23.07.2010, 14:33 Uhr | t-online.de
Von Oliver Strerath
Noch sind es nur acht Sekunden. Ein, zwei, drei Augenblicke. Mehr liegt Andy Schleck nach den bisher 3487,5 Kilometern der 97. Tour de France hinter dem Gesamtführenden Alberto Contador. Der Sieg für den Luxemburger ist also weiter drin (die Gesamtwertung im Überblick). Wenn da nicht die 19. Etappe (ab 10.15 Uhr im Live-Ticker bei t-online.de) am Samstag über 52 Kilometer von Bordeaux nach Pauillac wäre. Ein Zeitfahren. Und genau das ist der Knackpunkt.
Waren die beiden verbliebenen Aspiranten auf den Tour-Sieg in den Anstiegen gleichwertige Gegner, ist dies im Kampf gegen die Uhr anders. Zwar haben sich sowohl Contador als auch Schleck im „contre la montre“ verbessert. Doch beim Leistungssprung, den der Spanier hingelegt hat, kann der Luxemburger nicht mithalten.
Mindestens eine Minute, so hatten Fachleute erklärt, müsse Schleck auf dem Weg hinauf zur Bergankunft der 17. Etappe am Col du Tourmalet (die besten Bilder der Etappe) gutmachen. Nur so hätte er tatsächlich eine realistische Chance, auch nach dem Zeitfahren das Gelbe Trikot zu tragen. Der 25-Jährige aber vermochte den Spanier bei dem Bergsprint nicht abzuschütteln.
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15 Mal. In Worten: Fünfzehn Mal hatte der Luxemburger bei der Kletterpartie das Tempo erhöht. Stets mit demselben Ergebnis. Contador klebte an seinem Hinterrad und kam zeitgleich ins Ziel. Das genügte ihm. Er überließ Schleck sogar den Etappensieg – „der war mir nicht wichtig.“ Wichtig ist ihm sein dritter Tour-Sieg. Und den hat er zum Greifen nahe. Schließlich weiß der Titelverteidiger um seine Vorteile im Zeitfahren. Gerade bei einer großen Rundfahrt, bei der alle Faktoren des bisherigen Verlaufes in diese Energieleistung einfließen.
Selten gab es den direkten Vergleich der beiden Favoriten im Kampf gegen die Uhr bisher bei der Tour. Aber wenn, hieß stets Contador der Sieger. Frankreich-Rundfahrt 2009: Contador liegt beim 15,5 km langen Prolog 42 Sekunden vor Schleck, bei seinem Etappensieg im Zeitfahren der 18. Etappe über 40,5 km sind es 1:45 Minuten. Frankreich-Rundfahrt 2010: Wieder nimmt der Spanier dem Rivalen beim Prolog 42 Sekunden ab – diesmal auf nur 8,9 Kilometern.
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Im Schnitt macht Contador auf den Luxemburger zwischen drei bis fünf Sekunden pro Kilometer gut. Nimmt man vier Sekunden als Mittelwert, wären es am Samstag nach den 52 Kilometern dann 208 Sekunden. Oder 3:28 Minuten. Keiner würde mehr von einer knappen Entscheidung sprechen. Aber erst einmal muss Contador durchkommen.
Wie auch Schleck, der noch bisschen schauen muss, dass er seinen zweiten Platz verteidigt – den er nach dieser couragierten Tour allemal verdient hat. Aber Samuel Sanchez (3:24 Minuten hinter dem Luxemburger) und Denis Mentschov (3:45) liegen auf der Lauer. Und sind die besseren Zeitfahrer. Doch der 25-Jährige blickt nicht zurück. Sondern vielmehr nach vorn.
„Ich bin mir sicher, ich werde ein gutes Zeitfahren abliefern“, erklärte der Luxemburger und ergänzte: „Ich werde kämpfen, bis ich in Paris bin. Ich habe das Gelbe Trikot weiter vor Augen.“ Gewiss. Aber tragen wird Schleck es bei dieser Saison wohl nicht mehr.
Quelle: t-online.de
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