08.03.2010, 15:21 Uhr | dpa
Mögliche Spielmanipulation in der 2. Bundesliga. (Foto: imago)
Dreieinhalb Monate nach Bekanntwerden des neuen Wettskandals ist eine weitere Zweitliga-Partie unter Manipulationsverdacht geraten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) informierte die zuständige Staatsanwaltschaft Bochum darüber, dass es bei der Begegnung Anfang Februar zwischen 1860 München und Rot Weiss Ahlen einen Hinweis auf eine "möglicherweise beabsichtigte Spielmanipulation" gebe.
Zwar seien im Vorfeld der Partie vom 8. Februar keine signifikanten Auffälligkeiten auf dem internationalen Wettmarkt ausgemacht worden. In der Nachbereitung habe es dann aber einen Hinweis gegeben, über den der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) vergangene Woche informiert wurden.
Die Staatsanwaltschaft Bochum konnte den Eingang der DFB-Nachricht bislang nicht bestätigen. "Es liegt uns noch nicht vor", sagte der Sprecher der Abteilung für Wirtschaftskriminalität, Bernd Bienioßek. Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt seit Anfang 2009 gegen eine international agierende Bande, der fortgesetzte gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden. Im vergangenen November waren die Ermittler an die Öffentlichkeit gegangen. 200 Partien in Europa stünden unter Manipulationsverdacht, 200 Verdächtige seien ausgemacht und 15 festgenommen worden.
Die Partie zwischen dem Münchner Traditionsklub und Schlusslicht Ahlen endete am 21. Spieltag mit einem 1:0-Erfolg der Gäste aus Westfalen. Besondere Auffälligkeiten gab es in dem Abendspiel vor der Geisterkulisse von nur 14.800 Zuschauern in der Allianz Arena nicht. Benjamin Kern erzielte Mitte der ersten Hälfte das entscheidende Tor und beendete damit die Serie der Hausherren von sieben Spielen ohne Niederlage.
"Wie in jedem Spiel gab es jede Menge Fehler auf unserer Seite, auf Seiten der gegnerischen Mannschaft und nicht zuletzt auf Seiten des Schiedsrichters. Um aber eine Absicht unterstellen zu können, braucht man hieb- und stichfeste Beweise. Wer die nicht hat, setzt leichtfertig den guten Ruf von Fußballern aufs Spiel," erinnerte sich 1860-Trainer Ewald Lienen im Rückblick auf die Partie.
"Da kann nichts gewesen sein. Wenn unser Torhüter Sascha Kirschstein nicht so gut gehalten hätte, hätten wir dort nicht gewonnen. Und unser 1:0 durch Benjamin Kern war ein Glücksschuss", erinnerte sich im "Westfälischen Anzeiger" Ahlens Vize-Präsident Jörg Hellwig. "Außerdem sind uns keine offensichtlichen Fehlleistungen der Schiedsrichter aufgefallen," so der Vize-Präsident weiter. Torhüter Kirschstein war bereits im Herbst ins Visier der Ermittler geraten. Damals ging es um eine angeblich geplante Manipulation bei der Zweitliga-Partie der Ahlener im Oktober gegen Hansa Rostock. Nach Angaben von Kirschsteins Anwalt Horst Kletke konnte der Keeper die Vorwürfe im Dezember aber entkräften.
Seit dem Skandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer und manipulierte Fußballspiele im Jahr 2005 arbeiten DFB und DFL mit dem Unternehmen Sportradar zusammen. Der Dienstleister agiert nach eigenen Angaben international "mit einem ausgeklügelten System, an dem mehrere hundert Mitarbeiter beteiligt sind". Unter anderem werden die Quotenveränderungen der Wettanbieter in bestimmten Zeit-Intervallen untersucht. Verändern sich diese auffällig, werden automatisch Warnhinweise versendet.
Quelle: dpa
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