21.07.2011, 13:53 Uhr
Eigentlich ist Christian Paasche ein sehr seriöser Mensch. Auf Fotos lächelt er nie mehr als unbedingt nötig, und auch die schon leicht ergrauten Locken sitzen immer akkurat. Doch in Pinerolo, einer italienischen Kleinstadt, gab es für Paasche kein Halten mehr. "Füllt Edvalds Gene in Gläsern ab. Das wird Norwegens bestes Exportgut", brüllte Paasche in sein Mikrofon. Auf seinem ohnehin altersschwachen Klappstuhl saß er da schon längst nicht mehr.
Als Edvald Boasson Hagen dann zum zweiten Mal bei der 98. Tour de France als Etappensieger über die Ziellinie rollte, fiel Paasche seinem Kollegen Johan Kaggestad glückselig um den Hals. Die beiden sind alte Hasen im Geschäft, sie kommentieren die Tour seit Jahren für den norwegischen Fernsehsender "TV 2".
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Doch was Paasche und Kaggestad in den vergangenen zweieinhalb Wochen erlebt haben, können sie selbst gar nicht glauben. Zwei Siege durch Boasson Hagen, zwei durch Weltmeister Thor Hushovd, dazu fuhr Hushovd sieben Tage im Gelben Trikot. Kaggestad, immerhin schon 67 Jahre alt, scherzte sogar, er würde vor lauter Aufregung Herzprobleme bekommen, wenn das so weitergehe.
Paasche und Kaggestadt stehen stellvertretend für das riesige Land im Norden, dass eigentlich eher für seine Langläufer und Skispringer bekannt ist. Zu den knapp fünf Millionen Norwegern könnte sich demnächst noch ein weiterer gesellen. "Ich will Norweger werden. Ich muss mich um eine Staatsbürgerschaft kümmern", sagt der Däne Dennis Ritter mit einem breiten Grinsen. Ritter arbeitet eigentlich für das dänische Fernsehen und saß in der Kabine nebenan, als Paasche loslegte: "Ich bin fast vom Stuhl gefallen!"
Tausende Kilometer weiter nördlich saß Signe Boasson in einem kleinen Dorf bei Lillehammer noch fest auf ihrem Stuhl. Die Mutter von Edvald war eigens eine halbe Stunde früher von der Arbeit nach Hause gekommen, um sich wie weitere 450.000 Norweger die Tour-Etappe anzusehen. "Manchmal frage ich mich, ob das wirklich mein Junge ist", sagt Signe Boasson stolz.
Beim ersten Etappensieg ihres Filius in Lisieux war sie noch selbst vor Ort. Am Mittwoch gönnte sie sich mit Ehemann Odd-Erik auf der Veranda ein Glas Champagner. Was sie von Paasches Idee mit den Genen hält? Signe Boasson lacht laut und sagt schließlich: "Dafür würde es sicherlich einen guten Preis geben."
Selbst die Skistars des Landes drücken Hagen und Hushovd bei der Tour die Daumen. "Edvald, du bist der König", sagt Super-G-Olympiasieger Aksel Lund Svindal. Kanu-Olympiasieger Eirik Larsen Veras meinte via Twitter: "Das ist einfach eine verrückte Tour de France."
Quelle: dapd , t-online.de
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