30.06.2009, 11:46 Uhr
Horst Hrubesch mit der EM-Goldmedaille (Foto: dpa)Es ist eine kleine Sensation: Deutschland hält als erste Fußballnation gleichzeitig die EM-Titel in den Altersklassen U17, U19 und U21. Der Macher des Erfolgs ist Trainer Horst Hrubesch. Die Spieler loben ihn als Motivator, Chef und Freund - vor allem ist er aber ein Besessener. Die nächste Aufgabe wartet schon.
Wie kostbaren Feenstaub hatte Manuel Neuer die goldenen Schnipsel aufgesammelt, die das Gebläse in den Nachthimmel von Malmö gepustet hatte. Die deutsche U-21-Nationalmannschaft war gerade durch einen beeindruckenden 4:0-Sieg gegen England Europameister geworden, da überkam den Torhüter das Bedürfnis, einen Mann im Stadion mit einer eine besonderen Geste zu würdigen. Beide Hände voller Goldpapier rannte Neuer in seiner etwas ungestümen Art auf Horst Hrubesch zu und warf die Schnipsel in die Luft, die glitzernd um den Trainer herumwirbelten. Die jubelnde Mannschaft, der Pokal und der von Goldschimmer umnebelte Trainer - es war das Bild des Abends.
Die Spieler feierten sich als Helden, Deutschland hat erstmals den Titel einer U21-EM gewonnen, und Hrubesch umgab in dieser Nacht etwas Magisches. "Dieser Trainer war wie ein Freund, er hat uns angeschnauzt und sofort wieder aus dem Dreck gezogen, so habe ich das noch nie erlebt", sagte Neuer später voller Anerkennung. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist der erste Verband, der gleichzeitig Europameister in den Altersklassen U17, U19 und U21 ist. Und der Schöpfer dieser Sensation ist Hrubesch.
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Später beim Bankett im Edelrestaurant Hipp in der Innenstadt von Malmö würdigte auch DFB-Präsident Theo Zwanziger das Wirken des Trainers, der bereits im vorigen Herbst mit der U 19 Europameister geworden ist. Zwanziger sprach davon, welch "großartiger Sportler" Hrubesch gewesen sei, und zu welch einem "tollen Trainer" er sich entwickelt habe, doch die präsidialen Worte gingen unter im Gegröle der Mannschaft. "Hotte, Hotte, Hotte", skandierten die jungen Fußballer den Spitznamen ihres Chefs, und der ebenfalls anwesende Bundestrainer Joachim Löw erklärte respektvoll: "Horst Hrubesch schafft es, der Mannschaft die Siegermentalität einzuhauchen."
Irgendein Erfolgsgeheimnis besitzt dieser Trainer, der im Jahr 2000 als Assistent des grandios gescheiterten Bundestrainers Erich Ribbeck eine Partie "Paroli laufen lassen" wollte und dessen eigenes Spiel immer als ziemlich eindimensional galt ("Manni Banane, ich Kopf, Tor"). Er beherrscht die Kunst, über mehrere Wochen eine überaus konstruktive Arbeitsatmosphäre zu erzeugen, Hrubesch arbeitet weniger fachlich als zwischenmenschlich. Fußballerisch hat der 58-Jährige bei dieser Europameisterschaft längst nicht alles richtig gemacht, was an den mageren Vorrundenleistungen gegen Finnland und England erkennbar wurde. Erst im letzten Spiel erlöste er den zum Stürmer umfunktionierten Mittelfeldspieler Mesut Özil und ließ ihn auf der gewohnten Position auf der linken Außenbahn spielen.
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Prompt glänzte der Bremer mit Ideenreichtum und spielerischer Klasse, bereitete mit einem wunderbaren Pass das 1:0 durch Gonzalo Castro vor (23.) und erzielte das 2:0 per Freistoß (48.). "Wenn der Mesut sein Potential ausschöpft, dann ist er einfach genial", sagte Bundestrainer Löw. "Er ist effizient und zwar in all seinen Aktionen." Auch den im Finale großartigen Mats Hummels entdeckte Hrubesch erst im letzten Turnierspiel für seine Startelf, und Sandro Wagner erzielte gleich in seiner ersten EM-Partie in der Startelf das 3:0 und das 4:0 (79., 84.).
Andreas Beck sprach danach von einer "überragenden Taktik", die Engländer hatten ihre ersten Chancen als Deutschland bereits mit 2:0 führte, und der gefeierte Trainer schlüpfte nach dem Abpfiff schnell in die Rolle des Bescheidenen. "Letztlich müssen die Spieler gewinnen, sie haben den Titel geholt, sie haben sich hier voll mit der Sache identifiziert", sagte Hrubesch, der Unkonventionelle, auf dem Bankett. Alle anderen hatten sich schick gemacht für den Festakt, dem die komplette DFB-Spitze beiwohnte, Hrubesch hingegen war in Jeans und Turnschuhen gekommen.
Er gehört eben eher auf die Seite der Spieler, als in den Kreis der Schlipsträger, und die Fußballer empfinden das auch so. "Er muss irgendetwas richtig machen", sagte Hummels, bevor die Mannschaft gegen zwei Uhr in den Nachtclub "Étage" aufbrach. Die Herren im Edelzwirn vergnügten sich derweil mit den süßen Phantasien, die die jüngsten Erfolge der DFB-Junioren beflügeln. EM-Titel in allen Altersklassen des Nachwuchsfußballs gewonnen zu haben, verspricht eine großartige Zukunft. "Wir haben Blut geleckt und wollen jetzt mehr", sagte Beck, Hrubesch hinterlässt eine Generation von Fußballern, die wieder große Turniere gewinnen kann. "Der Jogi geht guten Zeiten entgegen", prophezeite der Trainer, sein Job ist erledigt, doch der nächste wartet schon. Im Oktober kann Hrubesch bei der U20-WM in Ägypten seinen dritten Titel innerhalb eines Jahres gewinnen.
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