20.07.2011, 13:51 Uhr
Cadel Evans kämpft gegen die Dämonen der Tour de France. Vor den entscheidenden Alpen-Etappen hinauf zum mysthischen Galibier und dem Spektakel in Alpe d'Huez ist der Australier plötzlich der große Favorit auf den Gesamtsieg. Evans zeigte bisher keine Schwäche, war in jeder Situation Herr der Lage. Und als einer der besten Zeitfahrer muss er nicht einmal selbst attackieren. Er kann sich ganz auf den Kampf gegen die Uhr am vorletzten Tag in Grenoble verlassen.
Dabei stand Evans mit der Tour bisher auf Kriegsfuß. Zweimal blieb ihm nur der zweite Platz, dem 34-Jährigen fehlte jeweils weniger als eine Minute auf den Toursieg. Als ewiger Zweiter musste sich Evans fortan bezeichnen lassen.
Im vergangenen Jahr fuhr Evans auf der ersten schweren Alpenetappe ins Gelbe Trikot, doch die Freude währte nur kurz. Geschwächt durch einen Ellbogenbruch verlor Evans auf der folgenden Etappe mehrere Minuten und somit die Tour. Kurz hinter der Ziellinie brach Evans weinend zusammen und erzählte vom bis dahin geheim gehaltenen Bruch. "Ich weiß nicht, wie oft ich Zweiter und Dritter war. Diesen Frust brauche ich nicht mehr", sagte Evans. Vor der diesjährigen Tour hatte der in der Schweiz wohnende Ex-Weltmeister nur einen Wunsch: "Bitte diesmal kein Pech."
Denn der frühere Mountainbiker hatte bisher stets den Hang zum Unglücksraben. In seiner Zeit beim Team Telekom brachte Evans es fertig, sich zweimal in einem Jahr bei einem zumindest unglücklich aussehendem Sturz das Schlüsselbein zu brechen. Teamchef Walter Godefroot strich Evans deshalb 2004 aus dem Aufgebot für die Tour, weil er nach Meinung des Belgiers ein Sicherheitsrisiko darstellte. Evans musste stattdessen die Sachsen-Tour bestreiten.
Mit dem Wechsel zum belgischen Lotto-Team folgte schließlich der langsame Aufstieg. Evans beendete die Tour zweimal in den Top Ten und wurde schließlich der erste Australier, der auf das Podium der Frankreich-Rundfahrt fuhr. Der Knoten platzte jedoch erst so richtig, als der Wechsel zu BMC in trockenen Tüchern war.
Evans wurde in Mendrisio Weltmeister und verkündete kurz darauf den Wechsel zum Rennstall des Millionärs Andy Rihs. Mit seinem entfesselten Sturm ins Regenbogentrikot brachte Evans zudem alle Kritiker zum Schweigen, die ihm stets vorgeworfen hatten, er fahre zu zögerlich und hätte keinen Punch bei seinen Attacken.
Im vergangenen Jahr fuhr Evans vor der Tour noch den Giro, was wohl neben der Verletzung eine gute Platzierung im Gesamtklassement verhinderte. In diesem Jahr hat er sich voll auf die Große Schleife konzentriert. «Ich fühle mich viel frischer als in den vergangenen Jahren. Ich habe mich noch nie so gut auf die Tour vorbereitet», sagte Evans vor dem Grand Depart in der Vendee.
Beim Criterium du Dauphine war er bereits auf Platz zwei gefahren, auf der vierten Etappe sicherte sich Evans dann auf der Mur de Bretagne seinen ersten richtigen Etappensieg. In der Historie der Tour wird Evans zwar auch als Sieger der 13. Etappe im Jahr 2007 geführt. Doch den Sieg im Zeitfahren von Albi erhielt er erst am Grünen Tisch zugesprochen. Der eigentliche Etappensieger Alexander Winokurow wurde ein paar Tage später des Fremdblutdopings überführt.
Quelle: dapd , t-online.de
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