Gelbe Trikot, dann habe ich gemerkt, dass auch der Etappensieg drin ist. Ich hatte Feuer in den Beinen", sagte Chavanel, nachdem er zum Doppelschlag ausgeholt hatte. In der Gesamtwertung führt er nun vor dem australischen Weltmeister Cadel Evans (1:25 Minuten Rückstand) und dem Kanadier Ryder Hesjedal (1:32). Der bisherige Spitzenreiter Fabian Cancellara verlor dagegen viel Zeit. "Die Hitze und der Stress haben mich fertiggemacht. Morgen fahre ich wieder in einem normalen Trikot, dann wird es ruhiger", sagte der Schweizer.
Bereits nach fünf Minuten hatte sich ein Quintett um den deutschen Meister Christian Knees und den Cottbusser Danilo Hondo bei brütender Hitze vom Feld gelöst. Schnell erarbeiteten sich die "Flüchtlinge" einen Vorsprung von acht Minuten. Dadurch war Knees phasenweise sogar virtuell ins Gelbe Trikot geschlüpft. Am letzten Berg wurden die Ausreißer aber nach und nach alle wieder eingeholt.
Knees' couragierte Fahrt an der Spitze des Feldes dürfte vor allem Milram-Teamchef Gerry van Gerwen erfreut haben. Bei der bislang ergebnislosen Suche nach einem neuen Sponsor ist der Niederländer über jeden Tag froh, an dem einer seiner Profis das Milram-Jersey werbewirksam durch Frankreich trägt. Am Vortag hatte van Gerwen eingeräumt, im Existenzkampf nur noch auf den aktuellen Geldgeber Nordmilch zu hoffen.
Hondo, dessen Dopingsperre im Januar 2008 abgelaufen war und der erst seit dieser Saison wieder für ein ProTour-Team fährt, bestätigte mit dem starken Auftritt im Juragebirge seine starke Form. Der 36-Jährige, dessen Traum vom Etappensieg 17 Kilometer vor dem Ziel platzte, hatte seinen Lampre-Kapitän Alessandro Petacchi als Sprint-Anfahrer schon zu zwei Etappensiegen eskortiert.
Fabian Wegmann freut sich, endlich in Paris zu sein und auf ausgiebiges Feiern nach drei Wochen Tour de France. zu Wegmanns Tour Blog
Am Sonntag müssen die Favoriten auf die Gesamtwertung bei der zweiten Bergetappe hinauf nach Morzine-Avoriaz (ab 12.15 Uhr im Live-Ticker) endgültig Farbe bekennen. Zwei Bergwertungen der 1. Kategorie werden Contador, Armstrong, Schleck und Co. alles abverlangen.
Quelle: t-online.de , sid
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