22.06.2011, 16:12 Uhr
Die Bergankünfte sind das Salz in der Suppe einer jeden Tour de France. Meist pilgern die Fans schon am Tag zuvor an die Gipfel der Alpen- und Pyrenäen-Riesen, kampieren über Nacht und sorgen dann bei der Etappe zu Tausenden für Volksfeststimmung. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr zum 100. Jubiläum der Col de Galibier. Das Peloton muss den legendären Alpen-Anstieg (2645 Meter) gleich zwei Mal meistern. Richtig zur Sache geht es aber, wenn dort die 18. Etappe endet.
Die Bergankünfte konzentrieren sich diesmal aber nicht wie so oft auf ein Bergmassiv, sondern verteilen sich gleichmäßig auf den Kurs. t-online.de hat genau hingeschaut.
Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, geht es in den Pyrenäen erstmals hoch hinaus. Auf die Fahrer wartet Schwerstarbeit: Nach der Überquerung des La Houquette d'Ancizan, der erstmals im Tour-Programm steht, und des Tourmalets wird zum achten Mal in der Tour-Geschichte in Luz Ardiden der Sieger ermittelt. Wegen der Nähe zur Grenze ist der 1715 Meter hohe Anstieg ein Mekka der spanischen und baskischen Fans. Vor zehn Jahren sorgte hier Robert Laiseka mit seinem Etappensieg für Jubelorgien. Ob dieses Jahr wieder ein Euskaltel-Fahrer das Rennen macht?
Der Anstieg gehört vom Schwierigkeitsgrad nicht zu den Giganten der Tour. Und doch hat das Plateau de Beille etwas Besonderes: Wer hier siegte, stand am Ende auch in Paris ganz oben auf dem Treppchen. Ob Marco Pantani (1998), Lance Armstrong (2002, 2004) oder Alberto Contador, der 2007 die Tour gewann, nachdem der Däne Michael Rasmussen von seinem Team suspendiert worden war - Beispiele gibt es genug. Der letzte Tag in den Pyrenäen könnte schon zu einer ersten Selektion führen. Nach mehreren Bergen der ersten, zweiten und dritten Kategorie geht es bei durchschnittlich acht Prozent Steigung zum 1780 Meter hohem Plateau de Beille. Wie gesagt: Wer als erster oben ankommt, kann sich schon einmal als Toursieger fühlen.
Der Col du Galibier feiert 100-jähriges Jubiläum. Emile Georget war am 10. Juli 1911 der erster Fahrer, der den Gipfel des Alpen-Riesen erreichte. Seitdem wurde der Galibier bereits 57 Mal in der Tour-Geschichte überquert. Doch noch nie gab es eine Bergankunft wie in diesem Jahr auf der 18. Etappe. Nachdem die Profis mit dem Col d'Agnel (2744 Meter) das "Dach der Tour" und den Col d'Izoard (2360 Meter) erklommen haben, geht es hinauf zum Galibier. Was für ein knüppelharter Tag!
Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Profis kaum. Am Folgetag geht es auf einer kurzen, aber knackigen Etappe (109 km) wieder über den Galibier mit dem Showdown hinauf nach Alpe d'Huez. Hier wird wohl die Entscheidung fallen über Sieg und Niederlage, auch wenn noch ein langes Zeitfahren auf dem Plan steht. Der Sieger in der 1850 Meter hohen Skistation muss aber nicht gelichzeitig der Toursieger sein. Es wird viele Ausreißversuche geben, mit einem Triumph beim "Mythos Alpe d'Huez", wo die Fans weder Spalier stehen und die Fahrer die 21 Kehren hinauf schreien werden, macht sich ein Fahrer unsterblich. Vielleicht kann Kletterass Robert Gisink die Tradition legendärer holländischer Erfolge wieder aufleben lassen. Bis 1989 siegten in nur 13 Jahren acht Holländer.
Name | Etappe | Region | Länge | Steigung | Höhe |
La Hourquette d'Ancizan | 12 | Pyrenäen | 9,5 km | 7,5 % | 2115 m |
Col de Tourmalet | 12 | Pyrenäen | 17,1 km | 7,3 % | 2115 m |
Luz-Ardiden (Bergankunft) | 12 | Pyrenäen | 13,3 km | 7,4 % | 1715 m |
Col d'Aubisque | 13 | Pyrenäen | 16,4 km | 7,1 % | 1709 m |
Col de la Core | 14 | Pyrenäen | 14,1 km | 5,7 % | 1395 m |
Col d'Agnes | 14 | Pyrenäen | 10 km | 8,2 % | 1570 m |
Plateau de Beille (Bergankunft) | 14 | Pyrenäen | 15,8 km | 7,9 % | 1780 m |
Sestrieres | 17 | Alpen | 11,1 km | 6,3 % | 2035 m |
Col Agnel | 18 | Alpen | 23,7 km | 6,5 % | 2744 m |
Col d'Izoard | 18 | Alpen | 14,1 km | 7,3 % | 2360 m |
Col du Galibier (Bergankunft) | 18 | Alpen | 22,8 km | 4,9 % | 2645 m |
Col du Galibier | 19 | Alpen | 16,7 km | 6,9 % | 2556 m |
Alpe d'Huez | 19 | Alpen | 13,8 km | 8 % | 1850 m |
Quelle: t-online.de
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