04.06.2009, 14:55 Uhr
Darf bei der Tour starten: Andreas Klöden (Foto: imago)Grünes Licht für Andreas Klöden - kein schlechtes Gewissen bei Astana: Der durch die Freiburger Untersuchungs-Kommission belastete 33-jährige Radprofi erhält von seinem Team den Freifahrtschein für die am 4. Juli in Monaco startende Tour de France, obwohl er unter dringendem Doping-Verdacht steht. Auch sein Schweizer Lizenzgeber Swiss Cycling hält zurzeit nichts von einem Stoppschild für Klöden.
"Wir haben den Bericht der Kommission studiert, er erhält keine Beweise gegen Klöden, auf einer von 64 Seiten nur die Zeugenaussagen von Patrik Sinkewitz gegen Klöden. Er hat uns versichert, mit der Sache nichts zu tun zu haben. Von uns und auch vonseiten der Tour-Organisatoren spricht nichts gegen seinen Einsatz bei der Tour", sagte Astana-Teamsprecher Philippe Maertens.
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Die zuständigen Behörden scheinen auf Zeit zu spielen. Der für Klöden zuständige Radsport-Verband hat den Fall an die Anti-Doping-Agentur des Landes, Antidoping Schweiz, weitergeleitet. "Sie haben die Unterlagen und prüfen den Fall. Sollte ein Doping-Vergehen vorliegen, werden wir mit ihnen über die weitere Vorgehensweise beraten. Einen Zeitpunkt für das Ende der Prüfung kann ich nicht nennen", erklärte eine Sprecherin von Swiss Cycling. Auch der Weltverband UCI nahm eine abwartende Haltung ein und verwies auf eine fällige Reaktion aus der Schweiz.
In dem Freiburger Bericht wird Klöden beschuldigt, nach dem Tour-Prolog in Straßburg in der Uni-Klinik Freiburg unter der Regie des ehemaligen T-Mobile-Teamarztes Andreas Schmid Blut-Doping vorgenommen zu haben. "In seinem Arbeitszimmer im Universitätsklinikum hat Professor Schmidt am Sonntag, 2. Juli 2006, den drei Radrennfahrern Patrik Sinkewitz, Matthias Kessler und Andreas Klöden jeweils ihr Eigenblut reinfundiert", heißt es in dem Abschluss-Bericht, der die Vorkommnisse in der Sportmedizinischen Abteilung der Uni-Klinik Freiburg zu Zeiten der Rad-Teams Telekom und T-Mobile untersuchte. Sinkewitz trat als Kronzeuge auf und sagte vor der Kommission und der Staatsanwaltschaft Freiburg aus.
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Die von Klöden eingeschalteten Rechtsanwälte sprachen auf der Homepage des Wahlschweizers von "vagen Behauptungen" und nannten das dreiköpfige Kommissions-Gremium bestehend aus dem Juristen Hans Joachim Schäfer, dem Pharmakologen Ulrich Schwabe und dem Biochemiker Wilhelm Schänzer "selbst ernannte Experten". Auf seiner Internetseite ist Klöden inzwischen im Hier und Jetzt angekommen und teilt lapidar seine Teilnahme an der Luxemburg-Rundfahrt mit, die er nach sechswöchiger Wettkampf-Pause mit Rang sechs im Prolog begann.
"Danach fährt er als letzte Tour-Vorbereitung die Tour de Suisse", sagte Maertens. In der teaminternen Vorselektion für die Frankreich-Rundfahrt ist Klödens Name unter 15 Astana-Kandidaten "selbstverständlich" (Maertens) verzeichnet. Bei dem mit kasachischem Geld gesponserten Team, dem nach anfänglichen Zahlungs-Schwierigkeiten zum Jahresbeginn jetzt zwei Drittel der Bezüge für die Monate April, Mai und Juni vorliegen, sieht man in Sachen des zweifachen Zweiten der Tour de France jedenfalls keinen Handlungsbedarf.
"Wenn er schuldig wäre, wäre sein Einsatz bei der Tour schlecht für den Radsport. Wenn er unschuldig ist, ist eine Sperre nicht zu rechtfertigen. Der Kommissions-Bericht scheint mehr als er ist. Das ist eine von Journalisten gemachte Geschichte, die in einer Art Hexenjagd mündet", erklärte Maertens weiter. Die Tour-Organisatoren, die sich beispielsweise klar gegen einen Tour-Einsatz des mehrfach des Kokain-Gebrauchs überführten Tom Boonen aussprachen und deswegen sogar einen Prozess riskieren, hätten laut Maertens in Sachen Klöden nicht interveniert. "Warum sollten sie auch? Es liegen ja keine Beweise vor", sagte der Belgier.
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Nach den Worten von Team-Manager Johan Bruyneel will das Astana-Team mit den Kapitänen Alberto Contador (Spanien) und Levi Leipheimer (USA) in die Tour gehen. Lance Armstrong, der nach seiner Giro-Premiere (12.) eine Woche vor Tour-Start aus dem Training aus den USA nach Europa zurückkehren will, soll angeblich nur als Edelhelfer zur Verfügung stehen, wie Klöden wahrscheinlich auch.
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Quelle: dpa
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