11.07.2010, 17:07 Uhr | dpa, t-online.de
Mit zerfetztem Trikot und tiefen Furchen im Gesicht stellte der völlig frustrierte Lance Armstrong sein Rad in die Ecke. Nachdem der gedemütigte Rekordsieger den Kampf gegen das Alter verloren und seinen Traum vom achten Tour-Sieg endgültig begraben hatte, gestand der bald 39-Jährige seine beispiellose Niederlage ein. "Meine Tour ist beendet, aber ich bleibe natürlich. Das war heute ein sehr, sehr schwarzer Tag", sagte Armstrong nach seinem fulminanten Einbruch in den Alpen. Schier unglaubliche 11:45 Minuten büßte der ehemalige Tour-Dominator auf der achten Etappe über 189 Kilometer (die 8. Etappe im Video | die Bilder des Tages) auf Tagessieger Andy Schleck ein.
"Wenn ich ehrlich bin, tut er mir sogar etwas leid, weil es seine letzte Tour war", sagte Schleck über den geschlagenen Armstrong. Dessen Intimfeind Alberto Contador stellte in 1796 Metern Höhe hingegen die Weichen Richtung Titelverteidigung. Zwar musste der 27-Jährige eine Prestige-Niederlage gegen seinen schärfsten Herausforderer Schleck einstecken, der ihm zehn Sekunden abnahm. Aber besonders die bevorstehenden Härteprüfungen in den Pyrenäen und das Zeitfahren in Bordeaux stimmen den Madrilenen optimistisch.
Der Vorjahreszweite Schleck aus Luxemburg verspricht aber ein superschwerer Rivale zu werden. "Ich gehe jetzt Schritt für Schritt vorwärts. Wichtig ist, dass ich das Gelbe Trikot in Paris habe", sagte Andy Schleck.
Während der Teamkollege von Jens Voigt entspannt dem Ruhetag entgegenblicken konnte, war der deutsche Hoffnungsträger Tony Martin fast aller Illusionen beraubt. 24 Stunden nachdem der Eschborner bereits auf dem Weg zur Skistation des Rousses völlig eingebrochen war, fuhr der 25-Jährige auch auf der zweiten Alpenetappe meilenweit hinterher. "Ich hatte schon seit ein paar Tagen schlechte Beine. Ich konzentriere mich jetzt auf Etappensiege", sagte Martin, bevor er ein erneutes Frusterlebnis zu verdauen hatte und weitere 24:11 Minuten verlor.
Kurz nach dem Zieleinlauf der 6. Etappe lieferten sich der Portugiese Rui Alberto Costa und der Spanier Carlos Barredo eine private Prügelei. zum Video
Wie US-Altmeister Armstrong, dem die Doping-Vorwürfe seines Ex-Teamkollegen Floyd Landis doch zuzusetzen scheinen, strampelte Martin noch ums sportliche Überleben, als die Topfahrer bereits um den Etappenerfolg kämpften. Dabei gewann Andy Schleck dank eines Schlussspurts vor dem Spanier Samuel Sanchez. Das Gelbe Trikot wechselte von Vortages-Solosieger Sylvain Chavanel zum australischen Weltmeister Cadel Evans (die Gesamtwertung im Überblick).
Armstrong wird das "Maillot Jaune", das er in seiner Karriere schon an 57 Tagen getragen hatte, nie mehr überziehen. Der ohnehin kühne Traum vom achten Coup ging bereits nach der ersten Kletter-Tortur zu Ende. Unfreiwillig behielt der US-Amerikaner Recht, der in den Alpen "eine neue Wendung" im Klassement prognostiziert hatte. In der Gesamtwertung führt Evans nun vor Andy Schleck (20 Sekunden Rückstand) und Contador (1,01 Minuten zurück).
Fabian Wegmann freut sich, endlich in Paris zu sein und auf ausgiebiges Feiern nach drei Wochen Tour de France. zu Wegmanns Tour Blog
Die Entscheidung um den Tagessieg bei der einzigen Bergankunft in den Alpen brachte der 13,6 Kilometer lange Schlussanstieg hinauf zur Skistation Morzine-Avoriaz. Beim Ausscheidungsrennen der Spitzenleute, bei dem Contadors Astana-Team gnadenlos die Tempoarbeit verschärfte, jubelte am Ende Schleck. Dass der 25 Jahre alte Saxo-Bank-Profi seinem Astana-Kapitän Contador das Wasser reichen kann, glaubt Alexander Winokurow aber nicht. "Die Niederlage gegen Schleck war heute nicht dramatisch", sagte der Kasache.
Für Armstrong brachte die achte Etappe einen rabenschwarzen Tag. Schon unterwegs hatte der RadioShack-Kapitän, dessen Edelhelfer Andreas Klöden mit Contador mitgehen durfte, vier Jahre nach Landis' durch Doping erschwindelter Triumphfahrt nach Morzine-Avoriaz zwei Schrecksekunden zu überstehen.
Erst musste er nach sechs Kilometern einen Abstecher ins Gras machen, um einem Massensturz auszuweichen. Dann erwischte es ihn 50 Kilometer vor dem Ziel, als der Texaner auf den Asphalt aufschlug und sich sein Trikot am Rücken aufriss. "Ich fühlte mich am Anfang stark, aber nach dem Sturz wurde ich müde, und der vorletzte Anstieg auf den Col de La Ramaz hat mir den Rest gegeben", sagte Armstrong (Lance Armstrongs Karriere in Bildern).
Die Sprintlegende bricht im Sportkolleg die Bestmarke der Wasserträger. zum Video
Pech hatte zunächst auch Weltmeister Evans. Statt wie angekündigt Contador und Co. zu attackieren, stürzte der Australier ebenfalls bei Kilometer sechs und verletzte sich an Hand und Schulter. Evans biss aber auf die Zähne und belohnte sich im Wintersportort mit dem Gelben Trikot für seine Courage.
Nach zwei Kletterpartien in den Alpen bekommen die Fahrer ihren ersten von zwei Ruhetagen. Die Tour wird am 13. Juli mit einer weiteren Bergetappe über 204,5 Kilometer von Morzine nach St. Jean de Maurienne fortgesetzt (ab 11.15 Uhr im Live-Ticker von t-online.de). 32 Kilometer vor dem Ziel muss der Col de la Madeleine, ein Berg der höchsten Kategorie, überquert werden.
Quelle: dpa , t-online.de
Edwin schrieb:
am 12. Juli 2010 um 20:16:57
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Mir kommen die Tränen
Armstrong hätte ein Rudel Huskies aus Kanada mitbringen sollen, die ihn ziehen.
Er ist einfach eine Lachnummer. Nur noch peinlich!
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husky185 schrieb:
am 12. Juli 2010 um 12:58:20
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"Arnstrong"
ohne doping sind dei leistungen eben im keller!
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schnuffel schrieb:
am 12. Juli 2010 um 11:53:30
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Armstrong
Armstrong und seine Spritzkameraden haben doch den Radsport kaputtgemacht !!! Er ist nicht der König der Tour, ist er nie gewesen.
Er war halt nur der Cleverste, wenn`s um unerlaubte Mittelchen ging. Die ganze TdF ist doch eine einzige Farce.Überführte und vermutete Doper fahren munter im Feld mit, als ob ihnen der Betrug an Fans und Zuschauer völlig egal ist. Sport ad absurdum.
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