07.10.2009, 14:37 Uhr
Keine weiteren positiven Dopingproben bei der Tour 2008. (Foto: imago)Das befürchtete Doping-Nachbeben zur Tour de France 2008 ist ausgeblieben, aber die Zweifel an der Sauberkeit des französischen Nationalheiligtums bleiben. Zwar verkündete Pierre Bordry, Chef der nationalen Anti-Doping-Agentur AFLD: "Die 17 Nachkontrollen waren negativ."
Aber so richtig zufrieden war der Ober-Kontrolleur nicht. Zu sehr stört sich Bordry am UCI-Testprogramm bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt, bei der den Fahndern kein einziger Doping-Sünder ins Netz gegangen war.
Tour 2008 17 Profis im Visier
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"Das war nicht alles so, wie es sein sollte", kritisierte der AFLD-Chef mit Blick auf den Radsport- Weltverband UCI. Wichtige Regeln seien nicht eingehalten worden. Auch den Molekularbiologen Werner Franke überzeugte die Kunde aus Paris nicht. "Mit den unzulänglichen Testverfahren, die angewendet wurden, kann nichts herauskommen", monierte der Anti-Doping-Kämpfer.
Der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer nahm die Nachricht, dass keine weiteren Doping-Fälle für die Tour 2008 zu vermelden sind, keineswegs euphorisch auf. "Mich erstaunt das nicht", sagte Holczer. Zugleich deutete der Schwabe an, dem Frieden nicht so richtig zu trauen. Nachträgliche Doping-Fälle hätten "einen riesigen juristischen Rattenschwanz hinter sich hergezogen. Den scheut man", sagte Holczer, dessen frühere Profis Stefan Schumacher, der Doping bis heute bestreitet, und Bernhard Kohl in Nachtests zur Tour 2008 positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden waren.
Der im vergangenen Jahren positiv getestete Stefan Schumacher fordert unterdessen nach den negativen Kontrollen auch einen Freispruch für sich und begründet dies mit Verfahrensfehlern. Das Blutanalyseverfahren sei noch nicht zulässig gewesen und somit die Gefahr positiv-falscher Proben groß, hieß es in einer Pressemitteilung seines Anwalts Michael Lehner.
Selbst UCI-Präsident Pat McQuaid, der für gewöhnlich derartige Meldungen feiert und dem krisengeplagten Radsport dann attestiert, auf dem richtigen Weg zu sein, verspürte keinerlei Genugtuung. Im Gegenteil. Am Rande des IOC-Kongresses in Kopenhagen wetterte der Ire gegen seinen Gegenspieler Bordry und dessen Pariser PR-Aktion. "Ich bin nicht erleichtert über die Ergebnisse, denn das Verhalten der AFLD und von Herrn Bordry war absolut inakzeptabel", schimpfte McQuaid. Bordry hätte sich mit der UCI zusammensetzen müssen, "bevor er an die Öffentlichkeit geht und eine negative Stimmung auslöst".
Auch wenn Bordry nicht mit neuen Doping-Fällen zur Tour 2008 aufwartete, so war zumindest seine Mängelliste für die diesjährige Große Schleife lang. McQuaids Erzfeind bemängelte eine zu große Nähe der UCI-Kontrolleure zu den Fahrern, Zeitverzögerungen bei den Tests, einen schlechten Umgang mit den Proben und eine bevorzugte Behandlung des Astana-Teams um Gesamtsieger Alberto Contador und Superstar Lance Armstrong. Er verstehe nicht, warum die Tour-Verantwortlichen nicht das machen, wozu sie sich verpflichtet hätten, sagte Bordry, den die UCI künftig wohl nicht mehr ins Testprogramm bei der Tour einbeziehen wird. "So wie sie sich im Moment verhalten, werden wir mit ihnen nicht weiterarbeiten", sagte McQuaid.
Auch ohne weitere Positiv-Befunde geht die Frankreich-Rundfahrt 2008 als Skandal-Tour in die Radsport-Geschichte ein. Insgesamt wurden sieben Profis positiv getestet, sechs davon auf das Blutdopingmittel EPO oder das verfeinerte Präparat CERA. Nach der Doping-Beichte des Österreichers Kohl entschied sich die AFLD, die Proben einiger Fahrer von 2008 nachträglich zu testen. Von 17 Profis seien erneut Blut- und Urinproben untersucht worden, sagte Bordry, ohne Namen zu nennen. Für weitere Tests hätten die Mittel gefehlt. "Unser Ziel ist es nicht, etwas zu finden", sagte der Franzose, der auch der Tour 2009 kein sauberes Zeugnis ausstellen will. Denn die AFLD hält es für möglich, dass neue, noch nicht nachweisbare Mittel zum Einsatz gekommen sind.
Quelle: sid , dpa
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