24.07.2008, 11:23 Uhr
Das Kartellamt macht der DFL in Sachen Vermarktung einen Strich durch die Rechnung. (Foto: imago)Das Bundeskartellamt besteht auf einer Zusammenfassung der Samstags-Spiele der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen bis 20 Uhr. Damit lehnen die Wettbewerbshüter das von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgeschlagene Vermarktungsmodell ab.#
TV-VermarktungPrivatsender kontra Öffentlich-Rechtliche
TV-Vermarktung "Das Kartellamt gefährdet die Zukunft der Liga"
"Die Zentralvermarktung ist grundsätzlich zulässig, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Verbraucher auch künftig an ihren Vorteilen beteiligt werden. Die von DFL und Sirius bislang vorgeschlagenen Ausschreibungsmodalitäten genügen den Anforderungen nicht. Sie ermöglichen vielmehr erhebliche Monopolgewinne auf Kosten der Verbraucher", sagte Bernhard Heitzer, Präsident des Bundeskartellamtes. Heitzer betonte, dass man sich nicht "schützend vor die Interessen der ARD" gestellt habe, sondern vielmehr den Verbrauchern auch weiterhin die Wahlmöglichkeiten erhalten wollte.
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Diese Entscheidung trifft die DFL empfindlich. Sie wollte die frühe Zusammenfassung im Free-TV - die in der ARD-"Sportschau" stattfindet - unbedingt verhindern, da sie massive finanzielle Einbußen befürchtet. Dem Milliarden-Geschäft mit der Kirch-Tochter Sirius, die für die nach 2009 folgenden sechs Spielzeiten insgesamt drei Milliarden Euro garantiert, sieht die DFL außerdem die Grundlage entzogen.
Sollte die DFL ihr Rechtepaket ohne eine Free-TV-Zusammenfassung am Hauptspieltag bis 20 Uhr ausschreiben, könnte es drastische Sanktionen bis hin zur Unterlassungsverfügung geben. Ein entsprechendes Vermarktungsmodell "würde förmlich untersagt, wenn die DFL daran festhalten sollte", heißt es von Seiten des Kartellamtes.
Mit heftiger Kritik haben Vertreter von Klubs und DFL reagiert. "Das ist ein Schlag ins Kontor für den deutschen Profifußball. Ich weiß nicht, ob die Herren wissen, wie der Fußball tickt und welche negativen Folgen das haben wird", sagte beispielsweise Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Liga-Präsident Reinhard Rauball befürchtet ebenfalls gravierende negative Auswirkungen: "Diese Position ist unverständlich und könnte den deutschen Profi-Fußball um Jahre zurückwerfen", sagte er.
Auch beim Deutschen Fußball-Bund sorgte der Beschluss für Unverständnis. "Durch die Entscheidung des Kartellamtes werden die Vermarktungschancen der Liga für einen angemessenen Preis beeinträchtigt. Dies wird zwangsläufig Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung und viele gemeinnützige Aufgabenstellungen haben. Ob wir auf einer solchen Grundlage ähnliche Erfolge wie den Einzug unserer U-19-Mannschaft ins Endspiel der Europameisterschaft halten können, scheint mir sehr zweifelhaft", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Zufrieden äußerte sich dagegen WDR-Intendantin Monika Piel: "Das ist ein guter Tag, das ist ein Glückstag für alle Fußballfans."
Quelle: sid , dpa
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