09.09.2011, 12:55 Uhr
Kann ihren Triumph noch nicht fassen: Angelique Kerber. (Quelle: Reuters)
"Ist das jetzt alles wahr, oder träume ich?" Angelique Kerber lag noch lange wach in der Nacht nach dem größten Erfolg ihrer Tennis-Karriere. Der Einzug ins Halbfinale der US Open bedeutet für die 23-Jährige der Vorstoß in eine neue Dimension. Und einen Vergleich mit Deutschlands größter Tennisspielerin: mit Steffi Graf. Denn die Gräfin schaffte als letzte Deutsche 1996 den Einzug in die Vorschlussrunde - und gewann am Ende das Turnier.
Davon will das in Bremen geborene Nordlicht allerdings noch nicht wissen. Schließlich wollte sie doch eigentlich nicht mehr, als die erste, vielleicht auch noch die zweite Runde zu überstehen. "Es ist unglaublich, ich kann das alles gar nicht fassen", stammelte Kerber nach dem 6:4, 4:6, 6:3-Sieg gegen Flavia Pennetta aus Italien.
Blättert man in der Vita der Linkshänderin, versteht man die Ungläubigkeit, mit der Kerber ihren eigenen Erfolg wahrnimmt. Bei Grand-Slam-Turnieren hatte sie zuvor maximal die dritte Runde erreicht, stand bislang auf der WTA-Tour nur ein Mal in einem Finale (Bogota 2010) und auch nur zwei Mal in Halbfinals (Dallas 2011, Luxemburg 2010). Das Preisgeld in Höhe von 450.000 US-Dollar, das sie allein für ihren Halbfinal-Einzug in New York kassiert, entspricht dem Dreifachen dessen, was sie bislang in 2011 kassiert hat (knapp 150.000 Dollar).
Der Lohn für die harte Arbeit, die Kerber in der Schüttler-Waske-Akademie in Offenbach geleistet hat, ist zudem ein Quantensprung in der Tennis-Weltrangliste. Ihr Erfolg in Flushing Meadows wird die bislang 92. der Welt unter die Top 40 spülen und damit die beste Platzierung ihrer Karriere bedeuten. Die ehemals zaudernde und mittlerweile selbstbewusste Kerber etabliert sich damit als vierte deutsche Tennis-Dame neben Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Julia Görges.
"Für mich ist das gute Abschneiden keine Überraschung", adelte hinterher Boris Becker das gesamte Auftreten der deutschen Damen. Becker, der 1989 als einziger Deutscher bei den US Open triumphierte, verfolgt die US Open hautnah, kommentiert aus dem Big Apple für das englische Fernsehen. "Wir haben in Deutschland wieder Weltklassespielerinnen, da ist es klar, dass eine so weit kommen kann."
Im Halbfinale wartet mit Sam Stosur allerdings ein ganz dicker Brocken. Die an neun gesetzte Australierin spielt überragend und fertigte zuletzt Vorjahresfinalistin Wera Zwonarewa mit 6:3, 6:3 ab. Für Kerber allerdings kein Grund, angst und bange zu werden. "Ich hoffe, es wird eine Nightsession wie vor vier Jahren", sagte Kerber in Vorfreude auf das riesige Arthur-Ashe-Stadion. 2007 spielte sie auf dem Center Court die erste Runde gegen Serena Williams - und zog sich sehr achtbar aus der Affäre. Damit wird sie sich dieses Mal aber wohl nicht zufrieden geben.
Quelle: t-online.de
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